Friedensnobelpreis Stiftung verwahrt Geld für Liu Xiaobo

Das Preisgeld für den chinesischen Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo bleibt vorerst in Schweden. Die Nobelstiftung will die rund 1,1 Millionen Euro für den verhafteten Bürgerrechtler verwahren.

Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo: Für elf Jahre in Haft
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Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo: Für elf Jahre in Haft


Stockholm - Mit dem Friedensnobelpreis ist eine ansehnliche Summe verbunden: Zehn Millionen schwedische Kronen, umgerechnet 1,1 Millionen Euro. Im Fall des chinesischen Preisträgers Liu Xiaobo will die Nobelstiftung das Geld vorerst behalten. Es bleibe bis auf weiteres "in Verwahrung". Das kündigte Stiftungsdirektor Michael Sohlman am Freitag in Stockholm an, genau eine Woche vor der Verleihungszeremonie an. Chinas Führung verweigert dem 47-jährigen inhaftierten Bürgerrechtler ebenso wie seiner unter Hausarrest gestellten Ehefrau Liu Xia die Ausreise zur Verleihung in Norwegens Hauptstadt Oslo.

Liu sitzt in seiner Heimat eine elfjährige Haftstrafe wegen "Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt" ab. Er hatte sich öffentlich für Demokratie und Meinungsfreiheit eingesetzt.

Chinas politische Führung hat seit der Bekanntgabe der Vergabe an Liu Druck auf andere Regierungen ausgeübt, um deren Teilnahme an der Osloer Zeremonie zu verhindern. Sohlman bezeichnete dieses Verhalten Pekings als "beispiellos". Die Führung in Peking will offenbar auch sicherstellen, dass Lius Unterstützer nicht an der Zeremonie teilnehmen: Sie verbot mehreren Menschen die Ausreise.

Künstler Ai Weiwei am Flughafen gestoppt

Jüngstes Opfer ist der bekannte chinesische Gegenwartskünstler Ai Weiwei, der am Donnerstag an einer Reise nach Südkorea gehindert wurde. "Ich war schon durch den Zoll und wurde am Flugsteig gestoppt", sagte Ai Weiwei am Freitag. "Das ist mir noch nie passiert." Er habe nicht einmal vorgehabt, nach Norwegen zu reisen.

Auch dem sozialkritischen Ökonomen Mao Yushi wurde am Donnerstag am Pekinger Flughafen die Ausreise verweigert. Er hatte zu einer Konferenz nach Singapur fliegen wollen. "Sie sagten mir, dass ich ein gefährliches Element sei", sagte Mao dem US-Sender Radio Free Asia. Ferner wurde dem pensionierten Professor der Universität in Nanjing, Sun Wenguang, die Ausstellung eines Reisepasses verweigert, weil er offen erklärt hatte, nach Oslo reisen zu wollen.

Vor gut drei Wochen waren schon der Anwalt des Friedensnobelpreisträgers, Mo Shaoping, und der bekannte Jurist He Weifang am Flughafen daran gehindert worden, zu einer Juristentagung nach London zu fliegen. Auch ihnen hatte die Polizei erklärt, dass ihre Reise eine "Bedrohung der nationalen Sicherheit Chinas" darstelle.

Das Nobel-Komitee in Oslo hatte Liu für "seinen langen und gewaltlosen Kampf für fundamentale Menschenrechte" ausgezeichnet. Er ist Mitautor der "Charta 08", in der Dissidenten Reformen, Freiheiten und das Ende des Machtmonopols der Kommunistischen Partei in China forderten.

Die Führung in Peking verurteilte die Auszeichnung für Liu scharf. Der Nobelpreis sei ein "politisches Werkzeug, um das aufstrebende China anzugreifen", hieß es etwa in einem Kommentar in der kommunistischen Parteizeitung.

Der Friedensnobelpreis wird traditionell am 10. Dezember in Oslo verliehen. Alle anderen Nobelpreise überreicht Schwedens König Carl XVI. Gustaf am selben Tag in Stockholm.



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