Nadia Murad und Denis Mukwege Was Sie über die neuen Nobelpreisträger wissen müssen

Sie war Sklavin des IS und wurde zur Aktivistin, er behandelt im Kongo Vergewaltigungsopfer - nun erhalten Nadia Murad und Denis Mukwege den Friedensnobelpreis. Was Sie über die beiden wissen müssen.

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Neben 115 Organisationen standen 216 Männer und Frauen auf der Nominierungsliste der Jury für den Friedensnobelpreis 2018 - zwei werden nun ausgezeichnet: Nadia Murad und Denis Mukwege.

Die jesidische Aktivistin und der kongolesische Gynäkologe werden geehrt "für ihre Anstrengungen, der sexuellen Gewalt als Kriegswaffe ein Ende zu bereiten," wie die Vorsitzende des Nobelkomitees erklärte. Wer sind die beiden?

Denis Mukwege - der Mediziner und Mensch

Denis Mukwege
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Denis Mukwege

Mukwege, Jahrgang 1955, hat schon zahlreiche Preise für sein Engagement erhalten, darunter den Alternativen Nobelpreis, den Sacharow-Preis und den Uno-Menschenrechtspreis. Der Mediziner ist auf die Behandlung von Vergewaltigungsopfern in seiner Heimat Kongo spezialisiert. (Lesen Sie hier ein ausführliches Porträt.)

Wo arbeitet Mukwege?

1989 hatte er im Panzi-Hospital von Bukavu (Provinz Süd-Kivu) mit dem Aufbau einer Station für Gynäkologie und Frauenheilkunde begonnen. Gemeinsam mit seinen Kollegen hat er seither Tausende Frauen behandelt - viele davon kostenlos. Mukwege gilt als weltweit führender Experte für die Behandlung von Verletzungen, die durch Gruppenvergewaltigungen sowie durch gezielte physische Unterleibsschändungen verursacht wurden.

Welche Folgen hat seine Arbeit?

Sein Engagement brachte ihm auch Feinde ein. 2012 entging er nur knapp einem Mordanschlag und floh mit seiner Familie ins Exil nach Europa. Doch bereits ein Jahr später war er wieder zurück in Bukavu.

Welche Botschaft hat Mukwege für andere Männer?

Mukwege betont immer wieder die Verantwortung, die alle Männer beim Thema sexuelle Gewalt tragen. "Wenn man nicht vergewaltigt, aber zu Vergewaltigungen schweigt", sagte er einst, "bedeutet das, dass man sie akzeptiert."


Nadia Murad - erst Opfer, dann Kämpferin

Nadia Murad
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Nadia Murad

Murad war vor zwei Jahren schon einmal für den Friedensnobelpreis nominiert. Nun wird die erst 25-jährige Jesidin, deren Dorf im August 2014 von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) überfallen worden war, endlich geehrt. Sie wurde von den IS-Milizen brutal versklavt, ehe ihr nach Wochen die Flucht gelang. Heute lebt sie in Baden-Württemberg. Auch sie erhielt wie Mukwege bereits den Sacharow-Preis. (Lesen Sie hier ein ausführliches Porträt)

Was musste Murad erleiden?

Die IS-Kämpfer kamen an einem Augusttag 2014 nach Kocho, ein Jesiden-Dorf im Nordirak. Sie mordeten, brandschatzen - und verschleppten Murad. Am Ende des Tages waren ihre Mutter und sechs Brüder tot. Die junge Frau selbst wurde nach Mossul verschleppt, wo die Terroristen sie als Sexsklavin hielten, missbrauchten und weiterverkauften. Schließlich gelang ihr die Flucht - und kämpft seitdem gegen sexuelle Gewalt.

Welche Folgen hat ihr Engagement?

Murad ist mittlerweile Buchautorin und Uno-Sonderbotschafterin für die Rechte der Opfer von Menschenhandel. In dieser Funktion reist sie um die Welt, berichtet, legt Zeugnis von ihrem Martyrium ab. Dadurch bekommen die Tausenden, von IS-Terroristen missbrauchten Frauen eine Stimme - und der Genozid an den Jesiden gerät nicht in Vergessenheit.

Welche Botschaft hat Murad für andere Frauen?

Das betonte sie auch in einem SPIEGEL ONLINE-Interview. "Über sexuellen Missbrauch zu sprechen, ist in östlichen Kulturen schwierig", sagte sie damals. "Aber vor mir haben schon andere Frauen ihre Stimmen erhoben. Nur haben viele das Gefühl, dass es nichts nützt, weil ihnen sowieso niemand zuhört. Ich kann alle Jesidinnen nur ermutigen, von ihren Erlebnissen zu erzählen, damit die Welt von diesen Verbrechen erfährt."



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