Russische Fußballklubs in der Krise Zwei Siege, drei Pleiten

Russland ist im WM-Fieber, nachdem die Nationalmannschaft auch ihr zweites Vorrundenspiel gewonnen hat. Der Ligabetrieb hingegen darbt - bereits dem dritten Profiklub wurde die Lizenz entzogen.

Spieler von Amkar Perm
imago/ ITAR-TASS

Spieler von Amkar Perm

Von Maxim Kireev


Während sich die Fans der russischen Nationalmannschaft gestern noch in den Armen lagen, schlägt schon bald die bittere Realität des russischen Vereinsfußballs zurück. Mit Amkar Perm hatte kürzlich bereits der dritte Verein aus der Premjer Liga die Lizenz des Russischen Fußballverbandes für die beiden ersten Ligen verloren. Statt eines Zwangsabstiegs in die dritte Liga beschloss die Vereinsleitung nun, FK Amkar in Gänze zu liquidieren - zu hoch sind die Schulden.

Seit fast 15 Jahren hat der 1995 gegründete Club ununterbrochen in der höchsten russischen Klasse gespielt und rangierte stets im mittleren Tabellenbereich. Die Probleme begannen, als die Regierung der Region ihre Zuschüsse für den Klub drastisch kürzte. Fast die Hälfte der Einnahmen von Amkar stammten aus dem regionalen Budget. Dabei ist das Gebiet Perm selbst verschuldet. Etwa 130 Millionen Euro fehlen in den Kassen. Das klingt nach nicht viel Geld, doch auch die jährlichen Einnahmen der Region von gerade einmal 1,5 Milliarden Euro erlauben keine besonders großen Sprünge.

Vor Amkar hat es in den vergangenen Wochen bereits den seit 1928 bestehenden FK Kuban aus Südrussland und die Überraschungsmannschaft FK Tosno aus dem Petersburger Umland erwischt. Erst in der vergangenen Saison holte der von geldschweren Baulöwen finanzierte Retortenclub Tosno den russischen Pokal.

All diese Vereine eint, dass sie finanziell schwer abhängig waren - ob nun von privaten Sponsoren, die zugleich Besitzer der Klubs sind, oder von Zuschüssen aus öffentlichen Kassen. Nicht selten floss ein Teil des Geldes in die Taschen korrupter Beamter zurück.

Erst vor wenigen Wochen wurde die Sportministerin der Region Kuban verhaftet. Sie soll dem gleichnamigen Verein illegal Zuschüsse in Höhe von 12 Millionen Euro zugewiesen haben. Fernsehrechte, die nach einer Untersuchung der Beratungsgesellschatft PWC 30 bis 40 Prozent der Einnahmen europäischer Clubs ausmachen, steuern in Russland dagegen im Schnitt nur vier Prozent der Einnahmen bei.



insgesamt 4 Beiträge
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fritze_bollmann 20.06.2018
1. ohne Moos nichts los...
Na vielleicht erzählt uns Maksim Kirejew mal was über die Gehälter (und Schulden) der russischen Fußballspieler oder gibt es so etwas nicht...
ympertrymon 20.06.2018
2. Logische Konsequenz ...
... wenn man kein tragfähiges Finanzierungskonzept hat, fällt das Unternehmen eben in sich zusammen, das lernt jedes kleine Startup. Dass hier auf solche Art sogar Titel erkauft werden können, während sauber wirtschaftende Vereine in der Regel oben nicht mithalten können, das ist der eigentliche Skandal.
tappi82b 20.06.2018
3. Da muss sich doch etwas finden lassen...
wenn die ach so miserablen russischen Fussballer gleich zweimal hintereinander gewinnen, während unseren Quasi - Weltmeistern ein frühes "Aus" droht, muss natürlich Mitleid geheuchelt werden mit Regionalclubs, die in finanzieller Schieflage sind, weil sie permanent Förderung verlangen, während wichtigere Dinge nicht finanziert werden können. Als ob es bei uns immer Geld regnet, wenn Clubs Pleite sind. Immer die gleiche arrogante Meckerei! Beschämend!
smokiebrandy 21.06.2018
4. Also der Entzug der Lizenz ...
... das gibt es also nur in der russischen Liga? Und Geld stecken sich nur dort die Bosse der Vereine in die Taschen? Steile These...
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