Treffen der "Freunde Syriens": Assad-Gegner sollen schneller mehr Waffen bekommen

FSA-Rebell in Aleppo: Unterstützung für den Kampf gegen Assad Zur Großansicht
REUTERS

FSA-Rebell in Aleppo: Unterstützung für den Kampf gegen Assad

Die internationale Syrien-Kontaktgruppe hat trotz der Differenzen zwischen den "Freunden Syriens" rasche Nothilfen für die militärisch in die Defensive geratenen Rebellen beschlossen. Jedem Land soll es selbst überlassen bleiben, wie es die Freie Syrische Armee unterstützen will.

Hamburg - Die syrischen Rebellen können bei ihrem Kampf gegen das Regime mit weiterer Unterstützung rechnen. Die "Freunde Syriens" stellen ihnen in einem Beschluss Militärhilfen in Aussicht. Die internationale Gruppe aus elf westlichen und arabischen Staaten, der auch Deutschland angehört, hat bei ihrem Treffen in Katar eine rasche Nothilfe beschlossen.

Den Rebellen solle "dringend alles notwendige Material und Ausrüstung geliefert werden", beschloss die Gruppe in Doha. Damit solle es den Rebellen ermöglicht werden, den "brutalen Angriffen des Regimes" von Präsident Baschar al-Assad die Stirn zu bieten.

Die Teilnehmer, darunter auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle, folgten einem Vorschlag der USA. Ausdrücklich wird in dem Beschluss darauf hingewiesen, dass es jedem Land selbst überlassen bleibe, wie es die Aufständischen im Kampf gegen Präsident Baschar al-Assad unterstützen wolle. Während die USA und Frankreich darauf dringen, den Aufständischen Waffen zu liefern, hat Deutschland Waffenlieferungen kategorisch ausgeschlossen.

Konflikte hinter den Kulissen

Aufgrund dieser Meinungsverschiedenheiten soll es bei dem Treffen zu heftigen Meinungsverschiedenheiten gekommen sein. Die Abschlusserklärung musste noch einmal überarbeitet werden, weil der katarische Ministerpräsident Scheich Hamad Bin Dschassim al-Thani die militärische Unterstützung stärker formuliert haben wollte als die Amerikaner.

Al-Thani hatte zuvor erklärt, bei der Außenministerkonferenz in Doha seien "geheime Beschlüsse" zur Unterstützung der Assad-Gegner getroffen worden. Bis auf zwei Länder seien sich alle "Freunde Syriens" darüber einig gewesen, wie den Rebellen "durch den Militärrat" der Freien Syrischen Armee (FSA) Hilfe geleistet werden könne, sagte der katarische Ministerpräsident. Welche Länder anderer Meinung waren, sagte Thani nicht.

Die Hilfen der "Freunde Syriens" sollen vom Obersten Militärrat der Rebellen verteilt werden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Zugleich verurteilten die Minister "die Einmischung von Hisbollah-Milizen und Kämpfern aus dem Iran und dem Irak". Diese sollten sich umgehend aus Syrien zurückziehen.

"Das erlaubt schon unser Recht nicht"

Der britische Außenminister William Hague sagte, es werde keine politische Lösung des Konflikts geben, "wenn Assad und sein Regime denken, sie könnten die gesamte legitime Opposition mit Gewalt vernichten, daher müssen wir dieser Opposition helfen". Ob dazu auch militärische Hilfe gehöre, habe sein Land noch nicht entschieden.

US-Präsident Barack Obama hatte bereits vor dem Treffen angekündigt, die Rebellen mit Waffen zu unterstützen. Am Freitag wurde zudem bekannt, dass die USA nach Manövern in Syriens Nachbarland Jordanien einen Teil der Truppen dort belassen wird. Die USA wollen nach jordanischen Angaben mehr als 5000 Rebellen der FSA für den Kampf gegen das Assad-Regime ausbilden.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat in Doha wiederholt erklärt, Deutschland werde den Aufständischen keine Waffen liefern. "Das erlaubt schon unser Recht nicht", sagte er. Die Waffen könnten in die falschen Hände fallen, man dürfe nicht Extremisten unterstützen, die auch gegen Assad kämpften. Berlin will die FSA allerdings mit schusssicheren Westen und Sanitätsmaterial ausrüsten.

