Friedensnobelpreis an Liu Xiaobo China lädt norwegische Ministerin aus

Peking macht Ernst mit seinen Drohungen: Die chinesische Führung hat ein Treffen mit einer norwegischen Ministerin abgesagt - wegen der Verleihung des Friedensnobelpreises an den Dissidenten Liu Xiaobo.

Bild von Liu Xiaobo bei einer Demonstration: Protest gegen die harsche Reaktion Pekings
AP

Bild von Liu Xiaobo bei einer Demonstration: Protest gegen die harsche Reaktion Pekings


Oslo/Peking - Bereits kurz nach der Entscheidung des Nobelkomitees trafen in Oslo die Proteste der chinesischen Regierung ein. Die Vergabe des Friedensnobelpreises an den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo sei "unanständig", der Ausgezeichnete sei ein "Krimineller", hieß es aus der Volksrepublik. Das werde Folgen haben für die Beziehungen zwischen Norwegen und China.

Nun ist es so weit: Peking hat aus Protest die Regierungskontakte eingestellt. Ein Besuch der norwegischen Fischereiministerin Lisbeth Berg-Hansen wurde kurzfristig abgesagt. Ursprünglich wollte Berg-Hansen am Mittwoch mit dem stellvertretenden chinesischen Agrarminister über Fischereithemen sprechen. Die Absage sei sowohl von offizieller chinesischer Seite wie auch der Botschaft der Skandinavier in Peking bestätigt worden, hieß es in einem Bericht des norwegischen Rundfunksenders NRK am Montag.

Auch gegen die Ehefrau von Liu Xiaobo geht Peking offenbar vor: Seine Frau Liu Xia wurde nach eigenen Angaben in der chinesischen Hauptstadt unter Hausarrest gestellt. Sie schrieb dies am Sonntag in einer Twitter-Mitteilung. Die Twitter-Nachricht wurde von einem engen Freund, dem Dissidenten Wang Jinbo, bestätigt. Er schrieb über den Kurznachrichtendienst, dass Liu Xia weder Freunde noch Medienvertreter wegen erhöhter Sicherheitsvorkehrungen treffen könne.

Der Friedensnobelpreisträger brach in Tränen aus

Zuvor hatte sie jedoch noch ihrem Mann von der Auszeichnung berichten können. Liu Xiaobo ist das erste Mitglied der chinesischen Dissidentenbewegung, das mit einem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Er ist Mitautor der "Charta 08", in der Dissidenten Reformen, Freiheiten und das Ende des Machtmonopols der Kommunistischen Partei in China forderten. Im Dezember 2009 wurde er zu zu elf Jahren Haft verteilt. Er sitzt seitdem im Gefängnis.

Dort erfuhr er nun, dass er den Nobelpreis erhalten hat. Übereinstimmend wird berichtet, der 54-Jährige sei in Tränen ausgebrochen und habe erklärt, die Verleihung widme er den "Märtyrern vom Tiananmen" - also den Opfern des Tiananmen-Massakers im Juni 1989.

Doch davon wird die chinesische Öffentlichkeit wohl nichts erfahren. Die Berichterstattung über den ersten Friedensnobelpreisträger des Landes war in chinesischsprachigen Medien unterbunden worden, englischsprachige Medien in China veröffentlichten nur die wütenden Reaktionen der Regierung.

Der Dalai Lama kritisierte dies scharf. Die Regierung in Peking "schätzt andere Meinungen überhaupt nicht", sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo News. Die Schaffung einer offenen und transparenten Gesellschaft sei "der einzige Weg, alle Chinesen zu retten". Es gebe aber in der chinesischen Führung einige "Hardliner", die in "altem Denken" verhaftet seien. Der im Exil lebende Dalai Lama, der 1989 selbst den Friedensnobelpreis erhielt, machte seine Aussagen am Flughafen Tokio Narita, wo er bei einer Reise in die USA einen Zwischenstopp einlegte.

kgp/dpa/dapd/Reuters



Forum - Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo - eine gute Entscheidung?
insgesamt 1443 Beiträge
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Seite 1
Emil Peisker 08.10.2010
1. Also gut, das Ganze nochmal:-))
Zitat von sysopDiese Ehrung hat Sprengkraft: Das Nobelkomitee zeichnet den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo mit dem Friedenspreis aus. Die Führung in Peking reagiert empört, Menschenrechtler in aller Welt sind hocherfreut. Was ist Ihre Meinung?
Jawohl, der Preis an Liu Xiaobo ist eine ausgezeichnete Wahl.
ray4901 08.10.2010
2. Die Führung in China
Die Führung in China brauchte mal einen Dämpfer. Sie wird das locker wegstecken. Und wir können uns zufrieden zurücklehnen.In Oslo haben sie für uns gehandelt. Schön so, was aber ist der Follow Up? Was tun WIR? Hie und da eine Kerzenkette müsste doch drin liegen. Oder ein persönlich überbrachter Brief auf der Botschaft in Berlin? Was meint Ihr?
DerBlicker 08.10.2010
3. ausgezeichnet
Zitat von sysopDiese Ehrung hat Sprengkraft: Das Nobelkomitee zeichnet den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo mit dem Friedenspreis aus. Die Führung in Peking reagiert empört, Menschenrechtler in aller Welt sind hocherfreut. Was ist Ihre Meinung?
vor allem kann China dem Ölland Norwegen drohen so viel es will, Norwegen will nichts von China. Die chinesische Junta ärgert sich schwarz, das ist ein guter Tag.
syracusa 08.10.2010
4. Bravo, bravo, bravo!
Zitat von sysopDiese Ehrung hat Sprengkraft: Das Nobelkomitee zeichnet den chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo mit dem Friedenspreis aus. Die Führung in Peking reagiert empört, Menschenrechtler in aller Welt sind hocherfreut. Was ist Ihre Meinung?
Bravo, bravo, bravo! Das Nobelpreiskomitee beweist damit, dass es zu freien und unabhängigen Entscheidungen auch unter Druck fähig ist! Und es zeigt, dass Menschen- und Bürgerrechte wert sind, verteidigt sind, verteidigt zu werden, dass es ohne Menschen- und Bürgerrechte also auch keinen Frieden geben kann. *Diesen Zusammenhang zwischen Förderung des Friedens und des friedlichen Kampfes für Menschen- und Bürgerrechte hergestellt zu haben, ist ein Verdienst, das selbst friedensnobelpreiswürdig ist!*
Dunkeltroll 08.10.2010
5. suizidfreies ikebana
Zitat von ray4901Die Führung in China brauchte mal einen Dämpfer. Sie wird das locker wegstecken. Und wir können uns zufrieden zurücklehnen.In Oslo haben sie für uns gehandelt. Schön so, was aber ist der Follow Up? Was tun WIR? Hie und da eine Kerzenkette müsste doch drin liegen. Oder ein persönlich überbrachter Brief auf der Botschaft in Berlin? Was meint Ihr?
oder bibelumschläge stricken wären alternativen zur kerzenkette. vllt ginge kollektives ommmmmm und finster drein schauen. wo es geht vermeide ich, made in china, leider wird dass immer schwieriger, geiz ist geil hat denen so richtig die plattform bereitet.
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