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Fünf Monate Besetzung: Polizei nimmt mexikanische Stadt ein

Mit Panzerfahrzeugen, Wasserwerfern und Tränengas hat die mexikanische Bundespolizei die Innenstadt von Oaxaca wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Die City war fünf Monate lang von Demonstranten besetzt worden, um den Rücktritt des Gouverneurs zu erzwingen.

Oaxaca - Mexikanische Sicherheitskräfte rückten aus verschiedenen Richtungen nach Oaxaca ein und rissen Straßensperren und Zelte der Demonstranten nieder. Diese setzten sich mit Steinen, Schlagstöcken und Molotow-Cocktails zum Teil heftig zur Wehr. Nach ersten Informationen wurden zwei Menschen getötet und mehrere verletzt. Zahlreiche Autos und Reifen gingen in Flammen auf. In der Nacht zu Montag zogen sich die Aufständischen aus dem Stadtzentrum zurück.

Demonstrantin kontra Polizei: Wasserwerfer und Tränengas
REUTERS

Demonstrantin kontra Polizei: Wasserwerfer und Tränengas

Nach Behördenangaben nahmen an der Aktion 4500 Polizisten teil. Insgesamt sind rund 9000 Mann der Sicherheitskräfte im Einsatz. Die Truppen sollen solange in der Stadt bleiben, bis die Ordnung wieder vollständig hergestellt ist. Innenminister Carlos Abascal sprach von einem Erfolg der Aktion gegen die Aufrührer der "Volksversammlung von Oaxaca" (APPO). Etwa 50 Mitglieder der APPO seien festgenommen worden.

Die APPO und andere linke Organisationen hatten Ende Mai einen Streik der Lehrer benutzt, um den Rücktritt des Gouverneurs Ulises Ruiz zu erzwingen. Sie hatten die Stadt seitdem lahmgelegt. Die APPO wirft Ruiz Wahlbetrug und Einschüchterung von Dissidenten vor.

Die Hauptstadt des gleichnamigen mexikanischen Südstaates ist erstmals seit fünf Monaten wieder in den Händen staatlicher Organe. Allerdings kündigte die APPO an, ihren Protest gegen Gouverneur Ulises Ruiz trotz des massiven Einsatzes der Sicherheitskräfte fortzusetzen.

Bei den Todesopfern handelt es sich nach einem Bericht der Internetzeitung "e-consulta" um einen 15-jährigen Jungen und einen 34-jährigen Lehrer, der durch einen Messerstich zu Tode gekommen sei.

Der mexikanische Präsident Vicente Fox hatte die Bundespolizei am Samstag nach Oaxaca entsandt, nachdem bei Schießereien am Vortag drei Menschen getötet worden waren, darunter ein Journalist aus den USA. Bis dahin waren sämtliche Verhandlungen des Innenministerium mit den Vertretern der APPO erfolglos geblieben. Die Lehrer hatten jedoch beschlossen, ihren Streik zu beenden und an diesem Montag den Unterricht wieder aufzunehmen.

smv/dpa/AP

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