Frankreichs Herabstufung Sarkozy kämpft gegen den Vertrauensverlust

Der Präsident gibt sich kämpferisch: Nicolas Sarkozy hat die Herabstufung der französischen Kreditwürdigkeit als Test bezeichnet. Er forderte die Franzosen auf, in der Schuldenkrise Ruhe zu bewahren. Die Opposition sieht den Staatschef dagegen als gescheitert.

Frankreichs Präsident Sarkozy: "Wir müssen kämpfen"
AP

Frankreichs Präsident Sarkozy: "Wir müssen kämpfen"


Paris - Nicolas Sarkozy hat sein Schweigen gebrochen. Frankreichs Staatspräsident sprach am Sonntag von einer Prüfung für sein Land. "Wir müssen kämpfen." Sarkozy kommentierte die Herabstufung durch die Rating-Agentur Standard & Poor's zwar nicht direkt, er kündigte aber eine wichtige Rede an, in der er den Franzosen seinen Kurs erläutern will.

Klar ist: Der Verlust der Bestnote bei der Bonität ist für den Staatschef auch ein ganz persönlicher Rückschlag. In drei Monaten stehen die Wahlen an und Sarkozy hatte zuletzt mit allen Mitteln versucht, die Topbewertung seines Landes zu verteidigen. "Wenn wir das AAA verlieren, bin ich tot", soll er laut der französischen Zeitung "Canard enchaîné" bereits im Oktober gesagt haben.

Standard & Poor's hatte die Kreditwürdigkeit Frankreichs und acht weiterer Länder der Euro-Zone am Freitag heruntergestuft. Aus dem französischen Wirtschaftsministerium verlautete, dass der Schritt das Land bis zu zwei Milliarden Euro pro Jahr kosten könnte. Der Grund: Eine schlechtere Bonität kann zu höheren Zinsen bei der Aufnahme von Krediten führen. Dieser Zusammenhang ist aber nicht zwangsläufig, wie das Beispiel USA zeigt: Die Amerikaner hatten im Sommer ihr AAA von S&P verloren, dennoch müssen sie Investoren aktuell niedrigere Zinsen für Kredite zahlen als vor der Herabstufung.

Ende Januar will er dem französischen Volk nun "die wichtigen Entscheidungen vorstellen, die getroffen werden müssen", sagte Sarkozy am Sonntag in Amboise. Die Krise könne überwunden werden, sofern es den gemeinsamen Willen und die Kraft für Reformen gebe. Die Bürger müssten Ruhe bewahren und Mut beweisen.

In Umfragen liegt Sarkozys Herausforderer vorn

Am kommenden Mittwoch will sich Sarkozy Gewerkschaftern und Wirtschaftsbossen zu einem Krisengipfel treffen. Bei den Gesprächen soll es unter anderem um die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer, die Einführung einer Steuer auf Finanztransaktionen und um eine Anpassung der Arbeitszeit gehen. Es dürfte für Sarkozy aber schwierig werden, schnell schmerzhafte Reformen umzusetzen und so den Staatshaushalt noch vor der Präsidentschaftswahl zu sanieren.

Die Opposition reibt sich bereits die Hände. Kaum war die Nachricht der Herabstufung am Freitag in der Welt, setzte sie zu der bislang wohl schärfsten Attacke gegen Sarkozy an. Die 2007 begonnene Präsidentenamtszeit stehe für die Degradierung und den Verfall des Landes, wetterten Politiker der Sozialistischen Partei (PS). Ihr Präsidentschaftskandidat François Hollande warf der Regierung vor, gescheitert zu sein: "Sarkozy hat den Erhalt des Triple A zu einem Ziel seiner Politik und sogar zu einer Auflage für seine Regierung gemacht", sagte Hollande.

