Rigoroser Sparplan: Frankreichs Regierung streicht 34.000 Stellen beim Militär

Französische Soldaten in Afghanistan: Zehntausende Stellen weniger Zur Großansicht
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Französische Soldaten in Afghanistan: Zehntausende Stellen weniger

Frankreichs Militär steht vor einem tiefen Einschnitt: 34.000 Stellen will die Regierung in den kommenden Jahren wegfallen lassen. Die wirtschaftliche Lage des Landes ist düster, Präsident Hollande muss rigoros sparen.

Paris - Die französische Armee wird stark reduziert: Die Regierung streicht Zehntausende Stellen im Verteidigungssektor. Insgesamt sind es 34.000 Arbeitsplätze in den verschiedenen Bereichen des Militärs. Das berichten mehrere französische Medien übereinstimmend.

Bis 2015 sollen 10.000 Stellen abgebaut werden. In den darauffolgenden vier Jahren sollen weitere 24.000 Posten wegfallen. Dies melden "Le Monde" und "Le Figaro", sie beziehen sich auf das Verteidigungsministerium. Dabei sollen in erster Linie freiwerdende Stellen nicht neu besetzt werden.

Am Montag wurde der Fünf-Jahres-Plan für die Militärstrategie veröffentlicht. Das sogenannte Weißbuch 2013 wurde Präsident François Hollande übergeben werden. Der neue Plan setze drei Prioritäten, sagte er: Schutz, Abschreckung und Intervention.

Die französische Armee war zuletzt für den Einmarsch in Mali gelobt worden, bei dem islamistische Rebellen in der ehemaligen Kolonie zurückgedrängt worden waren. Zugleich wurden aber auch die Schwachpunkte deutlich, vor allem bei Truppentransporten, dem Auftanken von Flugzeugen in der Luft und der Beschaffung von Informationen. Die Veröffentlichung zur französischen Verteidigungspolitik war zuvor unter anderem wegen des Militäreinsatzes im afrikanischen Mali mehrmals verschoben worden.

Die Ausgaben sollen mit 31,4 Milliarden Euro im kommenden Jahr stabil bleiben und sich auch in den Folgejahren kaum verändern. Das Militär musste bereits in den vergangenen Jahren einen großen Teil zu den Einsparungen des Staates beitragen.

In Frankreich liegt der Verteidigungsetat bei ungefähr 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Nach dem Ende des Kalten Krieges Anfang der neunziger Jahren waren es noch 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Die Zeitung "Les Echos" hatte am Sonntag von 20.000 zusätzlichen Stellen beim Militär bis 2019 geschrieben. Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy hatte im Jahr 2008 den Abbau von rund 54.000 Posten im Verteidigungsbereich bis zum Jahr 2015 angekündigt.

In Frankreichs Haushalt klafft ein Milliarden-Euro-Loch, das sich angesichts der düsteren wirtschaftlichen Entwicklung so schnell nicht füllen lässt. Der Rechnungshof verlangt von Präsident Hollande rigoroses Sparen. Die sozialistische Regierung rechnet nicht mehr damit, in diesem Jahr den Fehlbetrag unter die im EU-Stabilitätspakt festgelegte Grenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken. Sie will nun ein Jahr mehr Zeit erhalten, um dieses Ziel zu erreichen.

heb/kgb/AFP/Reuters

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insgesamt 43 Beiträge
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1. Nuklearwaffen sind nicht von dieser Zeit!
duiveldoder 29.04.2013
Da sollte Hollande ansetzen. Da liesse sich um einiges mehr sparen als 34.000 Stellen zu streichen.
2. Titellos
UnitedEurope 29.04.2013
Na das ist doch mal ein Anfang. Die Niederlande haben auch alle ihre Kampfpanzer verkauft und schaffen keine neuen mehr an aus Budgetgründen. Bei Frankreich sehe ich jedoch noch mehr Spielraum. So ist die Truppenstärke gemessen an der Bevölkerung immer noch viel zu hoch, die Force de Frappe verschlingen Unsummen und eine verstärkte Kooperation mit den anderen Streitkräfte, insbesondere bei der Anschaffung und Forschung und Entwicklung würde auch Milliarden sparen ohne einen spürbaren Kampfkraft Verlust.
3. Tippfehler
Wolffpack 29.04.2013
Zitat von sysopFrankreichs Militär steht vor einem tiefen Einschnitt: 34.000 Stellen will die Regierung in den kommenden Jahren wegfallen. Die wirtschaftliche Lage des Landes ist düster, Präsident Hollande muss rigoros sparen. Frankreichs Regierung will 34.000 Stellen beim Militär streichen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreichs-regierung-will-34-000-stellen-beim-militaer-streichen-a-897141.html)
Ich bin mir fast sicher das das: 34.000 Stellen will die Regierung in den kommenden Jahren wegfallen lassen. heißen soll und nicht: 34.000 Stellen will die Regierung in den kommenden Jahren wegfallen. ;)
4. Viel zu oberflaechlich..
knoeterfrosch 29.04.2013
Zitat von sysopFrankreichs Militär steht vor einem tiefen Einschnitt: 34.000 Stellen will die Regierung in den kommenden Jahren wegfallen. Die wirtschaftliche Lage des Landes ist düster, Präsident Hollande muss rigoros sparen. Frankreichs Regierung will 34.000 Stellen beim Militär streichen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreichs-regierung-will-34-000-stellen-beim-militaer-streichen-a-897141.html)
..der Artikel. Folgende Fragen muesste er beantworten: 1. Wie gross ist der franzoesiche Staatshaushalt (Mrd/a)? 2. Wie gross ist der gesamte Militaerhaushalt? 3. Wie gross ist das Milliardenloch? 4. Wieviel bringt die Stellenstreichung? 5. Was kosten die anderen Posten (Force de Frappe, Auslandseinsaetze...) 6. Ach ja und natuerlich auch: Wie gross ist die Gesamtstaerke der frz. Armee? So ist der Artikel, wie soviele andere auch, fuer die Hose.
5. Größenwahn kostet Geld
Klaus100 29.04.2013
Alles ein paar Nummern zu groß. Immer noch nicht in der Realität einer Mittelmacht angekommen. Egal wo man politisch steht, ein wenig Mitleid ist fast zwangsläufig vorhanden.: Hollande steht vor einer kaum zu bewältigenden Aufgabe. Nicht nur die französische Politik ist reformunfähig, sondern die gesamte Gesellschaft verweigert sich den notwendigen Schritten.
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