Frust über Romney & Co.: Republikaner sehnen sich nach dem Erlöser

Von , Washington

Die Republikaner hadern mit ihren Präsidentschaftsbewerbern. Kommt nun doch ein Ersatzkandidat zum Zug? Namen kursieren bereits in der Partei: zwei Gouverneure, ein Ex-Präsidenten-Bruder - und Tea-Party-Star Sarah Palin. Die hat sich via Fernsehen selbst ins Gespräch gebracht.

Palin, Bush und Co.: Die Weißen Ritter Fotos
AP

Der Kampf der Republikaner um die Präsidentschaftskandidatur will kein Ende nehmen. Wer wissen will, warum Dauerfavorit Mitt Romney nicht längst die Nominierung seiner Partei sicher hat, muss nur die Gegenstimmen in jenen sechs Staaten zusammenzählen, die der Ex-Gouverneur von Massachusetts am Super Tuesday gewonnen hat.

In Ohio kommen alle Romney-Rivalen zusammen auf 58 Prozent, in Vermont auf 57 und in Alaska auf 67. Allein in Idaho und seinem Heimatstaat Massachusetts schafft es Romney über die 50-Prozent-Marke. In Virginia ebenfalls, aber da hatte er mit dem radikalliberalen Außenseiter Ron Paul einen denkbar schwachen Gegner - und der kommt sogar noch auf 40 Prozent.

Romney siegt, aber es sind mühsame Siege. Die Mehrheit der Partei ist nicht überzeugt, obwohl Romney der wahrscheinlichste Kandidat ist. Unklar bleibt, ob sich die Republikaner mit ihm abfinden können. "Die Dinge stehen nicht gut für Mister Roboto", kommentiert die "New York Times" Romneys Lage in Anspielung auf seine steifen Auftritte. "Er ist hölzern und ungelenk. Seine Überzeugungen sind wankelmütig bis fadenscheinig. Er ist alles andere als redegewandt und leidenschaftlich." Abschließendes Urteil: "Man kann sich kaum einen schlechteren Kandidaten vorstellen."

Marschiert im August der "Weiße Ritter" ein?

Ende August wollen die Republikaner auf ihrem Parteitag in Tampa, Florida, den Kandidaten küren, der Amtsinhaber Barack Obama schlagen soll. Was, wenn Romney sich bis dahin nicht die Mehrheit der Delegierten sichern kann und es zu einer sogenannten "brokered convention" kommt? Wenn also kein Kandidat im ersten Wahlgang die Mehrheit hat? Das war vor mehr als 60 Jahren das letzte Mal der Fall.

Der gespaltene Parteitag, die zerrüttete Partei - es ist ein Szenario, das führende Republikaner fürchten. Und eines, dass so manchen Anhänger auf den "Weißen Ritter" hoffen lässt: einen Ersatzkandidaten, der die Partei eint, die Basis motiviert und Obama schlagen kann. Ein Alptraum für Romney und Co. Die vier Bewerber hätten sich dann für nichts und wieder nichts über acht lange Monate eine wütende Politik- und Geldschlacht geliefert.

Ausgerechnet Tea-Party-Ikone Sarah Palin hat diese seit Wochen schwelende Debatte jetzt erneut angeheizt. Am Dienstagabend erwischte CNN sie bei der Stimmabgabe in Alaska. Und die Ex-Vizepräsidentschaftskandidatin, stets bemüht, sich im Gespräch zu halten, lieferte prompt. Ob nicht vielleicht sie als Ersatzkandidatin auf dem Parteitag einspringen könnte? "Alles ist möglich", sagte Palin und grinste. Sie jedenfalls werde sich jetzt keine Türen verschließen und natürlich im August nach Florida reisen.

Sarah Palin als Präsidentschaftskandidatin? Jene Palin, die auch deshalb nicht ins Vorwahlrennen eingestiegen ist, weil Ende vergangenen Jahres Umfragen zufolge zwei Drittel der befragten Republikaner sie genau da nicht sehen wollten? "Ich glaube keine Sekunde, dass sie das ernst gemeint hat", urteilte rasch der frühere Präsidentenberater David Gergen.

Palin hat einen wunden Punkt getroffen. Romney sah sich genötigt, die Sache wenige Stunden später gegenüber dem TV-Kanal CNBC klarzustellen. "Eines weiß ich mit Sicherheit: Es wird keine 'brokered convention' geben, auf der irgendeine neue Person ins Spiel kommt, um dann zum Kandidaten bestimmt zu werden." Kandidat werde garantiert einer der vier Bewerber, die jetzt im Rennen seien, so Romney.

Potentielle Kandidaten winken ab

Dennoch ist die Debatte nicht gebannt. Stets fallen in diesem Zusammenhang die Namen der Gouverneure Mitch Daniels (Indiana) und Chris Christie (New Jersey). Daniels durfte in diesem Jahr schon die offizielle Republikaner-Entgegnung auf Präsident Obamas Regierungserklärung "State of the Union" halten. Auch Floridas früherer Regierungschef Jeb Bush, der Bruder von Ex-Präsident George W. Bush, wird in Parteikreisen als Ersatzkandidat genannt. Zuletzt ist auch noch Paul Ryan ins Spiel gekommen, der erst 42-jährige Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Repräsentantenhaus.

Es gibt nur einen Haken an der Sache: Alle haben abgesagt. Ein ganz und gar "unglaubliches Szenario" sei ein Weißer Ritter auf dem Parteitag, erklärte Jeb Bush auf Fox News. Und Paul Ryan sagte gegenüber NBC: Er sehe nicht, "wie dieser Fall eintreten sollte". Es sei einfach "zu spät" für einen neuen Bewerber.

