FES-Studie Jugend in arabischer Welt blickt optimistisch in die Zukunft

Der Befund mag überraschen: In der arabischen Welt ist die Jugend mehrheitlich zuversichtlich, wie aus einer neuen Untersuchung hervorgeht. Dennoch wollen viele ihre Heimat verlassen.

Eine junge Frau in Marokko
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Eine junge Frau in Marokko


Die Mehrzahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der arabischen Welt blickt trotz wirtschaftlicher Benachteiligung und einem Gefühl von Unsicherheit zuversichtlich in die Zukunft. Das ist das Ergebnis einer Studie, die von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Auftrag gegeben wurde. Im Schnitt sehen demnach 65 Prozent der Befragten die Zukunft optimistisch.

Im Sommer und Winter 2016/2017 wurden den Autoren zufolge knapp 9000 junge Menschen zwischen 16 und 30 Jahren für die Studie "Zwischen Ungewissheit und Zuversicht" befragt. Die Umfragen und Interviews wurden in acht Ländern im Nahen Osten und in Nordafrika durchgeführt, darunter Marokko, Tunesien, Ägypten, Bahrain und Jemen. Nach Uno-Angaben sind rund 30 Prozent der Menschen in der arabischen Welt zwischen 15 und 29 Jahren alt.

Die Studie wurde in Zusammenarbeit der FES, mehrerer Forschungszentren und Meinungsforschungsinstitute im Nahen Osten und der Universität Leipzig erstellt. Die Untersuchung widmet sich allen wichtigen Lebensbereichen der jungen Menschen in der arabischen Welt und schaut auf Lebensbedingungen, Bildung und das soziale Umfeld. Trotz des generellen Optimismus beschäftigen die jungen Menschen aber aktuell auch viele Probleme.

Entwicklung seit Arabischem Frühling wird negativ gesehen

Viele der Befragten schätzen der Studie zufolge die Entwicklungen in ihren Ländern nach den Umbrüchen 2011 inzwischen negativ ein. Statt um politische Themen wie Meinungsfreiheit gehe es den meisten jungen Menschen um die Sicherung ihrer Grundbedürfnisse und um Gewaltfreiheit. Politiker werden überwiegend als unzuverlässig und korrupt angesehen.

Selbst in Ägypten und Tunesien - das als Musterland des sogenannten Arabischen Frühlings gilt - sprechen sich nur noch etwas mehr als 50 Prozent der befragten jungen Menschen für ein demokratisches System aus. In Marokko, Jordanien und im Jemen sind es sogar nur etwas mehr als 20 Prozent. Stattdessen wünscht sich ein Teil auch einen starken Mann an der Spitze des Staates oder bevorzugen, wie in Jordanien (18 Prozent) oder dem Jemen (17 Prozent), einen religiösen Staat auf der Grundlage der Scharia.

Die derzeitigen autoritären Machtstrukturen in der Mehrzahl der Länder verhinderten, dass die jungen Menschen ihre Talente und ihr Wissen in die Gestaltung der Gesellschaft wirksam einbringen könnten, sagen die Studienautoren. Die enttäuschten Hoffnungen der Umbrüche führten dazu, dass knapp zehn Prozent fest zur Migration entschlossen seien. Die Menschen seien hin- und hergerissen zwischen immer wieder auftauchenden Abwanderungsgedanken und der Verbundenheit mit ihren Familien und ihrer Heimat.

Denn gefragt nach den Werten, die den jungen Menschen in der arabischen Welt wichtig sind, antwortete ein Großteil: die Familie. Eine der wichtigsten Werte für die meisten Jugendlichen stelle außerdem die Religion dar. Die Autoren sehen sogar einen leichten Anstieg der Religiosität im Vergleich zu der Zeit vor dem Arabischen Frühling. Religion diene dabei nicht mehr politischen oder ideologischen Zwecken, sondern sei für das individuelle Wohlergehen wichtig.

aev/dpa



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