Terroralarm Frankreich wappnet sich gegen Chemie-Anschläge

Frankreich bereitet sich auf Attentate mit chemischen Waffen vor: Ein Erlass der Regierung verordnet jetzt die Herstellung des Gegengifts Atropin.

Von , Paris


Die französische Regierung trifft Vorkehrungen zur Abwehr eines Terrorangriffs mit chemischen Kampfmitteln. Das geht aus einem Erlass des Gesundheitsministeriums hervor, der im offiziellen Gesetzblatt veröffentlicht wurde. Darin werde der Ankauf, die Lagerung, Verteilung und Verschreibung von Atropinsulfat in großem Umfang gefordert. Das berichtet die Zeitung "Le Figaro". Das eigentlich toxische Mittel wird nur vom Zentrallabor der Streitkräfte hergestellt. Es kann bei Kampfstoffangriffen - wie etwa mit Saringas - Betroffenen in hohen Dosen als Gegengift verabreicht werden.

Artikel 2 des Dekretes gibt die Anweisung an die Gesundheitsabteilung der Armee, die zuständige Verwaltung präventiv zu versorgen, damit das Gegengift den "Dienststellen für Notfallmedizin zur Verfügung steht". Der Erlass wird begründet mit der Gefahr durch Attentate auf die bevorstehende Weltklimakonferenz COP 21, die Anfang Dezember in Paris stattfinden soll.

Wegen des Risikos durch Terroranschläge stünden "schwere gesundheitliche Bedrohungen" zu befürchten, die "Notfallmaßnahmen nötig machen", heißt es weiter.

"Wir sind in einem neuartigen Krieg"

Angesichts der Lage müsse die Armee bei der Beschaffung von Atropin aktiv werden, die Organisatoren der Klimakonferenz könnten sich damit angesichts der geltenden Vorschriften nicht befassen. Eile ist offenbar geboten, denn laut der Zeitung "Figaro", gibt es zurzeit in Frankreich keine "nationalen Vorräte" des Gegengifts.

Weil keine anderen Mittel vorhanden oder bekannt seien, so das Dekret weiter, müsse "jede zweckmäßige Maßnahme ergriffen werden für den Fall einer möglicherweisen großen Zahl von Opfern".

Offenbar stützt sich der Erlass des Gesundheitsministeriums auf konkrete Hinweise. "Le Figaro" zitiert die Dienste für die Einschätzung von Terrorgefahren (Uclat), man nehme die Bedrohung ernst. Es gebe zwar keine gesicherten Erkenntnisse, aber "ausreichende Bedenken".

Die Regierung nimmt die Warnungen der Experten offenbar ebenfalls ernst. "Wir können nichts ausschließen", gestand Ministerpräsident Manuel Valls am Morgen während der Debatte über die Verlängerung des Notstands auf drei Monate. "Wir sind in einem neuartigen Krieg, nach außen wie nach innen. Ich sage es mit aller nötigen Vorsicht", betonte der Premier. "Aber wir wissen es, wir haben es im Hinterkopf: Es besteht auch ein Risiko durch chemische und biologische Waffen."



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