Reaktionen auf Friedensnobelpreis "Russland ist ein verantwortungsbewusstes Mitglied im Atom-Klub"

Wie reagieren die Atommächte auf den Friedensnobelpreis für Atomwaffengegner? Russland bleibt verhalten, auch die Bundesregierung kann sich nur mühsam zu einer Gratulation durchringen.

Atomfähige Iskander-Rakete des russischen Militärs
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Atomfähige Iskander-Rakete des russischen Militärs


Was US-Präsident Donald Trump über die neue Trägerin des Friedensnobelpreises denkt, ist auch mehrere Stunden nach der Verleihung an die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican) nicht bekannt. Das Weiße Haus schweigt.

Aus Russland kam schnell eine erste, vorsichtige Reaktion. Moskau respektiere die Entscheidung des Nobelkomitees in Oslo, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. "Russland ist ein verantwortungsbewusstes Mitglied im 'Atom-Klub'", sagte er der Agentur Tass zufolge.

Präsident Wladimir Putin habe mehrfach betont, wie wichtig ein atomares Gleichgewicht für die internationale Sicherheit sei. Das norwegische Nobelkomitee hatte zuvor erklärt, die Ican erhalte die Auszeichnung für "ihre Arbeit, Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Konsequenzen von Atomwaffen zu lenken".

Auch die Bundesregierung, die dem international von mehr als hundert Staaten unterzeichneten Vertrag zum Atomwaffenbann die Unterschrift verweigert, reagierte zurückhaltend. Regierungssprecherin Ulrike Demmer gratulierte, bekräftigte aber ihre Ablehnung des Verbotsvertrags. Solange es Staaten gebe, die Atomwaffen als militärisches Mittel ansehen würden und Europa davon bedroht sei, bestehe die Notwendigkeit einer nuklearen Abschreckung fort.

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Kampagne für ein Atomwaffenverbot: Wer steckt hinter Ican?

Aus Japan, dem einzigen Land, das mit den Abwürfen über Hiroshima und Nagasaki bislang einen echten Atomangriff erleiden musste, meldete sich der 92-jährige Hiroshima-Überlebende Sunao Tsuboi zu Wort: "So lange ich lebe, werde ich an der Verwirklichung einer atomwaffenfreien Welt mit Ican arbeiten."

SPD-Chef Martin Schulz sagte, der Preis für Ican sei "ein kraftvolles Signal zur richtigen Zeit". Er mache deutlich, wie dringend es mutige Initiativen für globale Abrüstung und eine Welt ohne Atomwaffen brauche.

"Wir brauchen keine neue Aufrüstungsspirale in der Welt, sondern eine Renaissance von vertragsgestützter Abrüstung und Rüstungskontrolle weltweit", so der SPD-Vorsitzende. Linken-Chefin Katja Kipping lobte den Preis als "starkes Zeichen für Frieden und gegen Kriegsgefahr in Korea". Die Bundesregierung müsse das Atomwaffenverbot nun auch unterschreiben, forderte der Linken-Politiker Jan van Aken. Auch die Grünen lobten die Entscheidung des Nobelkomitees. Die Grünen-Bundestagsfraktion schrieb bei Twitter:

Wie überrascht und begeistert die Preisträger waren, ist in einem Interview mit Ican-Chefin Beatrice Fihn zu hören, welche das Nobelkomitee auf Facebook veröffentlichte:

cht/cte/dpa/Reuters

insgesamt 66 Beiträge
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Wolfgang Heubach 06.10.2017
1. Vielleicht ein Anstoß für neue Verhandlungen
Ich hoffe sehr, daß durch die Verleihung neuer Schwung in internationale Abrüstungsverhandlungen kommt. Die Welt ist bis an die Zähne bewaffnet - gerade auch mit Atomwaffen. Nicht noch mehr Rüstung, sondern echte Abrüstung auf allen Gebieten ist das Gebot der Stunde.
kpkuenkele 06.10.2017
2. Was ist mit Edward Snowden!
ICAN verfolgt ein Ziel, bei dem nicht feststeht, ob es die Welt sicherer und friedvoller machen würde oder im Gegenteil die Schwelle für Kriege mit und zwischen den derzeitigen Atommächten senken würde. Die Atommächte selbst haben sich seit dem 2. Weltkrieg daran gehalten, Atomwaffen nur zur Selbstverteidigung einzusetzen. Daher denke ich, dass es bessere Presiträger gegeben hätte, deren Leistung für die Menschheit bereits zweifelsfrei feststeht.
andreika123 06.10.2017
3. Na ja
Mann kann alles loben was mit Gewalt stopp zu tun hat. Aber mal ehrlich, Welt ohne A Waffen? Dann hätten wir ganz andere Situation heute. Russland, China gegen Nato ohne A bombe keine Chance, Pakistan vs Indien auch ein Problem. So habe alle Angst das der Gegner ein Rakete startet und so bleiben grosse Konflikte weg.
KingTut 06.10.2017
4. Verantwortungsvoll
Dass Russland eine verantwortungsvolle Atommacht in dem Sinne ist, dass alles getan wird, um eine nukleare Auseinandersetzung zu vermeiden, will ich nicht in Abrede stellen. Gleiches gilt für die USA (seit Trump allerdings mit Abstrichen) und für China. Allerdings heißt das nicht, dass damit die Gefahr eines Atomkrieges gebannt ist. Es muss nicht mal eine kriegerische Absicht vorhanden sein, um einen Atomkrieg auszulösen: http://www.spiegel.de/einestages/stanislaw-petrow-der-mann-der-die-welt-rettete-ist-tot-a-1168721.html Es sind die kurzen Vorwarnzeiten, die bei einer Fehlfunktion der Überwachungssysteme einen Atomschlag der vermeintlich angegriffenen Macht auslösen können. Fraglich ist auch, inwieweit z.B. auch U-Boot-Kommandanten willkürlich diese Waffen einsetzen können. Eigentlich sollten wir jeden Tag Gott danken, dass noch nichts geschehen ist.
wealthofnations 06.10.2017
5. Völlig überflüssig
Nuclear proliferation ist in der Tat ein ernstes Problem, eine Gefahr, viel größer als der sogenannte Klimawandel. Die ICAN allerdings braucht kein Mensch - eine Organisation von Wichtigtuern im Gewande der edlen Moralisten.
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