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Freilassung eines Guantanamo-Gefangenen: Einmal Hölle und zurück

Von und Shoib Najafizada

Sieben Jahre saß Mohammed Jawad im Lager Guantanamo, jetzt ist er zurück in Afghanistan - doch nicht einmal seine Mutter erkannte ihn wieder. Für die verlorenen Jahre fordert der 19-Jährige von den USA eine Entschädigung.

Guantanamo-Heimkehrer Jawad: "Ich will nur ein normales Leben" Zur Großansicht
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Guantanamo-Heimkehrer Jawad: "Ich will nur ein normales Leben"

Berlin/Kabul - Mohammed Jawad wirkt verstört. Immer wieder schaut er zu seinem Anwalt herüber. Mit Blicken fragt er, was er denn nun sagen soll. Jawad und der US-Jurist Eric Montalvo sitzen nebeneinander in einem weißen Zelt der afghanischen Anwaltsvereinigungen in der Hauptstadt Kabul, der junge Afghane trägt ein braunes Käppchen und ein weißes Gewand. Es ist Jawads erster Auftritt, erst vor drei Tagen ist er nach Afghanistan zurückgekehrt, nach sieben Jahren in Guantanamo Bay, dem berüchtigten Anti-Terror-Lager der USA auf Kuba.

Es ist nicht viel, was Jawad mitteilen will - oder kann. Mehrmals betont er seine Unschuld. "Ich war noch ein Kind, als sie mich festnahmen. Ich habe niemandem etwas getan." Über die Zeit in Guantanamo will er noch nicht reden. "Sie haben sehr schlimme Dinge mit mir gemacht", sagt er leise, "ich würde das alles am liebsten vergessen." Als er am Montag nach Kabul zurückkam, wurde er von Präsident Hamid Karzai empfangen. Dem, sagt Jawad, habe er ein bisschen über die Haft erzählt, aber öffentlich könne er darüber noch nicht sprechen.

Es ist eine schwierige Rückkehr für den heute 19-Jährigen. Die meisten seiner Familienmitglieder sind tot oder aus Afghanistan weggezogen. Seine Mutter, die einzige Verwandte, erkannte ihn am Montag nicht auf Anhieb. Erst ein Geburtsfleck auf seinem Kopf gab ihr die Gewissheit, dass der junge Mann vor ihrer Tür tatsächlich ihr Sohn ist. Das letzte Mal gesehen hat sie Mohammed vor sieben Jahren. Damals im Frühjahr 2002, der Junge war etwa zwölf Jahre alt, kehrte er von einer Verabredung zum Tee bei einem Onkel nicht zurück.

Dürftige Beweise und Folter

Wie bei vielen anderen Verdächtigen, die in Guantanamo landeten, waren auch in Jawads Fall die Beweise dürftig. In Guantanamo wurde er gefoltert. Einer der vom Militär bestellten Ankläger trat sogar wegen der vielen Verfahrensfehler zurück. Trotzdem saß Jawad sieben Jahre in dem Lager ein.

Mohammed Jawad wurde die Beteiligung an einem Handgranatenanschlag auf ein US-Militärfahrzeug vorgeworfen, bei dem Anschlag wurden zwei US-Soldaten getötet. Von den Afghanen hieß es damals, dass Jawad ein Geständnis abgelegt habe. Mit dieser dürftigen Information, die nach heutigen Erkenntnissen wohl unter massivem Druck zustande kam, wurde er, vermutlich gegen eine Belohnung, an die Amerikaner übergeben und landete nach einer Zwischenstation in Guantanamo Bay. Dort wurde sein Fall nicht weiter bearbeitet.

Selbst als Militärtribunale die Fälle der Häftlinge prüften, hielten die Ankläger wichtige Beweise absichtlich zurück, die Jawad entlastet hätten. So war etwa sein angebliches Geständnis in einer Sprache verfasst worden, die der Junge gar nicht spricht. Und die Afghanen verdächtigten eigentlich zwei andere Männer als Attentäter. Doch der US-Chefankläger, das hatte er damals selbst erklärt, wollte den Fall Jawad zur ersten Verurteilung eines Guantanamo-Insassen machen.

