Afghanistan: Hochrangiger Friedensvermittler erschossen

Weiterer Rückschlag im afghanischen Friedensprozess: Ein Mitglied des Friedensrates von Präsident Hamid Karzai ist bei einem Attentat ums Leben gekommen. Die Taliban streiten jede Beteiligung an dem Anschlag ab. Im vorigen Jahr war der Chef des Rates ermordet worden.

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Friedensvermittler Arsala Rahmani: "In die Tat sind andere verwickelt"

Kabul - Blutiger Anschlag in Kabul: Ein Attentäter hat einen ranghohen Friedensvermittler der afghanischen Regierung erschossen. Arsala Rahmani, ein wichtiger Berater von Staatschef Hamid Karzai, sei im Wagen auf dem Weg zu einem Treffen mit Regierungsvertretern im Diplomatenviertel von Kabul unterwegs gewesen, als ein Mann aus einem zweiten Auto heraus das Feuer auf ihn eröffnet habe, teilte die Polizei am Sonntag mit. Der Fahrer Rahmanis habe zunächst gar nicht bemerkt, dass sein Mitfahrer tot sei. Daher sei niemand im Zusammenhang mit den Schüssen festgenommen.

Rahmani war Bildungsminister in der Schattenregierung der Taliban, lief aber zur Regierung Karzais über. Dort wurde er seit zwei Jahren als Unterhändler für die Friedensgespräche mit den Aufständischen eingesetzt. Die US-Botschaft bezeichnete den Anschlag per Twitter als "Tragödie".

Die Taliban stritten jegliche Beteiligung an Rahamis Tod ab. "In die Tat sind andere verwickelt", sagte ihr Sprecher Zabihullah Mujahid. "Wir glauben nicht, dass es ein großer Rückschlag für die Friedensbemühungen ist, weil der Friedensrat nichts erreicht hat", fügte Mujahid hinzu.

Rahmani hatte der Nachrichtenagentur Reuters noch Anfang des Jahres gesagt, dass er optimistisch sei und geheime Friedensgespräche mit den Taliban gute Aussicht auf Erfolg hätten. Die Taliban seien seiner Einschätzung nach bereit, ihre fundamentalistischen Positionen teilweise aufzugeben.

Schon Ende September hatte der Friedensprozess in Afghanistan einen herben Rückschlag erlitten, als der damalige Chef des Friedensrats, der frühere afghanische Präsident Burhanuddin Rabbani, bei einem Selbstmordanschlag in seinem Haus in Kabul getötet wurde. Im vergangenen Monat hatte Karzai Rabbanis Sohn Salahuddin Rabbani zum Nachfolger an der Spitze des Friedensrates ernannt.

Schießereien weiter an der Tagesordnung

Bislang zeigen die Bemühungen um eine Aussöhnung mit den Aufständischen aber wenig Erfolg. Schießereien und Attentate erschüttern immer wieder das krisengebeutelte Land. Erst am Samstag waren zwei Soldaten der Nato-geführten Isaf-Truppe im Süden Afghanistans umgebracht worden. Bei den Tätern, die Polizeiuniformen trugen, handelte es sich wahrscheinlich um Aufständische, erklärte die Isaf.

Die Truppe soll ihren Kampfeinsatz in Afghanistan bis 2014 beendet haben. Die USA planen laut Regierungsvertretern, nach 2014 noch rund 15.000 US-Soldaten in dem Land zu belassen, unter anderem für die Ausbildung der afghanischen Armee und für den Kampf gegen den Terrorismus.

vks/Reuters/AFP/dpa

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1. Schüsse knallen
Grafsteiner 13.05.2012
"Der Fahrer Rahmanis habe zunächst gar nicht bemerkt, dass sein Mitfahrer tot sei." Wohl mehr als zweifelhaft.
2. Was nicht im Artikel steht, ist
Niamey 13.05.2012
Zitat von Grafsteiner"Der Fahrer Rahmanis habe zunächst gar nicht bemerkt, dass sein Mitfahrer tot sei." Wohl mehr als zweifelhaft.
das er mit einer Spatzenschleuder aus dem zweiten Wagen heraus, durch das offene Seitenfenster beschossen worden ist. Der Tod trat beim Auftreffen des Hochgeschwindigkeitsgeschosses, durch Schock ein! Sicher haben auch die Taliban nichts damit zu tun. Großes Ehrenwort. Aber eine Splittergruppe, die ein durch den Genuß von mit Koranseiten handgedrehten schwarzen Afghanen, leicht umnebeltes Wahrnehmungsvermögen besitzt, schon!
3. Wundert´s wen
horstschmitzberger 13.05.2012
Warum sollten die Taliban verhandeln? Die Regierung kuscht jetzt schon, siehe verweigerte Nachteinsätze der Armee, der Westen hat das Datum genannt an dem er den Schwanz einzieht und der Bevölkerung in Europa und USA wird das Desaster als Frieden verkauft.. Was wird man uns erzählen wenn wir wieder angreifen müßen, nach einem kleinen Besuch der Dschihadisten mit nem Mitbringsel aus Sprengstoff und Gift ? Auch Schade um die Menschen die mit unserem Geld versucht haben das Land auf einen anderen Weg zu bringen, hofffendlich sind all die Friedensfreunde auch zu deren Frauen und Kindern barmherzig wenn sie vor unserern Haustüren stehen, nachdem die Taliban und Warlords die Macht an sich gerissen haben. Die Abrechnung mit den Freunden des Westens wird grauenhaft, da waren die Buddhas von Bamjan nur die harmlose Ofertüre, aber zum Trost für die Friedensfreunde, viele werden nicht kommen können...Ausser wir wagen es weiter AlQaida zu provozieren, wir ungläubigen..
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Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

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