Jahr 2015 Frankreich verzeichnet weniger als 80.000 Asylbewerber

In Deutschland kamen 2015 rund eine Million Flüchtlinge an - Frankreich hat im vergangenen Jahr nur einen Bruchteil dieser Zahl aufgenommen.

Flüchtlinge in Frankreich: Zahl geringer als in Schweden oder Deutschland
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Flüchtlinge in Frankreich: Zahl geringer als in Schweden oder Deutschland


Deutschland und Schweden: Diese beiden Länder haben 2015 einen Großteil aller Flüchtlinge, die in die EU kamen, aufgenommen. Konkret bedeutet das: In Deutschland wurden 2015 mehr als doppelt so viele Asylanträge gestellt und mehr als fünfmal so viele Flüchtlinge registriert wie im Jahr zuvor. Schweden verzeichnete so viele Asylbewerber pro Einwohner wie kein anderes EU-Land.

Ganz anders ist die Lage dagegen in Frankreich. Dort wurden nach offiziellen Angaben im vergangenen Jahr nur 79.130 Asylanträge registriert. Das waren nur 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der positiv beschiedenen Anträge stieg demnach um 3,5 Punkte auf 31,5 Prozent, wie das zuständige Flüchtlingsamt Ofpra in Paris erklärte. Als wichtigste Herkunftsländer wurden Syrien, der Sudan und der Kosovo genannt.

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 476.649 Asylanträge gestellt. Die Behörden verzeichneten allerdings mehr als eine Million Menschen als asylsuchend. Diese Diskrepanz kommt zustande, weil es oft Monate dauert, bis ein Flüchtling formell seinen Asylantrag stellen kann. Das 10-Millionen-Einwohnerland Schweden verzeichnete mehr als 160.000 neue Asylbewerber.

Über die Ägäis gelangen weiterhin viele Flüchtlinge nach Griechenland. In der Hafenstadt Piräus trafen am Dienstag nach Angaben der Küstenwache knapp 1500 Flüchtlinge ein. In den ersten zehn Tagen des Jahres sind nach Angaben des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR insgesamt 18.334 Migranten und Flüchtlinge aus der Türkei nach Griechenland gekommen. Die meisten - mehr als 10.000 - landeten demnach auf Lesbos. Ein gutes Viertel von ihnen waren Kinder, wie das UNHCR mitteilte.

Verärgerung in Wien

Die deutschen Behörden schicken derzeit nach österreichischen Angaben vermehrt Flüchtlinge nach Österreich zurück, die eigentliche nach Skandinavien weiterreisen wollen. "Die Zahl ist von täglich 60 im Dezember auf täglich 200 seit Jahresbeginn gestiegen", sagte der Polizeisprecher von Oberösterreich, David Furtner, der Nachrichtenagentur AFP. Durch das nördliche österreichische Bundesland gelangen die meisten Flüchtlinge nach Deutschland, pro Tag sind es zwischen tausend und 2000.

Eine Sprecherin der Bundespolizeidirektion München bestätigte die Zurückweisung von Flüchtlingen in einem "zweistelligen oder niedrigen dreistelligen Bereich" pro Tag. "Wenn die Voraussetzungen gegeben sind, schicken wir zurück", sagte die Sprecherin. "Etwa solche Flüchtlinge, die gar nicht in Deutschland Asyl beantragen wollen." Eine neue Anweisung zu den Vorgängen gebe es aber nicht.

Hintergrund für die Maßnahme sei die konsequente Umsetzung der sogenannten Dublin-Verordnung, hieß es von der Bundespolizeidirektion München. Demnach werden in einem EU-Land nur Flüchtlinge aufgenommen, wenn sie dort auch einen Asylantrag stellen wollen. Wollen Migranten in einem anderen EU-Land, beispielsweise Schweden, einen Asylantrag stellen, werden sie nicht mehr weitergeleitet.

Die Regierung in Wien verlangte eine Erklärung aus Deutschland. "Deutschland hat sich offensichtlich teilweise von der Willkommenskultur verabschiedet", sagte Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner. Sie forderte angesichts des anhaltenden Zustroms von Migranten eine Obergrenze für deren Aufnahme: "Wir sind am Limit."

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anr/dpa/AFP/Reuters



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