Schockwellen im Guantanamo-System

Im abgeschotteten Justizsystem in Guantanamo sorgte der Fall für erhebliche Schockwellen. Der zuständige Militärstaatsanwalt kündigte im September 2008 seinen Job und erhob schwere Vorwürfe. Die Beweisführung sei "sogar in den einfachsten Dingen nicht komplett und nicht verlässlich", dem Angeklagten werde "ein fairer Prozess verwehrt". Wer die Anklage in diesem Fall übernehme, bringe sich selbst in Gefahr "ethischer Verfehlungen", erklärte der Jurist damals.

Jawads Familie in Afghanistan wusste zu diesem Zeitpunkt nur, dass ihr Sohn in dem US-Gefangenenlager einsitzt, Details kannte sie nicht. Mitarbeiter der Anwälte hatten die Familie in Kabul aufgetan und auch die afghanische Regierung informiert. Im Westen wurde Jawad vor allem deswegen bekannt, weil er bei seiner Festnahme so jung war - das US-Militär behauptet bis heute, Jawad sei zum Zeitpunkt der Festnahme 16 oder 17 Jahre alt gewesen.

Doch all die Zweifel, Verfahrensfehler, Proteste nutzten Jawad über Jahre nichts. Als schließlich auch die Ankläger in Guantanamo an der Schuld des Jungen zweifelten, dauerte es trotzdem noch Monate, bis er per Militärflugzeug zur US-Basis nördlich von Kabul geflogen und dort freigelassen wurde.

Details über das "Frequent flyer"-Programm

Jawad fordert jetzt von den USA eine Entschädigung für die Jahre in Guantanamo. Zudem fordere er eine sofortige finanzielle Unterstützung für Essen und Unterkunft, erklärte sein Anwalt Eric Montalvo in Kabul. Es sei "inakzeptabel", Jawad nicht bei seiner Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu helfen.

Die Beschreibungen der Haftbedingungen könnten aus US-Sicht unerwünscht sein. Denn Jawad kann detailliert über das sogenannte "Frequent flyer"-Programm berichten, mit dem Gefangene über Tage wachgehalten wurden, um sie psychisch zu brechen. Ebenso soll er geschlagen und mit der Tötung seiner Familie bedroht worden sein. Solche Aussagen könnten in der afghanischen Öffentlichkeit für weitere antiamerikanische Ressentiments sorgen.

Mohammed Jawad sagt, er wolle nun ein ganz normales Leben führen. Bis dahin ist es noch ein langer Weg.