Das Nein potentieller Retter hält manchen Parteistrategen natürlich nicht vom Träumen ab. Insbesondere dann nicht, wenn es um Jeb Bush geht, den man für den am besten geeigneten Ersatz hält. Kommentator Frank Bruni lästerte bereits vor dem Super Tuesday in der "New York Times" über "Gebete", mit denen Jeb Bush zur Hilfe gerufen werde: Ausgerechnet Bush, der kürzlich noch als jener Mann gegolten habe, der die Republikaner an eine Präsidentschaft erinnere, "die so viele enttäuscht hat". Jene seines Bruders.

Jeb Bush hat außerdem gerade seinen 59. Geburtstag gefeiert, er hat durchaus noch vier Jahre Zeit. Warum sollte er 2012 als Kandidat einer zerstrittenen Partei antreten? Das nämlich wäre wohl das Ergebnis, wenn man den gesamten Vorwahlprozess für nichtig erklärte - nur um dann mit nicht gerade geringer Wahrscheinlichkeit Obama zu unterliegen? Wenn Bush das Weiße Haus ernsthaft anstrebt, dann wird er wohl auf 2016 spekulieren.

Ob Phantomdebatte oder nicht, für Mitt Romney sind die Gerüchte über diesen oder jenen Weißen Ritter ein großes Ärgernis. Mehr noch: Das ist peinlich. Denn längst müsste er die Kandidatur sicher haben. Er ist der bestorganisierte Kandidat, er hat die größten Finanzreserven, ein eng geknüpftes Unterstützernetzwerk; seine Rivalen sind Polit-Clowns. Doch auch das neue, proportionale Vorwahlsystem der Republikaner macht ihm zu schaffen, bei dem nicht allein der jeweilige Sieger Delegierte gewinnt.

So wartet Romney auf seinen Durchbruch. Am Mittwoch haben seine Leute eine E-Mail versendet, in der sie einen Sieg für ihren Mann sicherheitshalber schon einmal herbeirechnen: Romney habe sich im Vergleich zu Santorum schon jetzt die doppelte Anzahl Delegierter gesichert und viermal so viele wie Gingrich. "Wenn die anderen Kandidaten die grundsätzlichen Prinzipien der Mathematik ignorieren, erhöhen sie damit allein die Siegchancen von Barack Obama", heißt es in der E-Mail.

Soweit die Mitt-Mathematik. In wenigen Monaten wird klar sein, ob die Rechnung aufgeht.

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insgesamt 80 Beiträge
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1. Wahl schon verloren?
paretooptimal 09.03.2012
Die Republikaner müssen sich eben damit abfinden, dass sie z.B. keinen Abraham Lincoln und auch keinen Eisenhower in ihren Reihen haben. Die jetzigen Kandidaten sind zu gegensätzlich und spalten die Partei.
2. Erlöser?
Meskiagkasher 09.03.2012
Zitat von paretooptimalDie Republikaner müssen sich eben damit abfinden, dass sie z.B. keinen Abraham Lincoln und auch keinen Eisenhower in ihren Reihen haben. Die jetzigen Kandidaten sind zu gegensätzlich und spalten die Partei.
Das ist doch gut so. Wer will wirklich einen weiteren republikanischen Präsidenten? Vor allem bei der derzeitigen Auswahl?
3. Prima
micha-mille 09.03.2012
Zitat von paretooptimalDie Republikaner müssen sich eben damit abfinden, dass sie z.B. keinen Abraham Lincoln und auch keinen Eisenhower in ihren Reihen haben. Die jetzigen Kandidaten sind zu gegensätzlich und spalten die Partei.
Na super! Sollen Sie sich doch alle gegenseitig zerfleischen, mit Geld zuschütten und intern uneins sein. Das wird nur gut sein für Obama. Der wird die Republikaner genüsslich auseinander nehmen. Wäre vermutlich das Beste für die Welt. :-)
4. Verkaufen ist alles was man können muss
habgenugvondenlügen 09.03.2012
Zitat von sysopDie Republikaner hadern mit ihren Präsidentschaftsbewerbern. Kommt nun doch ein Ersatzkandidat zum Zuge? Namen kursieren bereits in der Partei: zwei Gouverneure, ein Ex-Präsidenten-Bruder - und Tea-Party-Star Sarah Palin. Die hat sich via Fernsehen selbst ins Gespräch gebracht. Frust über Romney & Co.: Republikaner sehnen sich nach*dem Erlöser - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820257,00.html)
Warum will SPON mit der monatelang währenden Berichterstattung aus den USA und über die "Schlammschlacht der Republikaner" unter und zwischen den Republikaner-Führern erst Demokratie in den USA für deutsche Leserschaft verklickern und jetzt nach erfolgloser Schlammschlacht einen bisher neuen Republikaner/in für Demokratie in den USA verkaufen?
5. Interessant
hallabalooza 09.03.2012
Es sind nicht nur die Republikaner, die sich nach einem "Erlöser" sehnen, sondern die Amerikaner im Allgemeinen. Sie glaubten, ihn in Obama zu gefunden zu haben und wurden enttäuscht. Selbst liberale Journalisten werfen ihm mittlerweile Verfassungsverstöße vor, die z.T. schwerer wiegen, als die Eingriffe durch George W. (siehe NDAA). Zudem finde ich interessant, dass ein spannendes Kopf an Kopf rennen mit unzähligen Debatten und demokratischen Wahlen von Ihnen als trauriges Theater diskreditiert wird. Wie wäre es mit der Bezeichnung "demokratischer Prozess"; schon mal gehört?
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US-Republikaner: Duell am Super Tuesday


US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.