Politik

Reaktionen auf Friedensnobelpreis

"Russland ist ein verantwortungsbewusstes Mitglied im Atom-Klub"

Wie reagieren die Atommächte auf den Friedensnobelpreis für Atomwaffengegner? Russland bleibt verhalten, auch die Bundesregierung kann sich nur mühsam zu einer Gratulation durchringen.

REUTERS

Atomfähige Iskander-Rakete des russischen Militärs

Freitag, 06.10.2017   14:10 Uhr

Was US-Präsident Donald Trump über die neue Trägerin des Friedensnobelpreises denkt, ist auch mehrere Stunden nach der Verleihung an die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican) nicht bekannt. Das Weiße Haus schweigt.

Aus Russland kam schnell eine erste, vorsichtige Reaktion. Moskau respektiere die Entscheidung des Nobelkomitees in Oslo, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. "Russland ist ein verantwortungsbewusstes Mitglied im 'Atom-Klub'", sagte er der Agentur Tass zufolge.

Präsident Wladimir Putin habe mehrfach betont, wie wichtig ein atomares Gleichgewicht für die internationale Sicherheit sei. Das norwegische Nobelkomitee hatte zuvor erklärt, die Ican erhalte die Auszeichnung für "ihre Arbeit, Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Konsequenzen von Atomwaffen zu lenken".

Auch die Bundesregierung, die dem international von mehr als hundert Staaten unterzeichneten Vertrag zum Atomwaffenbann die Unterschrift verweigert, reagierte zurückhaltend. Regierungssprecherin Ulrike Demmer gratulierte, bekräftigte aber ihre Ablehnung des Verbotsvertrags. Solange es Staaten gebe, die Atomwaffen als militärisches Mittel ansehen würden und Europa davon bedroht sei, bestehe die Notwendigkeit einer nuklearen Abschreckung fort.

Aus Japan, dem einzigen Land, das mit den Abwürfen über Hiroshima und Nagasaki bislang einen echten Atomangriff erleiden musste, meldete sich der 92-jährige Hiroshima-Überlebende Sunao Tsuboi zu Wort: "So lange ich lebe, werde ich an der Verwirklichung einer atomwaffenfreien Welt mit Ican arbeiten."

SPD-Chef Martin Schulz sagte, der Preis für Ican sei "ein kraftvolles Signal zur richtigen Zeit". Er mache deutlich, wie dringend es mutige Initiativen für globale Abrüstung und eine Welt ohne Atomwaffen brauche.

"Wir brauchen keine neue Aufrüstungsspirale in der Welt, sondern eine Renaissance von vertragsgestützter Abrüstung und Rüstungskontrolle weltweit", so der SPD-Vorsitzende. Linken-Chefin Katja Kipping lobte den Preis als "starkes Zeichen für Frieden und gegen Kriegsgefahr in Korea". Die Bundesregierung müsse das Atomwaffenverbot nun auch unterschreiben, forderte der Linken-Politiker Jan van Aken. Auch die Grünen lobten die Entscheidung des Nobelkomitees. Die Grünen-Bundestagsfraktion schrieb bei Twitter:

Wie überrascht und begeistert die Preisträger waren, ist in einem Interview mit Ican-Chefin Beatrice Fihn zu hören, welche das Nobelkomitee auf Facebook veröffentlichte:

cht/cte/dpa/Reuters

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