Frankreichs Departementswahlen Zweite Chance für "Monsieur Bling-Bling"

Frankreichs rechtsextremer Front National eroberte im zweiten Wahlgang kein Departement. Dafür triumphierte das konservativ-bürgerliche Lager um Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy. Jetzt setzt der UMP-Chef alles auf seine Rückkehr in den Elysée-Palast.

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Paris - Die Pose war präsidial, das Triumphgefühl deutlich wahrnehmbar: "Sarkozy, Sarkozy", skandieren jubelnde Anhänger, als der UMP-Chef am Abend in Paris vor die Kameras tritt. "Noch nie in der Geschichte der fünften Republik hat unsere politische Familie einen solchen Erfolg in den Departements erreicht", sagt der UMP-Boss und verteilt Lob an "alle, die daran mitgearbeitet haben."

Dennoch ist klar: Nicolas Sarkozy feiert den landesweiten Zugewinn der Konservativen beim zweiten Durchgang der Departementswahlen als seinen ganz persönlichen Erfolg. Und betont: "Dieser Sieg hat mehr als lokale Bedeutung."

Zwar gab nur die Hälfte der 40 Millionen Wahlbeteiligten ihre Stimme ab. Und es geht auch nur um den Erfolg in 101 Gebietskörperschaften, die den deutschen Landkreisen vergleichbar sind - lokale Räte sind ohne großen politischen Einfluss. Dennoch erlebt Frankreich den Auftakt zu einer Wende:

- Die regierende Sozialistische Partei (PS) verliert über die Hälfte ihrer 61 Departements.

- Der Front National (FN) gewinnt eine beachtliche Zahl von Ratsposten, aber kein Departement. Marine Le Pen sieht ihre Formation dennoch optimistisch "auf dem Weg zur Macht."

- Das Wahlbündnisses UMP/UMI erreicht in weit mehr als 60 Departements eine Umkehr der Mehrheiten an der Basis.

Am Abend spricht Sarkozy staatstragend von einem Aufbruch, von "neuer Hoffnung für Frankreich." Und meint aber vor allem sein eigenes Comeback. Für den ehemaligen Präsidenten, der seine Niederlage 2012 gegen den Herausforderer François Hollande nie verwunden hat, ist es, nach langem Dauertief, die erste Etappe auf dem Marsch zur Rückeroberung des Elysée. Sarkozy wittert die Chance zur Revanche - gegen die parteiinternen Konkurrenten und gegen Hollande.

Umso schlimmer ist das Ergebnis für den derzeitigen Hausherrn: Denn der Urnengang in den Departements ist eine Absage an Präsident François Hollande und eine harte Sanktion für die sozialistische Partei (PS), die bisher in über 60 Regionalräten regierte.

Im landesweiten Negativsog gingen linke Traditionsbastionen wie die Bretagne, die Normandie und der Norden Frankreichs verloren. Besonders übel für Hollande: Der Verlust der Corrèze, jenem ländlichen Departement, das er einst für die Sozialisten eroberte und zu seiner politischen Heimat machte.

Grund genug für Sarkozy, jetzt endlich seinen Führungsanspruch zu untermauern. "Wir werden unser republikanisches Projekt vorstellen", tönt der UMP-Chef und verspricht für die angestrebte Wende "tiefgreifende Neuerungen."

Nach seiner Niederlage hatte er erst den Rückzug aus der Politik angekündigt; zwei Jahre trat er bei internationalen Events als hochdotierter Polit-Entertainer auf und verdiente ordentlich. Während sich die Konservativen über Richtungskämpfe, Personalquerelen und Finanzaffären zerstritten, erschien Sarkozy öffentlich fast nur noch bei den Konzerten von Ehefrau Carla Bruni.

Auch seine Rückkehr an die Spitze der eigenen Partei im vergangenen November geriet wenig glücklich: Selbst in Korruptionsskandale verwickelt, konnte er zwar die Führung übernehmen, doch ein halbes Dutzend von UMP-Promis erhoben Anspruch auf die Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2017 - in Umfragen galt der Ex-Staatschef nicht mehr als unangefochtener Hoffnungsträger.

Selbst die jüngsten populistischen Parolen, mit denen Sarkozy sich während seiner Meetings zu den Departementswahlen bei Sympathisanten des Front National anbiederte, waren unter wertkonservativen Parteigängern der UMP umstritten.

Im Gegensatz konnte sich Alain Juppé, einst Premierminister und Bürgermeister von Bordeaux, mit moderaten, mehr versöhnlichen Tönen als ernstzunehmender Herausforderer profilieren. Auch Juppé reklamierte den Wahlsieg für sich als Befürworter des Bündnisses zwischen Konservativen und Unabhängigen Demokraten.

Mit dem Wahlsieg in den Departements ist wohl der Streit um die Spitze der Opposition entschieden; der Kampf um die Präsidentschaftskandidatur 2016 hat gerade erst begonnen.



insgesamt 44 Beiträge
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hubie 29.03.2015
1. Was viel wichtiger ist:
Die Rechten haben keine Departements gewonnen!
franzmann68 29.03.2015
2. Anführungszeichen?
Warum die Anführungszeichen beim "Monsieur Bling-Bling"? Mit den Anführungszeichen sieht es so aus, als wuerden die Franzosen ihn so nennen. Doch das Ausdruck "Monsieur Bling-Bling" existiert hier (in Frankreich) nicht. Es existiert nur... wenn berichtet wird, wie ueber uns in der BRD berichtet wird.
taliesinwest 29.03.2015
3. Vielleicht ist er beim 2. Mal besser
und setzt endlich auch für Frankreich notwendige Reformen durch. Hollande schaft das nicht... Merkel in Deutschland übrigens auch nicht. Gerhard Schröder hat ihr nur einen kleinen Vorsprung verschafft, den sie jetzt wieder verspielt. Die Konsequenzen müssen die Deutschen erst nach ihrer Kanzlerschaft ertragen (2021?). Das ist ihr deswegen ziemlich egal. Das Problem nicht nur in Frankreich sondern in der EU generell ist, das zu viele Leute sehr gut bezahlt für den Staat arbeiten wollen und nicht in der eigentlichen Wertschöpfung....naja so können Staaten ordentlich Schulden anhäufen..und ,und und...das sehen wir ja gerade
analyse 30.03.2015
4. Gratulation den französischen Wählern !
Sarkozy ist auch nicht 1.Wahl,aber für Frankreich zehnmal besser,als der Sozialist Hollande !
quark@mailinator.com 30.03.2015
5.
Die Franzosen sind genauso verzweifelt wie die Deutschen ... man wählt immer im Kreis rum. Demnächst kommen bei uns Grüne und FDP wieder ... es ist einfach nichts im Angebot, was die Leute wirklich wollen und Protestparteien helfen natürlich auch nicht wirklich, schon alleine weil es zu lange dauert, bis sie genug Geld kriegen um echte Kompetenz bezahlen zu können. Ein Elend.
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