jus/AFP/Reuters/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 183 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Der moralische Verlierer?
Klaus Wekert 22.06.2013
Ich behaupte nun, dass die USA der moralische Verlierer sind. Für Freiheit, Menschenrechte und Demokratie zu kämpfen lässt sich nicht mehr rechtfertigen. Proteste wie die in der Türkei, die aus dem Volk heraus entstanden werden nicht unterstützt, während islamistische Extremisten, sog. Rebellen und Freiheitskämpfer mit Waffen beliefert werden um Unfrieden zu stiften, um Krieg zu führen. Wer sich mit Regimen wie Katar und Co zusammen tut, unterstützt keine Freiheit für Menschen. Assad gewährte freie Religionsausübung. Die Rebellen und Aufstände gegen ihn wurden und werden von den USA supportet. Es geht einfach darum, Syrien wegzuputzen und in die eigenen Hände zu führen. Dabei hat die USA kein Recht einen souveränen Staat nach eigenem Dünken zu formen. All die Interventionen der letzten Jahre haben nur Chaos verursacht. Die USA haben keine moralische Legitiamtion und sollten erst hausgemachte Probleme im eigenen Land beseitigen: freie Waffenwahl für jedermann, wodurch mehr Menschen jährlich sterben als in 10 Jahren durch Terroristen verursacht, die gefolterten von Abu Ghraib müssen entschädigt werden, Guantanamo aufgegeben werden. Die USA wird nie mehr moralisch auftreten können, aus und vorbei.
2. Demokratie
AusVersehen 22.06.2013
Zitat von sysopDie internationale Syrien-Kontaktgruppe hat trotz der Differenzen zwischen den "Freunden Syriens" rasche Nothilfen für die militärisch in die Defensive geratenen Rebellen beschlossen. Jedem Land soll es selbst überlassen bleiben, wie es die Freie Syrische Armee unterstützen will. "Freunde Syriens" versprechen Assad-Gegnern Militärhilfe - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/freunde-syriens-versprechen-assad-gegnern-militaerhilfe-a-907343.html)
Ich wünschte mir, in Deutschland gäbe es wirklich eine Demokratie! Ich glaube nicht, dass das Deutsche Volk so entscheiden würde, dass man diesen Islamisten hilft. Wenn es sich um medizinisches Material handelt, wäre ich damit einverstanden. Dann aber auch bitte für beide Seiten und insbesondere für zivile Einrichtungen. Aber Waffen, auch Schusssichere Westen, bin ich dagegen. Ein normaler deutscher Bürger darf keine Schußwaffen besitzen. Und meines Wissens auch keine kugelsichere Westen. Aber islamische Terroristen sollen die bekommen. Sogar geschenkt? Was ist das blos für eine wahnsinnige Welt!
3. Einer gewinnt immer
gandhiforever 22.06.2013
Zitat von sysopDie internationale Syrien-Kontaktgruppe hat trotz der Differenzen zwischen den "Freunden Syriens" rasche Nothilfen für die militärisch in die Defensive geratenen Rebellen beschlossen. Jedem Land soll es selbst überlassen bleiben, wie es die Freie Syrische Armee unterstützen will. "Freunde Syriens" versprechen Assad-Gegnern Militärhilfe - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/freunde-syriens-versprechen-assad-gegnern-militaerhilfe-a-907343.html)
Der Waffenlobby waere es am liebsten (aber nicht nur der), wenn dieser innersyrische Konflikt auf ewig dauern wuerde. Er verhiesse Umsatz und Profit. Ob allerdings das Eingreifen auf Seiten der "Freien" Syrer klug ist, wird sich zeigen. Wenn er dumm war, verliert man halt irgendwo ein paar (es koennen auch mehr als ein paar sein) freiwillige Waffentraeger, die dann ein Heldenbegraebnis erhalten. Wenn es ganz dumm laeuft, muss man jemanden finden, denn man gegen die jetzigen "Freien" Syrer unterstuetzen kann. In jedem Fall, die Waffenindustrie jubiliert.
4. Exit-Strategie?
Mogamboguru 22.06.2013
So, So: Was machen denn der neue französische Napoleon Hollande, der Westentaschen-Churchill Cameron und Roosevelt-light Obama, falls Assad tatsächlich gewinnt und ihre Schergen von der FSA und al-Nusra zum Teufel jagt? Hat sich darüber schon einmal jemand Gedanken gemacht? Oder kommt ein Exis-Szenario in den Kriegsplänen der drei Neo-Alliierten vielleicht gar nicht vor - getreu dme Motto: "Weil nicht sein kann, was nicht sein darf!"?
5. Was hat Deutschland da für Aktien drin?
meischer_eder 22.06.2013
"Die internationale Gruppe aus elf westlichen und arabischen Staaten, der auch Deutschland angehört, hat bei ihrem Treffen in Katar eine rasche Nothilfe beschlossen." So ein Schwachsinn! Waffen lösen eher selten Probleme, sondern machen sie meist nur größer. Lernen "unsere" Politiker eigentlich nie dazu?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Bürgerkrieg in Syrien
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 183 Kommentare
  • Zur Startseite
Chronologie: Der Aufstand gegen Assad

Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Syrien-Reiseseite

Karte