Führerkult in Nordkorea Es lebe die rote Kimjongilia

Eine gewaltige Militärparade, Jubeltiraden und eine eigene Begonienzüchtung: Das verarmte Nordkorea hat mit Prunk und Protz den 70. Geburtstag des verstorbenen Machthabers Kim Jong Il gefeiert. Der Westen hofft auf das Ende der inszenierten Trauer - und den Beginn neuer Atomgespräche.

REUTERS / Kyodo

Pjöngjang - Mit großem Pomp hat Nordkorea am Donnerstag den 70. Geburtstag des langjährigen Führers Kim Jong Il gefeiert, der im Dezember an einem Herzinfarkt verstorben war. Wie Bilder des Staatsfernsehens zeigten, wurde vor dem Kumsusan-Palast in Pjöngjang mit einer Militärparade des verstorbenen Machthabers gedacht.

Bei frostigen Temperaturen verfolgte dessen Sohn und Nachfolger Kim Jong Un ganz in Schwarz gekleidet die Zeremonie. Diese werde abgehalten, um Kim Jong Un die Loyalität des Militärs zuzusichern, verkündete das nordkoreanische Staatsfernsehen. Soldaten marschierten im Stechschritt, Geländewagen und Laster präsentierten Kanonen und Raketenwerfer. Es gab ein Feuerwerk, dazu Marschmusik, und die Zuschauer schwenkten künstliche Blumen in Rot und Pink.

Nordkorea nutzte den 70. Geburtstag Kim Jong Ils, um den Personenkult um den langjährigen Machthaber und dessen Sohn zu verstärken. Zu dem Gedenktag wurden Gedächtnisstempel und Münzen herausgegeben. In Pjöngjang wurde zudem eine Kunstausstellung für Kim Jong Il eröffnet. Außerdem gibt es eine speziellen roten Begonienzüchtung, die den Namen "Kimjongilia" trägt. Diese Blume war denn auch überall in der Stadt im Rahmen der Feiern zu sehen.

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Feiern in Pjöngjang: Nordkorea huldigt dem Kim-Clan
Das Staatsfernsehen ließ am Donnerstag Bürger zu Wort kommen, die den früheren Machthaber bei Besuchen in Dörfern, Fabriken und in Betrieben getroffen hatten. Dabei dankte eine alte Frau mit zitternder Stimme, dass "der General" einst die Zeit gefunden habe, ihre Familie zu besuchen. Kim habe sich trotz seiner vielen Verpflichtungen die Zeit genommen, sich ihre Sorgen anzuhören. "Es gibt auf der Welt keinen zweiten Führer wie den General", sagte die Frau. Auch andere Nordkoreaner verherrlichten Kim Jong Il in ihren Statements.

US-Verhandler hoffen auf Wiederaufnahme der Atomgespräche

Der langjährige Machthaber war am 17. Dezember gestorben. Als Nachfolger Kim Jong Ils rückte sein Sohn Kim Jong Un an die Staatsspitze. Sein genaues Alter ist nicht bekannt, aber er geht auf die 30 zu. Am Mittwoch war Kim Jong Il postum zum Generalissimus erhoben worden. Damit wurde ihm derselbe Titel zuteil wie seinem 1994 verstorbenen Vater Kim Il Sung.

Kim Jong Il regierte den kommunistischen Staat mit 24 Millionen Einwohnern 17 Jahre lang mit eiserner Hand. Er entwickelte die Songun-Doktrin, nach der die Armee die soziale Hierarchie krönt. Wirtschaftlich steht Nordkorea schlecht da, immer wieder kommt es zu dramatischen Lebensmittelengpässen. Eine Hungersnot in den neunziger Jahren kostete Hunderttausende das Leben. Die Beziehungen zum Nachbarland Südkorea sind angespannt, und mit dem Westen gibt es seit Jahren Streit um das Atomprogramm Nordkoreas. Seit 2006 hat Nordkorea zwei Atomtests durchgeführt.

Durch den Tod Kim Jong Ils waren die Gespräche mit den USA über eine nukleare Abrüstung zum Erliegen gekommen. Washington hofft nun, dass mit den Feiern am Donnerstag die offizielle Trauerphase in Nordkorea abgeschlossen ist, die neue Führung um Kim Jong Un sich konsolidiert und die Verhandlungen wieder aufgenommen werden können. In der kommenden Woche ist ein Treffen mit einer Abordnung aus den USA in Peking geplant, um die Gespräche fortzuführen.

