Frankreich Geheimdienst rechnet nicht mit massiver Rückkehr von IS-Kämpfern

Frankreich gedenkt der Opfer der Anschlagserie von 2015, die Bedrohungslage ist weiter hoch. Trotz der Gebietsverluste der IS-Terrormiliz rechnet der Geheimdienst aber nicht mit zahlreichen Rückkehrern aus Nahost.

Emmanuel Macron bei einer Gedenkveranstaltung
AFP

Emmanuel Macron bei einer Gedenkveranstaltung


Frankreich gedenkt der 130 Toten und mehr als 350 Verletzten der islamistischen Anschläge vor zwei Jahren. Präsident Emmanuel Macron legte am Montagmorgen vor dem Fußballstadion Stade de France nördlich von Paris einen Kranz nieder.

Vor einem Eingang des Stadions hatte sich am Abend des 13. November 2015 während des Spiels zwischen Deutschland und Frankreich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und einen Passanten getötet. Es war der Beginn der Anschlagserie, zu der sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannte.

Macron nahm im Anschluss an die Kranzniederlegung gemeinsam mit der Pariser Bürgermeisterin an weiteren Gedenkzeremonien vor sechs Restaurants und Cafés im Zentrum der französischen Hauptstadt teil. Dort hatten die Islamisten an dem Novemberabend vor zwei Jahren das Feuer auf Menschen eröffnet, die auf Terrassen saßen.

Zum Abschluss ist eine Kranzniederlegung vor der Konzerthalle Bataclan vorgesehen. Die Dschihadisten hatten dort ein Konzert der US-Band Eagles of Death Metal gestürmt und zahlreiche Besucher als Geiseln genommen. Sie töteten 90 Menschen.

Frankreichs Inlandsgeheimdienst DGSI rechnet derweil nicht mit einer massiven Rückkehr französischer IS-Anhänger nach Europa. "Wir stehen nun Kämpfern gegenüber, die ziemlich entschlossen sind, in den Rückzugsgebieten des 'Islamischen Staats' zu bleiben in der Annahme, nach Malaysia, Indonesien oder Afghanistan geschickt zu werden", sagte Behördenchef Laurent Nuñez der Zeitung "Le Figaro". "Das privilegierte Szenario ist derzeit nicht das einer massiven Rückkehr" aus den Kriegsgebieten in Syrien und im Irak, so Nunez weiter.

Die Pariser Behörden gehen davon aus, dass sich noch 686 Männer und Frauen in dem syrisch-irakischen Kriegsgebiet aufhalten, die entweder Franzosen sind oder in der Vergangenheit in Frankreich gelebt haben. Dazu kämen rund 500 Kinder, sagte Nuñez.

Bislang seien 244 Männer und Frauen sowie 58 Kinder aus dem syrisch-irakischen Gebiet nach Frankreich zurückgekehrt. Die Erwachsenen stünden zum Großteil unter Aufsicht der Justiz, alle würden vom Inlandsgeheimdienst überwacht. Zuletzt seien aber weniger Franzosen zurückgekommen - seit Januar seien nur neun Rückkehrfälle registriert worden, überwiegend Frauen mit Kindern. Die Bedrohungslage für Frankreich bleibe jedoch weiter hoch.

dop/dpa/AFP



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