Friedenserklärung: Spanien bejubelt Ende des Eta-Terrors

Nach 43 Jahren streckt die Eta ihre Waffen - und in Spanien ist die Freude über das Friedensbekenntnis riesig. Konservativen Kreisen geht die Erklärung jedoch nicht weit genug: Sie fordern von den baskischen Separatisten einen noch radikaleren Schritt.

Zeitungen in Spanien: Freude über Friedenserklärung der Eta Zur Großansicht
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Zeitungen in Spanien: Freude über Friedenserklärung der Eta

Bilbao - Mehr als vier Jahrzehnte währte der Bombenterror der Eta, nun hat die baskische Untergrundorganisation der Gewalt abgeschworen. Entsprechend groß ist der Jubel in der spanischen Regierung. "Die Demokratie hat gewonnen", sagte Regierungssprecher José Blanco am Freitag in Madrid. Die meisten großen Tageszeitungen des Landes hoben die Friedenserklärung auf die Titelseiten.

Die Separatistenorganisation hatte sich am Vorabend nach 43 Jahren von der Strategie des Terrors losgesagt. "Die Eta hat entschieden, ihre bewaffnete Aktivität definitiv einzustellen", heißt es in einer Mitteilung, die die baskische Zeitung "Gara" veröffentlichte. "Im Baskenland beginnen nun neue politische Zeiten. Anstelle von Gewalt und Repression sollen Dialog und Einvernehmen den neuen Zyklus bestimmen."

Ungetrübt ist die Freude allerdings nicht. Die Eta kündigte weder eine Übergabe ihrer Waffen noch eine Auflösung an. Konservative Kreise zeigten sich daher skeptisch und verlangten eine komplette Auflösung der Eta. Auch der Verband der Terror-Opfer (AVT) bezeichnete das Kommuniqué als unzureichend. Die rechtsliberale Zeitung "El Mundo" schrieb: "Die Bande zieht sich in die Reserve zurück. Das Ausbleiben von Anschlägen bedeutet nicht das Ende der Eta.

Freilassung von Terroristen noch nicht beschlossen

Die spanische Regierung ließ offen, ob es nach der Abkehr der Eta von der Gewalt Erleichterungen für inhaftierte Terroristen geben werde. Darüber müsse das neue Kabinett entscheiden, das aus den Wahlen am 20. November hervorgehen werde, sagte Regierungssprecher Blanco.

Euskadi Ta Askatasuna (Baskenland und Freiheit) kämpft seit gut einem halben Jahrhundert für die Gründung eines unabhängigen baskischen Staates. Ihr erstes Attentat verübte sie im Jahr 1968. Seither kamen bei etwa 4000 Terroranschlägen mehr als 830 Männer, Frauen und Kinder ums Leben. 2300 Menschen wurden verletzt.

Tausende Politiker, Richter und hohe Beamte im Baskenland mussten von Leibwächtern vor den Terroristen geschützt werden. Das letzte Attentat der Eta liegt zwei Jahre zurück.

