Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Friedensnobelpreis für OPCW: Anerkennung für die gefährlichste Mission der Welt

Von

Der Friedensnobelpreis geht an die Chemiewaffen-Inspektoren der OPCW und rückt ihre Mission noch stärker in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Die Organisation vernichtet das Giftgas-Arsenal in Syrien. Wird ihre Arbeit durch die Auszeichnung nun leichter?

Oslo - Das Nobelkomitee hat wieder einmal für eine große Überraschung gesorgt: Den Friedensnobelpreis 2013 erhält die Organisation für das Verbot chemischer Waffen OPCW. Die Inspektoren, die derzeit im Einsatz in Syrien sind, hatte kaum jemand der Beobachter auf der Rechnung. Als Favoritin galt die junge Pakistanerin Malala Yousafzai. Erst eine gute Stunde vor der Bekanntgabe meldeten norwegische Medien, dass die OPCW den Preis gewinnen könnte.

In der Begründung ging der Vorsitzende des Nobelkomitees bis zum Ersten Weltkrieg zurück, seitdem der Einsatz von Chemiewaffen ein Tabu sei. Die Ereignisse in Syrien hätten unterstrichen, dass Anstrengungen im Kampf gegen die Waffen verstärkt werden müssen, sagte Thorbjørn Jagland.

Eine gute Wahl? Wer steht hinter der OPCW? Und was könnte die Auszeichnung im Syrien-Konflikt bewirken? Die wichtigsten Fragen und Antworten in der Blitzanalyse.

Fotostrecke

9  Bilder
Nobelpreis für Chemiewaffen-Experten: Große Ehre - riskante Mission

  • Warum wurde die OPCW ausgezeichnet? Sie erhält den Preis "für ihren umfassenden Einsatz für die Vernichtung von Chemiewaffen". Der Vorsitzende des Nobelkomitees betonte, dass Chemiewaffen seit dem Ersten Weltkrieg geächtet seien und dieser Konsens zuletzt in Syrien verletzt wurde. Die Wahl entspricht der Linie der Nobelkomitees, in dem fünf norwegische Politiker sitzen. In den vergangenen Jahren ist es ihnen wichtiger geworden, auf aktuelle Krisen und Friedensprozesse Einfluss zu nehmen und nicht länger verdiente Staatsmänner am Ende ihrer Karriere auszuzeichnen - deshalb ist auch der immer wieder nominierte Helmut Kohl chancenlos. Die Wahl der OPCW passt in die Strategie: Ihr könnte bei der Entschärfung des Syrien-Konflikts eine zentrale Rolle zukommen.

  • Wer steht hinter der Organisation? Die OPCW wurde 1997 gegründet, um die Chemiewaffenkonvention der Uno umzusetzen. Sie gehört der Uno nicht an, arbeitet aber in ihrem Auftrag. Eigene politische Macht hat sie nicht, sie ist nur so stark, wie es ihre Mitglieder es erlauben. 189 Staaten sind das, am Montag will auch Syrien beitreten. Die Organisation sitzt in Den Haag, eines der rund 20 weltweiten Labore der Organisation befindet sich in der Lüneburger Heide - eine Dienststelle der Bundeswehr. In den 16 Jahren konnten die Inspektoren rund 58.000 Tonnen vernichten, das sind rund 80 Prozent der bekannten Bestände. Meist geschieht dies abseits der Öffentlichkeit - die Organisation mit ihrem weitgehend unbekannten Generaldirektor, dem türkischen Diplomaten Ahmet Üzümcü, stand bislang im Schatten der Internationalen Atomenergiebehörde. Das hat sich nun geändert.

  • Was bedeutet die Wahl für die OPCW? Zum einen Geld. Der Preis ist mit rund 920.000 Euro dotiert. Doch wichtiger dürfte das moralische Kapital sein, das die Organisation erhält. Der Friedensnobelpreis ist die prestigeträchtigste Auszeichnung der Welt. Frühere Preisträger berichten einhellig, die Auszeichnung habe ihren Anliegen weltweit die Türen geöffnet.