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Forum - Afghanistan - Demokratisierung oder Taliban-Terror?
insgesamt 4149 Beiträge
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1. mission failed
atzlan 20.08.2009
Zitat von sysopIn Afghanistan ist die Sicherheitslage extrem gespannt, die deutschen Soldaten wappnen sich gegen neue Anschläge. Wie sieht die Zukunft des Landes aus: Demokratisierung oder Taliban-Terror ohne Ende?
"Die Wahlen werden weit von freien und fairen Wahlen entfernt sein. Ganze Wahlurnen werden verkauft, sie erhalten auf dem Basar Stimmzettel für wenige Dollar. Um die Wahlen herum ist eine ganze Wirtschaft entstanden - mit Demokratie in unserem Sinne hat das aber wenig zu tun." http://www.tagesschau.de/ausland/afghanistaninterview100.html
2.
zenobit 20.08.2009
Zitat von sysopIn Afghanistan ist die Sicherheitslage extrem gespannt, die deutschen Soldaten wappnen sich gegen neue Anschläge. Wie sieht die Zukunft des Landes aus: Demokratisierung oder Taliban-Terror ohne Ende?
Es gibt keine Demmokratisierung in Afghanistan. Das was als solche dargestellt wird ist eine Farce. Andere Regierungen, die ihr Volk so betrügen, würden International geächtet werden und ihnen würde mit wirtschaftlichen Sanktionen gedroht werden. Krazai kauft oder beseitigt seine poltischen Gegner. Wie soll auch in einem Land indem Bürgerkrieg und Krieg gegen ausländische Truppen herrscht, indem mehr als 1/3 des Landes unter Kontrolle der Taliban steht, auch nur ansatzweise eine demokratische Wahl abgehalten werden? Dazu kommt noch, dass die meisten afghanischen Bürger weder Zeitungen lesen und kennen noch irgendwie Strom oder ein Radio besitzen. Wie sollen sich die Menschen in den Provinzen ein Bild von den Kandidaten machen?? Es wird derjenige gewählt, der ihnen von den Stammesführen vorgeschrieben wird und die lassen siche ihre Loyalität bezahlen.
3.
namlob, 20.08.2009
Zitat von sysopIn Afghanistan ist die Sicherheitslage extrem gespannt, die deutschen Soldaten wappnen sich gegen neue Anschläge. Wie sieht die Zukunft des Landes aus: Demokratisierung oder Taliban-Terror ohne Ende?
Wenn wir uns die Gegend einmal näher ansehen, so ist "Demokratie" dort ein Fremdwort. Vergleichen wir mal Tibet vor der KPCh, die postsowejtischen Republiken, Iran u.s.w. Als Alternative gibt es nicht nur die Taliban sondern die Verhältnisse auch bevor die Taliban und die Mujaheddin die Sowjets mit Hilfe der USA des Landes verwiesen haben.
4. Das kommt darauf an
spalthammer 20.08.2009
Zitat von sysopIn Afghanistan ist die Sicherheitslage extrem gespannt, die deutschen Soldaten wappnen sich gegen neue Anschläge. Wie sieht die Zukunft des Landes aus: Demokratisierung oder Taliban-Terror ohne Ende?
Wie die Zukunft des Lands aussieht, hängt wohl stark von der weiteren Vorgehensweise ab: Wenn man endlich begreift, daß AFG für eine Demokratie westlicher Maßstäbe nicht reif ist, die Millionen für die getürkte Wahl lieber den Mohnbauern gibt, damit die KEINEN Mohn mehr anbauen, Obamas Strategie (und das sage ich als Obamakritiker) des Eroberns und Haltens konsequent weiterverfolgt (mit den entsprechenden Verlusten) um das Land endlich zu befrieden, DANACH den zivilen Wiederaufbau betreibt, dann kann das durchaus etwas werden. Das geht aber nur, indem man das System Karzai durch einen UN-Kontrollrat ersetzt und den Afghanen die Souveränität erst mal entzieht. Das wird den meisten (von den Exil-Afghanen mal abgesehen) wahrscheinlich auch egal sein, die wollen Frieden, Brot und ein Dach über dem Kopf wenn es kalt wird. Wenn man so weitermacht wie bisher, dann kann man sich bestenfalls geordnet zurückziehen, wahrscheinlich macht man eher britische Erfahrungen und irgendwann klopft wieder ein einsamer Reiter an ein Stadttor... Ich warte jetzt mal auf die Youtube Attacken und Twitter Offensiven der aufgebrachten Afghanen wegen der Wahl, auf die heilige Empörung des Westens ob der gekauften Stimmen (wenn es welche gibt) und auf das Fingerzeigen auf Russland ob des Schulterschlusses mit Karzai... ach, ich habe völlig vergessen, daß wir nicht im Iran sind. Gruß an alle, die dort dienen und bleibt gesund!
5. Kommt darauf an...
spalthammer 20.08.2009
Zitat von sysopIn Afghanistan ist die Sicherheitslage extrem gespannt, die deutschen Soldaten wappnen sich gegen neue Anschläge. Wie sieht die Zukunft des Landes aus: Demokratisierung oder Taliban-Terror ohne Ende?
Wie die Zukunft des Lands aussieht, hängt wohl stark von der weiteren Vorgehensweise ab: Wenn man endlich begreift, daß AFG für eine Demokratie westlicher Maßstäbe nicht reif ist, die Millionen für die getürkte Wahl lieber den Mohnbauern gibt, damit die KEINEN Mohn mehr anbauen, Obamas Strategie (und das sage ich als Obamakritiker) des Eroberns und Haltens konsequent weiterverfolgt (mit den entsprechenden Verlusten) um das Land endlich zu befrieden, DANACH den zivilen Wiederaufbau betreibt, dann kann das durchaus etwas werden. Das geht aber nur, indem man das System Karzai durch einen UN-Kontrollrat ersetzt und den Afghanen die Souveränität erst mal entzieht. Das wird den meisten (von den Exil-Afghanen mal abgesehen) wahrscheinlich auch egal sein, die wollen Frieden, Brot und ein Dach über dem Kopf wenn es kalt wird. Wenn man so weitermacht wie bisher, dann kann man sich bestenfalls geordnet zurückziehen, wahrscheinlich macht man eher britische Erfahrungen und irgendwann klopft wieder ein einsamer Reiter an ein Stadttor... Ich warte jetzt mal auf die Youtube Attacken und Twitter Offensiven der aufgebrachten Afghanen wegen der Wahl, auf die heilige Empörung des Westens ob der gekauften Stimmen (wenn es welche gibt) und auf das Fingerzeigen auf Russland ob des Schulterschlusses mit Karzai... ach, ich habe völlig vergessen, daß wir nicht im Iran sind. Gruß an alle, die dort dienen und bleibt gesund!
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Karzai und Afghanistan
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Hamid Karzai
AFP
Hamid Karzai ist der derzeit amtierende Präsident Afghanistans. Nach der ersten Phase des Afghanistan-Kriegs hatten ihn die USA und die Uno auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 als Regierungschef einer afghanischen Interimsregierung durchgesetzt. Die Loya Jirga wählte Karzai 2002 zum Präsidenten einer Übergangsregierung, und nach Verabschiedung einer neuen Verfassung bestimmten ihn die Afghanen 2005 in direkter Wahl zu ihrem Präsidenten. Durch den Einfluss der Warlords blieb Karzais Macht jedoch beschränkt. Zuletzt verlor er auch die Unterstützung der USA.

