Ehrung in Oslo Friedensnobelpreis 2013 geht an Chemiewaffen-Inspektoren

Das norwegische Komitee hat entschieden: Der Friedensnobelpreis 2013 geht an die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen. Ihre Inspektoren haben derzeit den Auftrag, das syrische Giftgasarsenal zu zerstören.

DPA/ Local Commitee of Aberdeen

Oslo - Der Friedensnobelpreis 2013 geht an die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW). Das gab das Nobelpreiskomitee in Oslo bekannt. Die Organisation werde für ihre intensiven Bemühungen für die Zerstörung chemischer Waffen ausgezeichnet, begründete das Gremium seine Entscheidung.

Die Organisation mit Sitz in Den Haag ist für die Umsetzung der Chemiewaffenkonvention aus dem Jahr 1997 zuständig. Sie soll die Chemiewaffenbestände der Vertragsstaaten überprüfen und deren Vernichtung kontrollieren.

Die OPCW steht erst seit einigen Wochen im Fokus der Weltöffentlichkeit. Ihre Inspektoren haben Anfang Oktober angefangen, das Chemiewaffenarsenal des syrischen Regimes zu zerstören. Ihre Mission erfolgt nach dem Einsatz des Giftgases Sarin in Vororten von Damaskus am 21. August. Dabei wurden nach Angaben der Uno etwa 1400 Menschen getötet.

Die OPCW hat 80 Prozent der Chemiewaffenbestände vernichtet

Die Arbeit in Syrien unterstreiche die Bedeutung der OPCW und der Zerstörung aller Chemiewaffen, erklärte das Nobelkomitee. Das Gremium kritisierte in seiner Begründung die USA und Russland, die anders als vereinbart bislang noch nicht all ihre Chemiewaffen zerstört hätten.

Bislang hat die OPCW 189 Mitgliedstaaten. Syrien soll ihr am kommenden Montag als 190. Staat beitreten. Seit 1997 wurden mehr als 5000 Inspektionen in 86 Ländern abgeschlossen. Dabei wurden nach Angaben der OPCW rund 58.000 Tonnen der von den Staaten deklarierten Waffenarsenale vernichtet, das sind etwa 80 Prozent der bekannten Bestände.

Das Sekretariat in Den Haag mit rund 490 Mitarbeitern, darunter etwa 200 Inspektoren, wird seit 2010 von dem türkischen Diplomaten Ahmet Üzümcü geleitet.

Das Nobelpreiskomitee betonte, dass die OPCW den Preis nicht wegen der Ereignisse in Syrien, sondern für ihre langjährige Arbeit erhalten habe.

"Entwaffnung ist im Sinne von Alfred Nobel"

"Während des Ersten Weltkriegs wurden chemische Waffen in bedeutendem Maße eingesetzt", heißt es in der Begründung. "Mit der Genfer Konvention von 1925 wurde der Einsatz von Chemiewaffen verboten, aber nicht die Produktion oder Lagerung. Im Zweiten Weltkrieg wurden sie während Hitlers Massenmord eingesetzt. Chemische Waffen sind immer wieder von Staaten und Terroristen eingesetzt worden."

"Die Entwaffnung ist im Sinne von Alfred Nobel", betonte das Gremium in Oslo. "Das Nobelpreiskomitee hat mit der Vergabe zahlreicher Preisen unterstrichen, dass Nuklearwaffen abgeschafft werden müssen. Indem das Komitee der OPCW den aktuellen Friedensnobelpreis überreicht, möchte es zur Vernichtung von Chemiewaffen beitragen."

Vor zwei Wochen ging bereits der Alternative Nobelpreis an einen Aktivisten, der sich seit Jahrzehnten für die Abschaffung von Chemiewaffen einsetzt. Der amerikanische Politikwissenschaftler Paul Walker arbeitet seit der Gründung der OPCW in den neunziger Jahren eng mit der Organisation zusammen. Ole von Üexküll, Geschäftsführer der Stiftung Right Livelihood Award, lobte die Entscheidung des Nobel-Komitees als eine großartige Wahl. Sie zeige, dass der multilaterale Prozess, die Welt von Chemiewaffen zu befreien, in Gang sei.

Der Friedensnobelpreis wird seit 1901 vergeben. Im vergangenen Jahr hatte die Europäische Union die Auszeichnung erhalten.

Der Friedensnobelpreis ist der einzige der Nobelpreise, der nicht im schwedischen Stockholm vergeben wird. Er ist mit umgerechnet rund 920.000 Euro dotiert. Feierlich verliehen wird er am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, in Oslo.

syd/kgp/ler/dpa



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insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
deutscherevolution00 11.10.2013
1.
erst die EU nun diese Experten? wo genau liegt deren Beitrag zum Frieden? Nur weil das Giftgas zerstört wird, wird der Bürgerkrieg oder wie mans auch nennen mag nicht enden. schöne Welt!
meta39 11.10.2013
2.
Ich hatte mir so gewünscht, dass Malala die Auszeichnung erhält. schade!
Freidenker10 11.10.2013
3. schwache wahl
Die handeln erst im auftrag und unter dem schutz von weltmächten, warum bekommen die den friedensnobelpreis? Erst obama, dann die eu, was soll das?
domiandom 11.10.2013
4. optional
wie schlecht ist das denn? Die Inspektoren sind nur das ausführende Organ. Da hätte ich irgendwie mehr erwartet.
broncopfefferminz 11.10.2013
5. Ehrung ja - Geld nein
Wäre das Geld nicht besser bei jemandem angelegt, der nicht sicher finanziert ist?
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