ffr/AFP/AP

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Centurio X 16.02.2012
1. Neue Atomgespräche
Zitat von sysopREUTERS / KyodoEine gewaltige Militärparade, Jubeltiraden und eine eigene Begonienzüchtung: Das verarmte Nordkorea hat mit Prunk und Protz den 70. Geburtstag des verstorbenen Machthabers Kim Jong Il gefeiert. Der Westen hofft auf das Ende der inszenierten Trauer - und den Beginn neuer Atomgespräche. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,815642,00.html
Diese Gespräche sind so überflüssig, wie das Geschwätz von 2 Dorf-Ratsch-Tanten, die sich über die nicht frischgeputzen Gartenzwerge im Garten des Dorfbürgermeisters erregen. Die vorhandene oder vorgetäuschte atomare Bewaffnung Nordkoreas stellt zur Zeit die einzige Überlebensgarantie der Kim-Dynastie dar. Denn damit erlangt er durch Versprechungen, wobei er von vorneherein gar nicht daran denkt, diese einzuhalten, an dringend benötigte Hilfsgelder. Eine Wirtschaftsreform, die die Lebensbedingungen der Bevölkerung verbessen würde, hätte automatisch das Ende der systematischen Selbstisolierung des Nordkorenischen Staatswesen zur Folge. Informationen von außen könnte den Nordkoreanern nicht länger vorenthalten werden und die Leute würden anfangen zu denken...
friedenspfeife 16.02.2012
2. Diese Hoffnungen hatten
Zitat von sysopREUTERS / KyodoEine gewaltige Militärparade, Jubeltiraden und eine eigene Begonienzüchtung: Das verarmte Nordkorea hat mit Prunk und Protz den 70. Geburtstag des verstorbenen Machthabers Kim Jong Il gefeiert. Der Westen hofft auf das Ende der inszenierten Trauer - und den Beginn neuer Atomgespräche. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,815642,00.html
die spaeteren Allierten vor 75 Jahren auch mal gehabt. Der Westen wird nicht schlauer.
Sharoun 16.02.2012
3. Alles Chuch'e oder was
Zitat von sysopREUTERS / KyodoEine gewaltige Militärparade, Jubeltiraden und eine eigene Begonienzüchtung: Das verarmte Nordkorea hat mit Prunk und Protz den 70. Geburtstag des verstorbenen Machthabers Kim Jong Il gefeiert. Der Westen hofft auf das Ende der inszenierten Trauer - und den Beginn neuer Atomgespräche. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,815642,00.html
Das kommunistisch regierte Nordkorea .. die rote Kimjongilia .. hmm, hmm.. Was für ein Niveau; aber wers glaubt. Nordkorea ist so kommunistisch (regiert), wie die Politik hierzulande von christlichen Werten geprägt ist. Aber in der ideologischen Auseinandersetzung ist es ja immer gut, mit solchen Schlagworten um sich zu werfen; irgendwas davon bleibt immer hängen.
Centurio X 16.02.2012
4. Ja gewiß,...
Zitat von SharounDas kommunistisch regierte Nordkorea .. die rote Kimjongilia .. hmm, hmm.. Was für ein Niveau; aber wers glaubt. Nordkorea ist so kommunistisch (regiert), wie die Politik hierzulande von christlichen Werten geprägt ist. Aber in der ideologischen Auseinandersetzung ist es ja immer gut, mit solchen Schlagworten um sich zu werfen; irgendwas davon bleibt immer hängen.
...die Realität entspricht nicht der Marx'schen Lehrbuchtheorie. Aber ist das nicht bei a l l e n sich auf den Kommunismus berufenden Revolutionen so gewesen? Nenn Sie mir wenigstens e i n Land, das den "Weg zum Kommunismus" gegangen ist, und wo die elementaren Menschenrechte geachtet werden/wurden!
diablog 16.02.2012
5. Wie Wahr!
Zitat von Centurio XDiese Gespräche sind so überflüssig, wie das Geschwätz von 2 Dorf-Ratsch-Tanten, die sich über die nicht frischgeputzen Gartenzwerge im Garten des Dorfbürgermeisters erregen. Die vorhandene oder vorgetäuschte atomare Bewaffnung Nordkoreas stellt zur Zeit die einzige Überlebensgarantie der Kim-Dynastie dar. Denn damit erlangt er durch Versprechungen, wobei er von vorneherein gar nicht daran denkt, diese einzuhalten, an dringend benötigte Hilfsgelder. Eine Wirtschaftsreform, die die Lebensbedingungen der Bevölkerung verbessen würde, hätte automatisch das Ende der systematischen Selbstisolierung des Nordkorenischen Staatswesen zur Folge. Informationen von außen könnte den Nordkoreanern nicht länger vorenthalten werden und die Leute würden anfangen zu denken...
Man fragt sich halt, wie diese Diktatoren der Welt fertigbringen aus ihren Volk eine gleichgeschaltete Masse zu formen. Aber wir wissen nicht, ob die Nordkoreaner in der Tat eine gleichgeschaltete Masse sind. Wir hören, lesen, sehen von diesen Menschen, über ihr Leben nichts, oder sehr sehr wenig. Wir wissen dass dieses militärgrünen Uniform tragendes Volk ein sehr karges Leben führt, sich mit sehr wenig Lebensmittel zufrieden gibt. Tut es das wirklich? Wir wissen über Familienfesten nicht, über den Alltag nicht viel. Aber die ganze Welt weisst das wichtigste: Der Führer und seine Mannschaft in Nordkorea sind atomar bewaffnet! Und das ist es was zählt. Das ist es was die Grossmächte mit sehr gegenseitigem Interesse immer wieder an den Verhandlungstisch „zwingt“, um mit der Regierung Nordkoreas zu verhandeln. Verhandeln über Hilfe für das Land. Dann werden die Toren wieder geöffnet. Um die Hilfslieferung reinzulassen. Dann werden die Toren wieder hermetisch abgesperrt. Nichts ausser pompös/erdrückenden Bildern über eine „jubelnde“ Masse, die sich eingefroren in geometrischen Formen bewegt, und die sich wiederkehrende Berichte über das Atompotenzial des Landes, dürfen nach „aussen“ gelangen.
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