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Geheimes Auslandskonto: Frankreichs Ex-Minister gibt monatelange Lügen zu

Ex-Haushaltsminister Cahuzac: Existenz eines Auslandskontos zugegeben Zur Großansicht
AFP

Ex-Haushaltsminister Cahuzac: Existenz eines Auslandskontos zugegeben

Frankreichs Haushaltsminister Cahuzac trat vor zwei Wochen zurück, weil die Justiz wegen eines heimlichen Auslandskontos ermittelt. Die Vorwürfe bestritt er stets vehement, nun gab er die Existenz des Kontos zu: "Ich war in einer Lügenspirale gefangen." Präsident Hollande reagierte heftig.

Paris - Der vor zwei Wochen wegen einer Steuerbetrugsaffäre zurückgetretene französische Haushaltsminister Jérôme Cahuzac hat den Besitz eines heimlichen Auslandskontos zugegeben. Er führe seit "rund 20 Jahren" ein Konto im Ausland, auf dem derzeit rund 600.000 Euro lägen, erklärte Cahuzac am Dienstag. Ihm droht nun ein Prozess wegen "Geldwäsche im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung".

Cahuzac bat Hollande, Regierungschef Jean-Marc Ayrault und seine einstigen Ministerkollegen um Verzeihung "wegen des Schadens, den ich verursacht habe". Auch bei allen Franzosen wolle er sich entschuldigen. "Ich war in einer Lügenspirale gefangen", erklärte Cahuzac. Er habe einen "unglaublichen Fehler" begangen und sei jetzt angesichts von "Schuldgefühlen am Boden zerstört".

Cahuzac, der bis dahin als eine der wichtigsten Stützen der Regierung von Staatschef Hollande galt, war am 19. März nach der Einleitung einer richterlichen Voruntersuchung vom Amt des Haushaltsministers zurückgetreten. Das französische Enthüllungsportal Mediapart hatte im Dezember erstmals berichtet, Cahuzac habe jahrelang ein heimliches Konto bei der Schweizer Großbank UBS besessen. Dieses soll er demnach 2010 geschlossen und das Geld nach Singapur transferiert haben.

Cahuzac hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und auch nach seinem Rücktritt seine Unschuld beteuert. Am Dienstag wurde der 60-Jährige - nach eigenen Angaben auf seine Initiative hin - von den ermittelnden Untersuchungsrichtern befragt. Die Richter eröffneten daraufhin ein formelles Ermittlungsverfahren wegen "Geldwäsche im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung", wie Cahuzacs Anwalt Jean Veil der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Hollande: "Unverzeihlicher moralischer Fehler"

Er wolle das Geld nun auf sein Konto in Frankreich überweisen lassen, erklärte Cahuzac. Nach Angaben seines Anwalts wurde das Konto in der Schweiz 2009 nach Singapur transferiert. Die Beträge stammten demnach aus Cahuzacs früherer Tätigkeit als Schönheitschirurg und aus Beratertätigkeiten. Medienberichten zufolge war Cahuzac früher als Berater für die Pharmaindustrie tätig.

Frankreichs Präsident François Hollande übte heftige Kritik an seinem Ex-Minister: Cahuzac habe einen "unverzeihlichen moralischen Fehler" begangen, als er unter anderem vor der französischen Nationalversammlung die Existenz eines Auslandskontos bestritten habe. Cahuzac hatte Anfang Dezember vor den Abgeordneten gesagt: "Ich habe kein Konto im Ausland und habe nie eines besessen." Hollande erklärte, nun sei es an der Justiz, "in aller Unabhängigkeit die Konsequenzen zu ziehen".

Der Vorsitzende der oppositionellen konservativen UMP in der Nationalversammlung, Christian Jacob, sagte, es falle ihm schwer zu glauben, dass Hollande und Ayrault nicht schon vorher über "die Situation" informiert gewesen seien.

fab/AFP

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1. Die
chico 76 02.04.2013
Justiz scheint zu funktionieren, im Gegensatz zu uns, STA Hannover im Wulff"fall", offensichtlich rot/grün-gedopt, politisch präjudiziert.
2. Verfehlungen
Inuk 02.04.2013
Cahuzac ist nicht alleine. Ich will nicht vorverurteilen, aber ich bin gespannt, was in den nächsten Tagen, nach dem Rücktritt des Finanzministers Sarris in Zypern so alles an die Oberfläche gespült wird. Transfergeschäfte, Insiderwissen etc. Bei uns in Deutschland haben wir beispielsweise: Einen Kanzlerkandidaten, der zu Veranstaltungen der Finanzbranche eingeladen wird und dessen Reden von dieser Klientel bezahlt werden. Einen Bundespräsidenten, der scheibchenweise nur das zugab, was aufgeklärt wurde und am Schluss zurücktreten musste. Einen Politiker, der sich in 16jährige verliebt. (Ist zwar Privatsache, aber seine Liebe ist schnell eingefroren, als er bemerkte, wie schädlich diese Beziehung für seine politische Karriere ist). Einen Generalsekretär, der Fahrerflucht begeht. Einen Bürgermeister, der trotz Desaster bei einer Love-Parade keine Verantwortung trägt und erst durch eine Bürgerinitiative abgewählt werden konnte. Hierfür meinen Respekt an die Duisburger Bürger. Michael Braun, zurückgetretener Senator, bzgl. Verstrickungen in Schrottimmobilien. (Bekommt 50.000 Euro Überbrückungsgeld für eine 14tägige Amtszeit). Dazu kommen noch jede Menge Politiker, die schamlos plagiiert haben, wie: Karl Theodor zu Guttenberg, Veronika Saß, Silvana Koch-Mehrin, Jorgo Chatzimarkakis, Margarita Mathiopoulos, Bijan Djir-Sarai, Matthias Pröfrock , Uwe Brinkmann und Florian Graf. Die Politiker predigen, dass wir im täglichen Miteinander mehr Zivilcourage zeigen sollen. Hinsehen statt Wegschauen, Engagement statt Gleichgültigkeit, Wahrheit statt Lüge. Mut wünsche ich mir auch bei den Staatsanwälten und Richtern, dass sie endlich mal durchgreifen, und zwar richtig hart! Wir können wahrlich nicht stolz sein, auf unsere demokratisch gewählte Führungselite.
3. Salon-Sozialisten allerorten
mps58 02.04.2013
Reiche Salon-Sozialisten die sich in ihrer Steuererhöhungspolitik gegen die hart arbeitende Mittelschicht verschworen haben gibt es eben rechts und links des Rheins.
4. Wieso ?
DerNachfrager 02.04.2013
Der gute Mann hat sich doch bloß an das Lafontaine'sche Lehrbuch für gute Sozialisten gehalten.
5. Schön...
DerNachfrager 02.04.2013
Zitat von chico 76Justiz scheint zu funktionieren, im Gegensatz zu uns, STA Hannover im Wulff"fall", offensichtlich rot/grün-gedopt, politisch präjudiziert.
...wie man sowas umdrehen kann: Der Sozialismus ist gut, denn da werden die sozialistischen Gangster manchmal geschnappt.
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