Frankreich Parteigründer Le Pen geißelt Umbenennung des Front National

Parteichefin Marine Le Pen will den Front National umbenennen. Ihr Vater hält das für "politischen Mord". Der 89-jährige Jean-Marie Le Pen kämpft zudem um seinen Titel als Ehrenvorsitzender. Die Partei hat das Amt abgeschafft.

Jean-Marie Le Pen
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Jean-Marie Le Pen


Jean-Marie Le Pen hat seine Tochter Marine Le Pen wegen der geplanten Umbenennung der rechtsextremen französischen Partei Front National (FN) scharf angegriffen. Die Aufgabe des bisherigen Namens sei ein "wahrhaftiger politischer Mord", sagte der 89 Jahre alte Mitgründer der Partei dem Rundfunksender France Inter. "Ich finde es katastrophal, dass man den Namen Front National aufgibt, denn dies ist ein unverwechselbarer und unverzichtbarer Orientierungspunkt."

Parteichefin Marine Le Pen hatte auf dem Parteitag im nordfranzösischen Lille den neuen Namen Rassemblement National ("Nationale Sammlung") vorgeschlagen. Darüber stimmen nun die Parteimitglieder ab. Das abschließende Votum wird in sechs Wochen erwartet. Vor dem Parteitag hatte sich eine knappe Mehrheit von 52 Prozent der FN-Mitglieder grundsätzlich für einen Namenswechsel ausgesprochen.

Änderungen von Parteinamen sind in Frankreich keine Seltenheit. Die bürgerliche Rechte hatte sich vor einigen Jahren in Les Républicains unbenannt.

Marine Le Pen
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Marine Le Pen sagte, der neue Name solle ein "Aufruf sein, sich uns anzuschließen". Mit der Umbenennung will sie einen Neustart der Partei markieren und künftige Koalitionen mit anderen Parteien ermöglichen. Sie versucht seit Jahren, der EU- und zuwanderungskritischen Partei ein besseres Image zu verleihen. Front klinge zu militärisch, hatte die Parteichefin zuvor gesagt.

Der Parteitag hatte außerdem eine Statutenänderung beschlossen. Demnach gibt es den Posten des Ehrenvorsitzenden künftig nicht mehr. Diesen Titel hatte auch Jean-Marie Le Pen inne. Dieser machte nun deutlich, dass er die Statutenänderung nicht hinnehme. "Man hat das Amt des Ehrenvorsitzenden abgeschafft (...), aber ich behalte diesen Titel, der mir vom Parteitag 2011 gegeben wurde", sagte Le Pen dem Sender. Der umbenannten Partei wolle er nicht angehören. Er behielt sich auch vor, möglicherweise den alten Namen Front National wieder aufzunehmen. Ins Detail ging er dabei nicht.

Der Mitgründer war 2015 aus der Partei ausgeschlossen worden, nachdem er mehrmals die Gaskammern der Nazis als "Detail der Geschichte" bezeichnet hatte. Den Ehrenvorsitz hatte er aber behalten, Gerichte hatten das bestätigt.

Auch von anderer Seite droht Ärger. Der Front National bestreitet, dass ihr neuer Wunschname Rassemblement National gegen das Urheberrecht verstößt. Ein Anwalt der Front National erklärte am Montag in Paris, der Inhaber des Namens habe Ende Februar per Privatvertrag zugesichert, diesen an die Rechtspopulisten abzutreten. Eine offizielle Bestätigung durch das Patent- und Markenamt steht aber noch aus.

Nach Angaben der Front National sei die gaullistische Splittergruppe namens "Rassemblement National" in Auflösung. Ein Mitglied dieser Gruppe, der Politiker Igor Kurek, hatte zuvor auf Twitter erklärt, der Name sei durch das Patentamt geschützt und die Front National werde deshalb "niemals" den neuen Namen annehmen können.

aev/AFP/dpa



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