Fußball Merkel streitet mit Blatter über WM in Katar

Fifa-Präsident Blatter beschuldigt Deutschland und Frankreich: Sie hätten Einfluss auf die Vergabe der WM 2022 in Katar genommen. Kanzlerin Merkel weist die Vorwürfe entschieden zurück.

Fifa-Boss Blatter, Kanzlerin Merkel: Streit um die WM in Katar
DPA

Fifa-Boss Blatter, Kanzlerin Merkel: Streit um die WM in Katar


Berlin - Deutschland und Frankreich sollen mit ihrem politischen und wirtschaftlichen Druck dafür gesorgt haben, dass Katar den Zuschlag für die Fußball-WM 2022 erhält. Diese Darstellung verbreitet jedenfalls Fifa-Präsident Sepp Blatter.

Angela Merkel lässt den Vorwurf entschieden zurückweisen: "Ich kann für die Bundeskanzlerin hier nur ganz klar sagen, dass es zu keiner Zeit eine Empfehlung an ein deutsches Fifa-Exekutivmitglied gegeben hat, eine Stimme für eine Wahl Katars als Ausrichtungsort abzugeben", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

Auch Franz Beckenbauer wies die Vorwürfe des Fifa-Bosses zurück: "Ich weiß nicht, wie er darauf kommt", sagte Bayerns Ehrenpräsident dem TV-Sender Sky. "Ich habe weder Druck gespürt noch Druck auf meine Kollegen gespürt."

"Frankreich und Deutschland haben Druck gemacht"

Beckenbauer war als damaliges Exekutivmitglied am Votum über die WM-Gastgeber 2018 und 2022 beteiligt, hat aber sein Stimmverhalten bisher nicht offengelegt. Katar hatte sich bei der Bewerbung um die WM 2022 mit 14:8-Stimmen gegen die USA durchgesetzt.

Blatter hatte als Reaktion auf Berichte über Menschenrechtsverletzungen und massive Missstände auf den Baustellen im Golf-Emirat die Verantwortung auf Deutschland und Frankreich geschoben. "Zwei der Länder, die Druck auf die Wahlmänner in der Fifa gemacht haben, waren Frankreich und Deutschland", so Blatter. "Sie sollen erklären, was sie von der Situation halten. Es ist leicht zu sagen, alle Verantwortung liegt bei der Fifa - nein, nein."

Die großen Baufirmen, die in Katar aktiv sind und alle aus Europa stammen, seien auch für ihre Arbeiter verantwortlich, fügte er hinzu. Detaillierte Angaben über den Umfang der Aufträge oder gar Firmennamen lieferte Blatter allerdings nicht.

Das EU-Parlament will voraussichtlich im Frühjahr 2014 eine Delegation an den Golf schicken. Bereits in der vergangenen Woche hatten die Europa-Abgeordneten den WM-Ausrichter zur Vermeidung von Zwangsarbeit und Sklaverei aufgefordert. Zudem plant der Menschenrechtsausschuss im EU-Parlament eine Anhörung zur Causa Katar, an der Vertreter der Fifa, der Europäischen Fußball-Union (Uefa) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) teilnehmen sollen.

syd/dpa

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insgesamt 96 Beiträge
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Seite 1
RioTokio 25.11.2013
1.
Zitat von sysopDPAFifa-Präsident Blatter beschuldigt Deutschland und Frankreich: Sie hätten Einfluss auf die Vergabe der WM 2022 in Katar genommen. Kanzlerin Merkel weist die Vorwürfe entschieden zurück. http://www.spiegel.de/politik/ausland/fussball-wm-2022-angela-merkel-bestreitet-einflussnahme-fuer-katar-a-935574.html
Netterweise sind wir nicht alleine "schuld". Die Franzosen sind auch noch schuld. Der satte Herr aus der Schweiz hat mit der Vergabe natürlich nichts zu tun. Es ist ja total bekannt, dass insbesondere Deutschland über die Aurichtung von internationalen Sportereignissen entscheidet. Unser Interesse ist es selbstverständlich, dass Wüstenstaaten mit angenehmen 40 -50° Temperatur die Spiele austragen. Demnächst organisieren wir die Winterolympiade in der Wüste Gobi. Ist ja naheliegend, denn München ist ja aus dem Rennen...
teekesselchen 25.11.2013
2.
also, 1. kann ich mir nicht vorstellen, das Deutschland und Frankreich sowas tun sollten und 2. ist Blatter doch der Chef von diesem Verein wo alles nur durch Mauscheleien entschieden wird. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass die Katar Entscheidung gegen seinen Willen war.
UnitedEurope 25.11.2013
3. Titellos
Der Artikel dazu auf SZ.de ist da etwas ausführlicher. Er legt dar, wie Sarkozy, Platini und Wulff den Emir hofiert haben. Ausserdem sprang für Beckenbauer auch ein netter Posten bei Gazprom raus, genau so wie auch Platinis Sohn bei einer katarischen Staatsholding einen lukrativen Job "ergattern" konnte. Fußball ist genau so politisch wie Olympia. Eigentlich sollten man den Mist boykottieren, wie es die Münchner vorgemacht haben.
klobi 25.11.2013
4. Wortklauber Seifert
"...dass es zu keiner Zeit eine Empfehlung an ein deutsches Fifa-Exekutivmitglied gegeben hat..." - aus welcher Nation waren denn die Exekutivmitglieder an die es eine Empfehlung seitens der BK gegeben hat?
denk-mal-nach123 25.11.2013
5. Blatter?
Eine weitere Episode aus der mafiösen, aber gestzlich legalen, FIFA-Organisation. Unglaublich wie der Kerl sich verhält und keinerlei Verantwortung übernimmt, Hauptsache Kasse passt.
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