Friedensnobelpreis Was wollen die Preisträger der Ican?

Ican was? Bislang nur Verteidigungsexperten ein Begriff, hat das Nobel-Komitee einer kleinen Gruppe von Idealisten viel Aufmerksamkeit verschafft. Ihr Traum: eine Welt, in der Atombomben illegal sind.

Ican-Direktorin Beatrice Fihn: Nukes? Nein, danke
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Ican-Direktorin Beatrice Fihn: Nukes? Nein, danke


Ihr Ziel ist heroisch, einige werden sagen: weltfremd. Eine Welt, in der alle Staaten sich auf ein Verbot von Atomwaffen einigen. Das war 2007 die Idee der Schwedin Beatrice Fihn, heute 34, und nur einer Hand voll Mitstreiter, die dann in Genf ein Büro eröffneten.

Jetzt hat dieses kleine Team, zu dem ein weltumspannendes Netzwerk von Tausenden Aktivisten zählt, nach zehn Jahren einen großen Coup gelandet. Das norwegische Nobelkomitee ehrt die Anstrengung der jungen Weltverbesserer der Internationalen Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen (Ican) mit dem Friedensnobelpreis und verleiht dem Traum von einer atomwaffenfreien Welt - zumindest symbolisch - großen Auftrieb.

Ican-Geschäftsführerin Fihn war von dem Anruf aus Oslo, Minuten vor der Bekanntgabe, geplättet: "Wir waren geschockt, dann haben wir gekichert und einen Moment gedacht, der Anruf war vielleicht ein Scherz." Sie seien zutiefst dankbar, sagte Fihn.

Zwar gibt es den Atomwaffensperrvertrag, der vor allem die Abrüstung der Nukleararsenale der USA und Russlands regelt - doch den haben die kleinen Atommächte Frankreich, Großbritannien, China, Israel, Indien, Pakistan und Nordkorea nie ratifiziert. Zwischen den großen Atomstaaten stockt die Abrüstung seit sechs Jahren.

Dessen ungeachtet wurde im Juli 2017 das Ican-Vertragswerk unterzeichnet. Es verbietet Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung von Atomwaffen und kam gegen den Widerstand der Atommächte und der mit ihnen verbündeten Staaten zustande, darunter Deutschland. Bei allem Widerstand hat Ican prominente und erfolgreiche Vorbilder, die ebenfalls auf zivilgesellschaftliche Initiativen zurückgehen: das Übereinkommen zum Verbot von Landminen sowie die Verträge zum Verbot von Streumunition oder von chemischen Waffen.

Im Herbst 2016 erklärte Fihn in einer Talksendung im Norddeutschen Rundfunk ihre Vision: "Wir hoffen, dass ein solcher Verbotsvertrag Atomwaffen noch mehr brandmarkt, noch mehr delegitimiert. Wir hoffen, dass ihr Besitz für die Atommächte noch unattraktiver wird und dass er sie auch zu mehr nuklearer Abrüstung anspornt."

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Kampagne für ein Atomwaffenverbot: Wer steckt hinter Ican?

Jenen, die ihr entgegenhalten, ein absolutes Verbot wäre sogar schädlich, trat sie in der Sendung ebenfalls vehement entgegen: "Alle Regierungen haben sich schließlich zu dem Ziel einer atomwaffenfreien Welt bekannt. Wie kann es da schädlich sein, wenn man Atomwaffen vertraglich verbietet? Es ist doch eher gut, wenn Länder erklären, keine Atomwaffen besitzen zu wollen."

Das alles natürlich in einer Zeit, in der sich US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un mit nuklearem Feuer und Auslöschung drohen. Zeiten, in denen Russland und die USA ihre Arsenale mit apokalyptischem Potenzial für viel Geld aufmöbeln und in der Pakistan und Indien sich atomar bewaffnet feindselig gegenüberstehen.

Aber man wird ja noch träumen dürfen.

cht



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