jok/dpa-AFX

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
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1. Ach ja?
Achim 21.10.2011
Zitat von sysopNach 43 Jahren streckt die Eta ihre Waffen - und in Spanien ist die Freude über das Friedensbekenntnis riesig. Konservativen Kreisen geht die Erklärung jedoch nicht weit genug:*Sie fordern von den baskischen Separatisten einen noch radikaleren Schritt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,793277,00.html
Und wann schwört denn die konservative PP dem Franquismo ab, nur mal so zum Vergleich?
2. Konservative Kreise
glennwolf 21.10.2011
Ich wusste nicht, dass Rosa Díez von der Partei UPyD (Unión Progreso y Democracia) zu den konservativen Kreisen gehört. Auf jeden Fall wird dieses sogenannte "Friedensangebot" der ETA von ihr aufs Schärfste verurteilt. Diese ganze "Friedenkonferenz" im Baskenland vor drei Tagen war doch eine totale Farce und es ist eine Schande, dass internationale Persönlichkeiten sich dazu hergegeben haben. Aber für Geld tut man ja alles, selbst wenn es aus der Hand einer Terrorbande kommt. Wie soll man das denn verstehen: auf Terror wird verzichtet, solange sich die spanische und die französische Regierung auf Verhandlungen über die Unabhängigkeit des Baskenlandes bereit erklären. Und wenn nicht, dann wird wieder gebombt oder die Barbaren-Horden machen wieder "kale borroka" (Terrorisierung der Bevölkerung) auf den Straßen. An Geld kommen die jetzt ja dank Staatsknete an die zugelassene Partei Bildu. Es ist eine Schande und unwürdig für einen Rechtsstaat. Aber Spanien hat schon seit langem auf diesen Status verzichtet, seitdem Alfonso Guerra, der damalge Vize unter Gonzalez, Montesquieu für tot erklärt hat.
3. s
Steinwald 21.10.2011
Zitat von AchimUnd wann schwört denn die konservative PP dem Franquismo ab, nur mal so zum Vergleich?
na, ich denke, dieser vergleich schiesst ein wenig übers ziel hinaus. bei aller ablehnung der PP meinerseits, so handelt es sich bei ihr doch um eine auf dem boden der demokratie fest verwurzelte partei, während die etwa schlicht eine terrortruppe ist. dass die PP abseits davon aber für vernünftige menschen unwählbar ist und nicht nur wegen farnco und aznar dunkle schatten auf der seele hat, steht ausser frage.
4. Zweifel
lazard 21.10.2011
Herr Achim, mit Ihrer Einschätzung der PP als post-franquistische Organisation liegen Sie vollkommen daneben.Das ist schlicht Unfug! ETA hat in der Vergangenheit mehrfach das Ende der Gewalt bekundet und diese Versprechen nicht eingehalten. Warten wir mal den 20-N ab! Danach sehen wir wie ernst ETA das Ende der Gewalt nimmt.
5. Faschisten und Kommunisten
dominicos 21.10.2011
Eines der Hauptprobleme der spanischen Politik sind die unsäglichen Beschimpfungen der Parteien gegeneinander. PSOE und PP sind sich im Grunde viel näher als sie zugeben wollen, alle spanischen Parteien bewegen sich auf demokratischen Wegen, sogar Bildu. Die Neuwahlen in Spanien wurden von den Linken auf den Todestag Francos gelegt, was für ein Zufall... Die rechten unterstellen den Linken ETA Mitglieder vor dem Zugriff der Polizei geschützt zu haben. 36 Jahre ist die Diktatur begraben und immer noch die alte Leier von Faschisten und Kommunisten...
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Terror der Eta
Anschläge
Die Eta sieht sich selbst als linksstehende Befreiungsorganisation, sie kämpft für ein unabhängiges Baskenland im Norden Spaniens und Südwesten Frankreichs. Von der Europäischen Union und anderen internationalen Organisationen wurde sie offiziell als terroristische Vereinigung eingestuft. Bei etwa 4000 Terroranschlägen wurden mehr als 820 Männer, Frauen und Kinder getötet. 2300 Menschen wurden verletzt.

Bei Anschlägen auf Mallorca im Sommer 2009 wurden auf der Ferieninsel zwei Polizisten getötet. Einen Tag zuvor war ein Anschlag auf eine Kaserne im Norden Spaniens verübt worden. Dabei wurden 46 Menschen verletzt. Mehr auf der Themenseite...
Gegen Franco
Der Name Eta steht für Euskadi Ta Askatasuna - zu Deutsch "Baskenland und Freiheit". Die nationalistische Autonomiebewegung im Baskenland wurde 1959 gegründet. Dem ersten Attentat 1968 folgten zahlreiche Anschläge in ganz Spanien. Die Organisation kämpfte gegen die Franco-Diktatur, die von 1939 bis 1975 dauerte. Eine der spektakulärsten Aktionen war 1973 die Ermordung des damaligen spanischen Ministerpräsidenten Luis Carrero Blanco.
Nach Franco
Nach der Rückkehr Spaniens zur Demokratie 1977 setzte ein Teil der Eta den bewaffneten Kampf fort. 1987 gab es bei einem Anschlag auf ein Kaufhaus in Barcelona die bisher meisten Toten - insgesamt 21. Die Eta verkündete in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals eine "Waffenruhe" und führte Verhandlungen mit der spanischen Regierung, die aber stets scheiterten, zuletzt 2006.
Politischer Arm
Die Eta-nahe Separatistenpartei Batasuna ("Einheit") wurde im März 2003 vom Obersten Gerichtshof verboten. Sie gilt als der politische Arm der Terroristen.