Hamid Karzai wurde 1957 in Kandahar geboren. Er gehört dem mächtigen Paschtunen-Stamm der Popalzai an, der mehrere afghanische Könige hervorbrachte. Karzai studierte in Indien und hielt sich immer wieder in den USA auf. Zusammen mit den Mudschahidin kämpfte er in den achtziger Jahren gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans . Aus dem Exil in Pakistan unterstützte Karzai die Taliban zunächst, wandte sich dann aber gegen das Regime, dem auch die Ermordung seines Vaters zugeschrieben wird. Nach Beginn der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan kehrte Karazi 2001 in seine Heimat zurück und stellte sich an die Spitze der Anti-Taliban-Bewegung in der Region Kandahar.

Präsidentschaftswahlen
dpa
Am 30. August 2009 wählten die Afghanen ihren neuen Präsidenten. Doch es kam zu massiven Fälschungen, insbesondere zugunsten Karzais. Die Auszählungsergebnisse in 210 Wahllokalen wurden anschließend für ungültig erklärt. Karzai, der sich zuvor als Sieger gesehen hatte, verfehlte nach dem um manipulierte Stimmen bereinigten Endergebnis die absolute Mehrheit: Er erreichte nur 49,67 Prozent der Stimmen.

Eine Stichwahl zwischen Karzai und Ex-Außenminister Abdullah Abdullah sollte die Entscheidung bringen. Doch der Herausforderer zog seine Kandidatur zurück mit der Begründung, es könne wie im ersten Durchgang erneut zu Unregelmäßigkeiten kommen. Die afghanische Wahlkommission rief Karzai daraufhin erneut zum Präsidenten aus.

Isaf-Einsatz
DDP
Nach Beginn des Afghanistan-Kriegs 2001 und dem Sturz der radikal-islamischen Taliban beschloss der Uno-Sicherheitsrat , eine internationale Schutztruppe im Land ( Isaf ) einzusetzen. Sie soll den Wiederaufbau Afghanistans zu einer Demokratie absichern, auch indem sie zivile Wiederaufbauteams (PRTs) schützt, von denen derzeit 26 tätig sind.

Der Einsatz war zunächst auf die Hauptstadt Kabul und deren Umgebung beschränkt und wurde bis 2006 auf das ganze Land ausgeweitet. Seit 2003 führt die Nato die Isaf. Derzeit gehören ihr mehr als 119.000 Soldaten aus 46 Nationen an, darunter auch aus Nicht-Nato-Staaten wie Australien und Neuseeland.
Deutschland übernahm 2006 das Isaf-Kommando für den Norden Afghanistans. 2007 bestellte die Bundeswehr sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado ab, die Luftbilder aus ganz Afghanistan für Isaf liefern. Die Bundesrepublik stellt derzeit mit mehr als 4000 Soldaten die drittgrößte Truppe nach den USA und Großbritannien.

