Führungsanspruch in EU: Kauder bringt Briten gegen Deutschland auf

Die Großbritannien-Schelte von Unionsfraktionschef Kauder sorgt für Ärger auf der Insel: Berlin und London hätten sich in der Euro-Krise völlig zerstritten, heißt es in der "Times". Das Treffen zwischen Kanzlerin Merkel und Premier Cameron am Freitag könnte ungemütlich werden.

Foto: DPA

London/Berlin - Volker Kauder ist jetzt ein bekannter Mann in Großbritannien - aber beliebt ist der Unionsfraktionschef im Bundestag auf der Insel wohl nicht.

"Nur den eigenen Vorteil suchen zu wollen und nicht bereit sein, sich auch einzubringen - das kann nicht die Botschaft sein, die wir den Briten durchgehen lassen", hatte Kauder auf dem CDU-Parteitag in Leipzig gesagt und damit Großbritanniens Widerstand bei einer EU-weiten Finanztransaktionssteuer kritisiert. Die Briten seien zwar nicht Mitglied der Euro-Währungsunion, würden aber als EU-Mitglied "auch eine Verantwortung für das Gelingen in Europa" tragen.

Kauder hat es mit seinem Vorstoß am Mittwoch in viele britische Medien geschafft. "Controversial claim", lautet die Reaktion der "Daily Mail" auf Kauder - eine umstrittene Forderung also. Großbritannien und der Rest der EU sollten sich offenbar fügen und dem Willen Deutschlands folgen. Kauders Vorstoß werde für Ärger vor allem bei euroskeptischen Konservativen sorgen. Die "Times" schreibt bereits offen von einem Streit zwischen London und Berlin.

Der eurokritische Tory-Abgeordnete warnte der Zeitung zufolge vor einem Europa, wie es sich Deutschland vorstelle: Die Regierung in Berlin wolle einen "geschlossenen wirtschaftlichen und politischen Block" schaffen, es sei jetzt die Gelegenheit für Großbritannien, den "europäischen Sumpf" zu verlassen. Die Briten seien entsetzt über das, was sich in Europa abspiele.

"Befugnisse zurückholen"

Zuletzt hatte sich auch Großbritanniens Premier David Cameron ausgesprochen europaskeptisch geäußert. Es gebe jetzt die Gelegenheit, "die EU so neu zu gestalten, dass sie die Interessen unserer Nation, aber auch der übrigen 26 Nationen, besser erfüllt. Und in Großbritanniens Fall auch die Möglichkeit, Befugnisse zurückzuholen, statt sie weiter wegdriften zu sehen", hatte Cameron am Montagabend in London gesagt.

Der Vorstoß sorgt für Ärger innerhalb der britischen Regierung: Nick Clegg, stellvertretender Premierminister und Vorsitzender der Liberaldemokraten, warnte Cameron, dass die Bürger nicht verstehen würden, wenn das Land inmitten der ökonomischen Krise EU-Verträge ändern wolle. Dies würde die Tür für "Populisten, Chauvinisten und Demagogen" öffnen, sagte Clegg.

Die deutsch-britischen Irritationen dürften schon bald ein Thema zwischen Cameron und Kanzlerin Angela Merkel werden: Am Freitag wird Cameron zu Konsultationen in Berlin erwartet. Und Merkel hat klare Forderungen an Großbritannien: Die Kanzlerin will, dass London nicht die gewünschte Reform des EU-Vertrags blockiert und bei der Finanztransaktionssteuer mitzieht.

hen/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 157 Beiträge
slider 16.11.2011
SPON: "Führungsanspruch in EU: Kauder bringt Briten gegen Deutschland auf", kein Wunder ab 05.45 Uhr wird in Europa Kauderwelsch gesprochen !
SPON: "Führungsanspruch in EU: Kauder bringt Briten gegen Deutschland auf", kein Wunder ab 05.45 Uhr wird in Europa Kauderwelsch gesprochen !
allereber 16.11.2011
Alles was deutsch ist,ist für die Briten kauderwelsch.
Zitat von sysopDie Großbritannien-Schelte von Unionsfraktionschef Kauder sorgt für Ärger auf der Insel: Berlin und London hätten sich in der Euro-Krise völlig zerstritten, heißt es in der "Times". Das Treffen zwischen Kanzlerin Merkel und Premier Cameron am Freitag könnte ungemütlich werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,798134,00.html
Alles was deutsch ist,ist für die Briten kauderwelsch.
knobel 16.11.2011
Die Briten werden sich klugerweise aus dem Projekt Europa zurückziehen. Egal was Obelix sagt, in diesem Fall spinnen sie nicht, die Briten. Auch andere Länder wie Norwegen, Schweden und Dänemark werden zurecht zusehen, dass sie [...]
Die Briten werden sich klugerweise aus dem Projekt Europa zurückziehen. Egal was Obelix sagt, in diesem Fall spinnen sie nicht, die Briten. Auch andere Länder wie Norwegen, Schweden und Dänemark werden zurecht zusehen, dass sie Distanz zu diesem Desaster halten. Die sind ja auch nicht bescheuert.
Tastenhengst 16.11.2011
Unsere regierung hat mal wieder recht. Europa, d.h. der subventionszirkus, ist der garant für frieden. Das sollte und ist uns viel geld wert. Deswegen ist es völlig angebracht, unfrieden zu stiften. Wir in deutschland sind stolz [...]
Unsere regierung hat mal wieder recht. Europa, d.h. der subventionszirkus, ist der garant für frieden. Das sollte und ist uns viel geld wert. Deswegen ist es völlig angebracht, unfrieden zu stiften. Wir in deutschland sind stolz auf unsere regierung.
Spinatwachtel 16.11.2011
Kann man diesen unsäglichen Wadlbeisser denn nicht zurückpfeifen?
Zitat von sysopDie Großbritannien-Schelte von Unionsfraktionschef Kauder sorgt für Ärger auf der Insel: Berlin und London hätten sich in der Euro-Krise völlig zerstritten, heißt es in der "Times". Das Treffen zwischen Kanzlerin Merkel und Premier Cameron am Freitag könnte ungemütlich werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,798134,00.html
Kann man diesen unsäglichen Wadlbeisser denn nicht zurückpfeifen?
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Euro-Krise

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Mittwoch, 16.11.2011 – 11:11 Uhr
  • Drucken Versenden Feedback
  • Kommentieren | 157 Kommentare

Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Fakten zur Euro-Zone

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil





TOP



TOP