Fremdenfeindliche Krawalle Polizei nimmt 400 Randalierer in Moskau fest

Tausend Demonstranten haben im Süden Moskaus ein Einkaufszentrum gestürmt. Die aufgebrachte Menge verprügelte Wachleute und rief ausländerfeindliche Parolen. Der Mob wollte den Mord an einem jungen Russen rächen, den ein Migrant begangen haben soll.


Moskau - Sie riefen Parolen wie "Russland den Russen!": Nach dem Mord an einem jungen Russen haben sich tausend Randalierer in Moskau stundenlang schwere Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Die aufgebrachten Demonstranten stürmten im Stadtteil Birjuljowo am Sonntag ein Einkaufszentrum.

Sie verprügelten Wachleute und schlugen Fensterscheiben ein, wie der Radiosender Moskauer Echo berichtete. Die Menge habe zudem parkende Autos umgekippt. Außerdem bewarf sie Polizisten mit Flaschen, Steinen und Abfallkörben. Die Sicherheitskräfte nahmen 400 Menschen fest. Fünf Beamte wurden nach Angaben eines Polizeisprechers verletzt. Die Behörden leiteten Ermittlungen wegen Rowdytums ein.

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Krawalle in Moskau: Randalierer wollen Mord an Russen rächen
Die Randalierer wollten den Mord an einem jungen Russen rächen. Der 25-jährige Jegor Schtscherbakow war am Donnerstag in der Nähe des Einkaufszentrums vor den Augen seiner Verlobten erstochen worden. Er hatte seine Freundin vor Belästigungen schützen wollen. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen laut Medienberichten, dass es sich bei dem Täter um einen Mann handelt, der dem Anschein nach aus Zentralasien oder dem Kaukasus stammen könnte. Der Verdächtige ist flüchtig.

Nach Angaben eines AFP-Fotografen stürmte die Menge auch einen benachbarten Gemüsemarkt, wo zahlreiche Migranten arbeiten. Auch hier gingen Scheiben zu Bruch. Da einzelne Krawalle am späten Abend noch andauerten, blieb die Polizei in Bereitschaft. Bei einem Treffen mit Polizeichef Anatoli Jakunin kündigte Innenminister Wladimir Kolokolzew ein hartes Durchgreifen an. Zudem forderte er eine schnelle Aufklärung des Mordes.

In der Vergangenheit war es in Russland immer wieder zu nationalistisch motivierten Konflikten zwischen Radikalen und Migranten gekommen.

heb/AFP/dpa



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