Probleme in Afghanistan
AFP
Da die Taliban inzwischen wieder an Stärke gewonnen haben, nehmen die militärischen Auseinandersetzungen zu. Besonders hart umkämpft ist der Osten des Landes, wo die meisten US-Soldaten stationiert sind. Die schwer kontrollierbaren Stammesgebiete Pakistans gelten als Rückzugsgebiet und Nachschubbasis der Taliban.

Die Stabilisierung Afghanistans wird durch Korruption, die bis in höchste Regierungskreise verbreitet ist, sowie durch Drogenproduktion und -schmuggel erschwert.

Opium-Wirtschaft
REUTERS
Obgleich die afghanische Übergangsregierung unter Karzai im Januar 2002 den Schlafmohnanbau verboten hat, ist der Drogenanbau rasch wieder zum dominierenden Wirtschaftszweig Afghanistans geworden. Das Land ist der weltweit größte Produzent von Rohopium .

Mit Einnahmen aus dem Drogenschmuggel finanzieren die Taliban ihren Kampf gegen Karzais Regierung und die ausländischen Truppen. Die Bekämpfung ist problematisch, weil viele Menschen von dem Handel leben. Isaf -Soldaten sind inzwischen befugt, gegen Drogenhändler vorzugehen und Laboratorien zu zerstören, in denen Schlafmohn zu Opium verarbeitet wird.

Afghanistan-Krieg
REUTERS
Der Afghanistan-Krieg der USA und ihrer Verbündeten war die erste große militärische Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 . Er richtete sich sowohl gegen das Terrornetzwerk al-Qaida , das für die Anschläge verantwortlich gemacht wird, als auch gegen das seit Mitte der neunziger Jahre in Afghanistan herrschende islamisch-fundamentalistische Taliban -Regime.

Die Taliban wurden bezichtigt, Osama Bin Laden und andere hochrangige Mitglieder von al-Qaida zu unterstützen und zu beherbergen.

Die erste Kriegsphase endete mit dem Fall der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz im November und Dezember 2001. Auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 wurde eine Interimsregierung unter Präsident Hamid Karzai eingesetzt und die Einberufung einer verfassunggebenden Loya Jirga beschlossen. Gleichzeitig erteilte der Uno-Sicherheitsrat den Nato-Staaten und mehreren Partnerländern das Isaf -Mandat zur Unterstützung des Wiederaufbaus.

Chronik
Klicken Sie auf die Eckdaten, um mehr zu erfahren
5. Dezember 2001
Drei Wochen nach der Taliban-Niederlage einigt sich die internationale Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn auf eine Übergangsregierung unter dem Paschtunen Hamid Karzai. Am 22. Dezember tritt er an die Spitze einer provisorischen Regierung, deren Machtbereich von regionalen Kriegsherren zunächst weitgehend auf die Hauptstadt Kabul begrenzt wird.
10. Januar 2002
Die internationale Schutztruppe Isaf, der auch Soldaten der Bundeswehr angehören, beginnt ihren Einsatz in Kabul.
13. Juni 2002
Die Große Ratsversammlung (Loja Dschirga) wählt Karzai zum neuen Staatspräsidenten.
4. Januar 2004
Die Loja Dschirga stimmt der neuen Verfassung zu und macht damit den Weg für allgemeine Wahlen frei.
9. Oktober 2004
Die erste Präsidentenwahl gewinnt Hamid Karzai mit 55,4 Prozent der Stimmen. Unregelmäßigkeiten und Proteste überschatten die Wahl. Am 7. Dezember wird Karzai vereidigt.
18. September 2005
Nach 30 Jahren wählen die Afghanen erstmals wieder ein Parlament. Parteien sind nicht zugelassen.
20. Dezember 2008
Die USA wollen die internationalen Streitkräfte um bis zu 30.000 Soldaten verstärken und ihre Truppen dort somit fast verdoppeln. 2008 wird das blutigste Jahr für die US-Truppen seit Kriegsbeginn.
10. August 2009
US-General Stanley McChrystal, neuer Kommandeur der internationalen Truppen, warnt: Die Taliban würden immer stärker auch bislang eher ruhige Regionen im Norden und Westen bedrohen.


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