Oslo Aktivisten gegen sexuelle Gewalt mit Friedensnobelpreis ausgezeichnet

In Kriegen und Konflikten wird sexuelle Gewalt als Waffe eingesetzt. Dagegen kämpfen Nadia Murad aus dem Irak und Denis Mukwege aus dem Kongo - das Nobelkomitee ehrt sie nun dafür.

Getty Images/ AFP

Der kongolesiche Arzt Denis Mukwege und die jesidische Aktivistin Nadia Murad werden mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Das gab das norwegische Nobelkomitee in Oslo bekannt. Beide Preisträger hätten wesentliche Beiträge dazu geleistet, die Aufmerksamkeit der Welt auf derartige Kriegsverbrechen zu lenken, begründete das Nobelkomitee seine Entscheidung.

Die Uno-Sonderbotschafterin Murad, die von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) versklavt und vergewaltigt wurde, setzt sich für die Strafverfolgung von IS-Verbrechen ein. Die heute 25-Jährige überlebte eine dreimonatige IS-Gefangenschaft und kam danach, auf Initiative des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne), nach Deutschland. Sie lebt in Baden-Württemberg (ein Interview mit Murad lesen Sie hier).

Mukwege gilt seit Jahren als weltweit führender Experte für die Behandlung von Verletzungen durch Gruppenvergewaltigungen und als Aktivist gegen sexuelle Gewalt. Nachdem er 2012 bei einem Anschlag fast erschossen wurde, ging Mukwege ins Exil nach Europa. Bald darauf erreichten ihn Berichte, dass die Klinik ohne ihn kaum zurechtkomme. Anfang 2013 kehrte er deshalb nach Bukavu zurück - und wurde von den Einwohnern mit Jubel empfangen. Im selben Jahr wurde er auch mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt.

Video vom August 2017: Dr. Mukweges Kampf gegen die Scham

Anders als in den Vorjahren hatten Friedensforscher dieses Mal im Vorfeld der Verkündung keinen eindeutigen Favoriten ausmachen können. Die Zocker in den Wettbüros dagegen schon: Ihre Listen dominierten vor der Auszeichnung die beiden koreanischen Staatschefs Kim Jong Un und Moon Jae In sowie US-Präsident Donald Trump.

Insgesamt konnte die fünfköpfige norwegische Jury in diesem Jahr zwischen 216 Personen und 115 Organisationen wählen. Der mit neun Millionen schwedischen Kronen (etwa 860.000 Euro) dotierte Friedensnobelpreis wird als Einziger der renommierten Auszeichnungen nicht in Stockholm, sondern in Oslo vergeben. Hier wird der Preis am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel, auch überreicht.

Video vom Dezember 2015: Nadia Murad schildert vor dem Uno-Sicherheitsrat ihr Martyrium in IS-Gefangenschaft

REUTERS

Im vergangenen Jahr hatten die fünf Mitglieder des Nobelkomitees die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican) ausgezeichnet. Die Organisation erhielt den Nobelpreis für ihre "bahnbrechenden Bemühungen" um ein vertragliches Verbot von Atomwaffen. Damit forderte die Jury auch ausdrücklich alle Atommächte auf, ihre Verpflichtungen zum Verzicht auf diese Waffen einzuhalten.

Ican hatte maßgeblich am Uno-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen mitgewirkt, der von 122 Staaten unterstützt wird. Die vermutlich neun Atommächte sowie fast alle Nato-Staaten - darunter Deutschland - hatten die Verhandlungen boykottiert, da sie nicht an die Wirkung des Vertrags glaubten.

vks/dpa



insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
niska 05.10.2018
1.
Eine sehr gute Wahl. Danke dafür.
lyric/bln 05.10.2018
2. Großartige Wahl!
Ein starkes Zeichen gegen Gewalt gegen Frauen, Terror, Trump, CSU und AfD. Absoluten Respekt, an das Komitee! Nadia Murad lebt sicher in Deutschland, darauf können wir stolz sein!
smaturin 05.10.2018
3. Richtige und kluge Entscheidung!
Glückwunsch zu dieser Entscheidung! Kim Jong Un und Donald Trump, hahaha... Das wäre der Witz des Jahrhunderts und die Reputation des Friedensnobelpreis beschädigt... Nur weil sie sich mal die Hände geschüttelt haben und mit Ergebnissen geprahlt haben welche erst noch geliefert werden müssen...
raoul2 05.10.2018
4. Das vorbildliche Panzi-Projekt von Mukwede im Kongo
kann ebenso wie Murads Projekt gegen sexuelle Gewalt als Waffe im Krieg jeden Cent gebrauchen. Imd sowieso ist alles besser als ein Preis für Trump. Gute Entscheidungen.
antelatis 05.10.2018
5.
Dass Kim Jong Un und Donald Trump auch eine Chance gehabt haben sollen, diesen Preis zu gewinnen, ist erstaunlich.
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