Der Herausforderer liegt bei einer aktuellen Umfrage klar vor Sarkozy, mit 27 zu 22 Prozent im ersten Wahlgang und mit 56,5 zu 43,5 Prozent im zweiten Wahlgang. Das berichten der Radiosender Europe1 und die Zeitschrift "Paris Match" unter Berufung auf das Institut Ifop.

cte/dapd/AFP/dpa



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insgesamt 7 Beiträge
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caty24 15.01.2012
1. Amis pleiter als Europa
Mit Ihren Ratingagenturen macht sich die USA weltweit nur Feinde. Selbst viel pleiter als Europa,aber andere Länder kritisieren. Und irgendwann merkt auch der Letzte,dass es hier um einen Wirtschaftskrieg geht.
E.Cartman 15.01.2012
2.
Zitat von caty24Mit Ihren Ratingagenturen macht sich die USA weltweit nur Feinde. Selbst viel pleiter als Europa,aber andere Länder kritisieren. Und irgendwann merkt auch der Letzte,dass es hier um einen Wirtschaftskrieg geht.
S&P gibt Frankreich jetzt das gleiche Rating wie den USA, teilen der Eurozone sogar noch ein besseres, und auch die große US Bankenverschwörung ist zuletzt immer wieder kollektiv herabgestuft worden. Natürlich kriegen Sie als Investor in den USA alle öffentlichen Schulden zur Not von der Fed auf die Hand gedruckt, während Sie in Europa eventuell in nächtlichen Sitzungen auf Ihre Forderungen verzichten sollen, was schon einen Unterschied macht. Allein durch Fleiß und eisernes Sparen können sich die Angelsachsen natürlich genausowenig wie die Europäer entschulden, aber sie erklären das was bei derart hohen Schuldenständen offensichtlich nicht funktioniert dann eben nicht zum einzigen Weg.
seine-et-marnais 15.01.2012
3. Sarkozy wie er leibt und lebt
Zitat von sysopDer Präsident gibt sich kämpferisch: Nicolas Sarkozy hat die Herabstufung der französischen Kreditwürdigkeit als Test bezeichnet. Er forderte die Franzosen auf, in der Schuldenkrise*Ruhe zu bewahren. Die Opposition sieht den Staatschef dagegen als gescheitert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,809195,00.html
In seiner Art hat er alles gesagt. Am 18. Januar spricht er mit den Sozialpartnern und Ende Januar verkuendet er was an notwendigen Reformen ansteht. Da hoert man nichts von Verhandlungen, Beratungen, ganz einfach er verkuendet was gemacht wird. Dann darf Sarkozy sich auch nicht wundern wenn er fuer das wirtschaftliche Desaster verantwortlich gemacht wird. Schliesslich bruestet er sich ja damit alles selbst zu machen. Im uebrigen hat er sich in die AAA-Falle selbst reingeritten. Bis vor einiger Zeit sprach kein Mensch von den Ratingagenturern. Aber dann wurden wir ja vollgbombt mit Meldungen wie toll das Land dastehe, da es im Gegensatz zu anderen Mittelmeeranrainerstaaten AAA sei, dh wirtschaftlich top, so top wie die Deutschen. Noch ein kleiner Zusatz zu den letzten Umfrageergebnissen von Ifop: Hollande 27% (-1%) Sarkozy 24% (-2%) Le Pen 21,5% (+2,5%) Bayrou 12,5% (+0,5%) Quelle: Présidentielle 2012 - Intentions de vote aux élections - Sondages en France (http://www.sondages-en-france.fr/sondages/Elections/Pr%C3%A9sidentielles%202012)
kellitom 15.01.2012
4. Ratingagenturen ignorieren
Die Ratingagenturen sind im Besitz großer US_Banken. Sie rateten die Lehmannpapiere noch kurz vor der Pleite mit AAA. Wer diesen Agenturen traut, der ist selbst schuld. Frankreich sollte daher die Herabstufung einfach ignorieren.
DF2000 15.01.2012
5. Party auf Pump ist zu Ende!
Zitat von kellitomDie Ratingagenturen sind im Besitz großer US_Banken. Sie rateten die Lehmannpapiere noch kurz vor der Pleite mit AAA. Wer diesen Agenturen traut, der ist selbst schuld. Frankreich sollte daher die Herabstufung einfach ignorieren.
Ob man nun die Ratingagenturen mag oder nicht mag ist völlig egal. Es geht einzig und allein um die Frage, ob Länder aufgrund ihrer verfehlten Schuldenpolitik noch kreditwürdig sind oder nicht? Wer Geld verleit, will es zurückhaben. Das ist legitim und darum geht es! Die Schuldenstaaten haben ihre Party in der Vergangenheit auf Pump gefeiert, nun müssen sie die Rechnung dafür bezahlen.
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