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Freundschaftsgeste: Islamgelehrte senden Christen erstmals Weihnachtsbotschaft

Ein solches Signal gab es noch nie: Eine hochrangige Gruppe von 138 islamischen Gelehrten hat den Christen in aller Welt ein frohes Weihnachtsfest gewünscht. Ziel der ungewöhnlichen Aktion: bessere Verständigung der Religionen.

Paris - Noch nie gab es eine vergleichbare Weihnachtsbotschaft: Weil der Islam keine zentrale Instanz wie einen Papst oder Patriarchen kennt, die für alle Gläubigen sprechen könnten, hatten bislang stets nur einzelne Gelehrte Grußadressen mit Repräsentanten christlicher Kirchen ausgetauscht. Dieses Jahr aber sandten Islamgelehrte erstmals gemeinsam eine Erklärung an die "christlichen Nachbarn": "Al-salamu aleikum, Peace be upon you, Pax Vobiscum", steht darin.

In ihrem Brief weisen die Unterzeichner darauf hin, dass Weihnachten in diesem Jahr kurz nach dem islamischen Opferfest gefeiert wird. Dabei erinnern die Muslime an die biblische und koranische Überlieferung, derzufolge Abraham beinahe seinen Sohn als Opfer dargebracht hätte. "Gottes Weigerung, Abraham seinen Sohn opfern zu lassen, ist bis heute eine göttliche Garantie und eine äußerst kraftvolle Lektion für alle Anhänger der abrahamitischen Religionen (d.h. Juden, Christen und Muslime), stets das äußerste zu geben, um jedes menschliche Leben und besonders das Leben jedes einzelnen Kindes zu bewahren und hochzuschätzen", heißt es in dem Schreiben.

"Möge das kommende Jahr eines sein, in dem die Heiligkeit und Würde des menschlichen Lebens von allen bewahrt wird", schreiben die Verfasser. "Möge es ein Jahr der demütigen Reue vor Gott und der gegenseitigen Vergebung innerhalb der Gemeinschaften und unter ihnen sein."

Zu den 138 Unterzeichnern der Grußbotschaft gehören neben Vertretern der größten islamischen Glaubensrichtungen der Sunniten und Schiiten auch Angehörige des Sufismus - der mystischen Richtung des Islam - sowie anderer religiöser Strömungen. Die Gruppe hatte im Oktober schon einen Aufruf zu einem ernsthaften Dialog zwischen Muslimen und Christen veröffentlicht, um ein besseres gegenseitiges Verständnis zu fördern.

Die Gelehrten hatten sich erstmals als Reaktion auf die umstrittene Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. im vergangenen Jahr zusammengefunden, in der der Islam nach Ansicht vieler Muslime fälschlich als gewalttätig und irrational beschrieben worden war. Viele Kirchenvertreter nahmen den Dialogaufruf der Gruppe positiv auf.

ase/Reuters

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