Friedensnobelpreis-Kandidaten Dissidenten, Philosophen und Silvio Berlusconi

Corbis

Von und

2. Teil: Stammkunden


Helmut Kohl ist wie jedes Jahr seit 1990 nominiert - für seine Verdienste um die Deutsche Einheit und das friedliche Ende des Kalten Krieges. Die Aussichten des 79-jährigen Altkanzlers sind jedoch recht gering. An der Spitze der Jury steht mit dem norwegischen Ex-Ministerpräsidenten Thorbjörn Jagland jemand, der in seinem ersten Amtsjahr einiges daransetzen dürfte, dass der Preis nicht mit der EU und europäischen Friedensbemühungen in Verbindung gesetzt werden kann. Jagland ist gerade erst zum Generalsekretär des Europarates gewählt worden und hat zudem schon öffentlich für eine Vergabe des Preises an die EU als "erfolgreiches Friedensprojekt" geworben. Deswegen war Jagland Befangenheit vorgeworfen worden. Der letzte Deutsche, der den Friedensnobelpreis bekam, war Willy Brandt 1971 - als damaliger Bundeskanzler.

Bono, mit bürgerlichem Namen Paul David Hewson, ist wie schon 2003 und 2005 unter den Kandidaten. Der Sänger der Band U2 ist damit der Einzige, dem es gelungen ist, für einen Oscar, einen Grammy, einen Golden Globe und den Friedensnobelpreis nominiert zu werden. Er engagiert sich seit 25 Jahren gegen Hunger und Kriege, so setzte er sich beim G-8-Gipfel in Genua 2000 für einen Schuldenerlass für die ärmsten Länder der Welt ein. Dieses Thema und speziell die Hilfe für Afrika verfolgt Bono, seit er 1984 ein Wohltätigkeitskonzert in Äthiopien gab und danach mit seiner Frau Alison Stewart noch mehrere Wochen in einem Flüchtlingscamp arbeitete.

Auch die kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt ist wieder nominiert. Im vergangenen Jahr freute sich die bekannteste Ex-Geisel der Farc-Rebellen zu früh: Sie lud bereits vor der Vergabe des Preises zu einer Pressekonferenz in ein Pariser Luxushotel ein. Sogar eine Pressemitteilung war bereits fertig.

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