Frauen in Pakistan Musharrafs erfolgreiche Töchter

Unterdrückung durch die Männer, Ehrenmorde - so sieht der Westen die Lage der Frauen in Pakistan. Tatsächlich gibt es längst erfolgreiche Anwältinnen und Unternehmerinnen. Denn eine boomende Wirtschaft lässt sich durch alte Strukturen nicht bremsen. Das ist die Chance der Frauen.

Aus Karatschi und Islamabad berichtet


Karatschi/Islamabad - Taslima redet nur widerwillig mit dem Reporter. Das ist ein fremder Mann, sich mit ihm auf offener Straße zu unterhalten gehört sich nicht. Außerdem ist ihr Ehemann nicht dabei, was sollen die Menschen denken, die sie sehen?

Angst habe sie nicht, weder vor dem Reporter noch vor ihrem Mann, sagt die 24-Jährige dann doch, als sie in der Schlange vor dem Lebensmittelgeschäft in Karatschi steht. Aber sie sei eben so erzogen worden, dass man sich mit fremden Männern nicht unterhält. "Ich fühle mich einfach nicht wohl dabei", sagt Taslima in ihrer schwarzen Burka, die nur einen Sehschlitz freilässt. Ihre Augen hat sie mit Lidschatten betont. Höflich verabschiedet sich die Frau, wendet sich wieder ihrer Freundin in der Schlange zu.

Amna Saleem drapiert ihr Halstuch um die Schulter, schlägt die Beine über Kreuz und lehnt sich zurück. "Pakistan ist ein wundervolles Land für Frauen", sagt sie. "Frauen können in diesem Land alles erreichen, wenn sie nur wollen. Mit Hingabe und harter Arbeit ist alles möglich." Die elegante Dame ist Mitglied einer Partei, die dem pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf nahe steht, bis vor kurzem war sie Mitglied des pakistanischen Parlaments. "Jetzt bin ich erfolgreiche Unternehmerin", sagt sie lachend und erzählt von den vier Auszeichnungen, die sie für ihre Leistungen als beste Unternehmerin des Landes erhalten hat.

Saleem exportiert edle Möbel und Textilien in alle Welt. Sie lebt in einer Villa am Rande von Islamabad, ihre Kinder haben in Pakistan, England und in den USA studiert, ihr Vater, ihr Onkel und ihr Mann waren allesamt Offiziere in der pakistanischen Armee.

"An der Unterdrückung der Frau hat der Islam keine Schuld"

Hier die verhüllte Taslima, dort die moderne Amna Saleem: Die Rolle der Frau ist in Pakistan von Gegensätzen gekennzeichnet wie die pakistanische Gesellschaft selbst. "In unserem Land gibt es Frauen, die auf dem Feld oder als Hausfrau arbeiten, und Frauen, die als Ärztinnen, Managerinnen, Rechtsanwältinnen, Bankerinnen ihren Job machen", sagt Afia Salam, Redakteurin beim privaten Fernsehsender DawnNews in Karatschi. "Leider haben die meisten Menschen in westlichen Ländern die Vorstellung, in Pakistan würden Frauen eingesperrt und dürften nichts machen."

Allerdings sagt Salam auch, dass es leider auch heute noch Frauen gebe, die von ihren Männern unterdrückt würden. "Daran hat der Islam aber keine Schuld. Solche Traditionen, unter denen Frauen zu leiden haben, sind prä-islamisch, die gibt es nicht erst seit den Taliban oder al-Qaida." Ursache für den Fortbestand solcher Traditionen sei fehlende Bildung. "Man löst dieses Problem nicht, indem man Kriege führt, sondern für mehr Bildung sorgt und somit den Madrassas, also den herkömmlichen Koranschulen, das Wasser abgräbt." Bildung könnte Mädchen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

"Natürlich gibt es Frauen, die arbeiten müssen, weil die Familie sonst nicht genügend Geld hat. Und viele Frauen arbeiten, weil sie sich verwirklichen wollen. Es ist bei uns in Pakistan so wie überall in der Welt", sagt die Journalistin. "Aber warum ist immer nur die Rede von Frauen, die arbeiten wollen, aber nicht dürfen? Es gibt solche Fälle, aber sie sind nicht bezeichnend für die Situation von Frauen in Pakistan."

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