  • Eine gute Wahl? Zumindest eine klassische. Das Thema Abrüstung wäre ganz im Sinne des Preisstifters Alfred Nobel. Zuletzt waren Frauenrechtlerinnen und Umweltkämpfer ins Zentrum gerückt - und das Komitee musste viel Kritik einstecken, vor allem für den Preis an Barack Obama (2009) oder auch für die Auszeichnung der EU. Diese Kritik ging offenbar auch am Nobelkomitee nicht vorbei. Der Friedensforscher Kristian Berg Harpviken, einer der besten Kenner, ging bereits davon aus, dass das Komitee in diesem Jahr vor einer weiteren umstrittenen Entscheidung zurückschrecken würde. Zum Thema Chemiewaffen dürfte es keine Kontroversen geben.

  • Was bedeutet die Auszeichnung für den Syrien-Konflikt? Die Anerkennung soll den Inspektoren bei ihrer heiklen Aufgabe in Syrien helfen, der Preis dürfte für mehr Durchschlagskraft sorgen. Nur: Auf das alltägliche Töten haben die Kontrolleure keinen Einfluss; der überwiegende Teil der 100.000 Opfer ist durch konventionelle Waffen getötet worden. Wichtig ist jedoch auch, dass die Chemiewaffen nicht in die Hände von Terrorgruppen gelangen - und damit zur unkontrollierbaren Bedrohung weit über Syriens Grenzen hinaus würden. Dabei können die Inspektoren jede Hilfe gebrauchen. Zumindest in dieser Hinsicht ist es keine schlechte Wahl.

Der Autor auf Facebook

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 116 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ui
Nicht ausspionierbar 11.10.2013
Die haben alle die GoPro Kamera am Helm cool. Bei der Kohle die jetzt kommt, gibts bald ne zweite dazu.
2. lächerlich.
phenomen 11.10.2013
da gibt es ein kleines Mädchen, welches trotz der Tatsache, dass es in den Kopf geschossen wurde weiter für freie Bildung und Frieden kämpft und satt sie ehren die Herren eine Organisation!? den preis bekommt wohl immer der, der gerade viel in den Medien präsent ist. man man man..
3.
movfaltin 11.10.2013
Zitat von sysopREUTERSDer Friedensnobelpreis geht an die Chemiewaffen-Inspektoren der OPCW und rückt ihre Mission noch stärker in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Die Organisation vernichtet das Giftgas-Arsenal in Syrien. Wird ihre Arbeit durch die Auszeichnung nun leichter? http://www.spiegel.de/politik/ausland/friedensnobelpreis-2013-warum-wurde-die-opcw-ausgezeichnet-a-927326.html
Naja, er rückt allenfalls die norwegische Comedyjury in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Es ist eine traurige Entscheidung, da Nobels Kriterien wieder einmal überhaupt keine Anwendung fanden. Die dritte in Folge. Wenigstens scheint dieser Orden wider den menschlichen Ernst noch die Medien zu beglücken - "gefährlichste Mission der Welt", das ist zwar plump falsch, klingt aber immerhin ungemein spannend. Da ist die (göttliche?) Mission, in Limburg eine Wohnung mit schnieker Badewanne in den Fels zu fräsen, ungleich gefährlicher.
4. Friedensnobelpreis = Unsinn
david_2010 11.10.2013
Was für ein Unsinn dieser Preis mittlerweile ist. Den Friedensnobelpreis sollte man abschaffen - der ist ja mittlerweile lächerlicher als "wetten dass"...
5. Unglaublich,
besserwissy 11.10.2013
... jetzt wird diese Alibi Veranstaltung auch noch ausgezeichnet.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Träger des Friedensnobelpreises: Helden der Geschichte


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: