Zwangsarbeit in Katar Nordkoreaner schuften als Staats-Sklaven auf Baustellen

Exportschlager Mensch: Nordkorea schickt im großen Stil Arbeiter nach Katar. Von ihrem Gehalt sehen die Beschäftigten kaum etwas - das meiste kassiert die Regierung in Pjöngjang. Menschenrechtsorganisationen sprechen von "moderner Sklaverei".

Gastarbeiter in Katar: Nordkorea kassiert mit ab
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Gastarbeiter in Katar: Nordkorea kassiert mit ab


Tausende von Wanderarbeitern aus Nordkorea schuften seit Jahren auf Baustellen in Katar - praktisch ohne Bezahlung. Sie werden in den neuen Vierteln eingesetzt, die 2022 das Herzstück der umstrittenen Fußball-WM bilden sollen. Nach einem Bericht des "Guardian" sind die Männer so etwas wie "staatlich geförderte" Sklaven. "Wir sind hier, um Devisen für unsere Nation zu verdienen", sagte ein nordkoreanischer Arbeiter der Zeitung.

Die Gastarbeiter verbringen in der Regel drei Jahre in dem Golf Emirat. Bei ihrer Rückkehr nach Nordkorea erwarten sie, das volle Gehalt ausbezahlt zu bekommen. Doch nach einer Reihe von Zeugenaussagen erhalten die Arbeitnehmer meist weniger als zehn Prozent ihres mühsam erarbeiteten Verdienstes. Ihr Aufenthalt in Katar dient lediglich dem Regime. Dieses beschafft sich durch die Zwangsarbeiter neue Devisen.

Nordkoreas Wirtschaft ist isoliert und gehört zu den schwächsten der Welt. Das nordkoreanische Regime unter der Führung von Kim Jong Un sieht sich derzeit internationalen Sanktionen ausgesetzt. Diese haben zum Ziel, die Regierung in Pjöngjang zur Aufgabe des Atomprogramms zu zwingen.

Die Gastarbeiter kämpfen mit dem beißenden Wüstensand

In der weitläufigen Baustelle von Lusail City, wo die Nordkoreaner eingesetzt werden, nördlich der Hauptstadt Doha, seien vier Großbaustellen, sagte ein nordkoreanischer Arbeiter. In der Planstadt soll 2022 auch das WM-Finale stattfinden.

Die Nordkoreaner kämpfen schwer mit dem beißenden Wüstensand und arbeiten von früh morgens bis spät in der Nacht. Sie sind auch dann noch auf der Baustelle, wenn die Kollegen anderer Nationen sie längst verlassen haben, heißt es.

"Sie haben keinen einzigen Riyal für sich" und "leihen sich von uns Geld falls sie Kleinigkeiten wie Zigaretten benötigen", berichtete ein Projektmanager. Aidan McQuade, Direktor von Anti-Slavery International, der ältesten Menschenrechtsorganisation der Welt, sprach von "moderner Sklaverei".

Bis zu 65.000 Nordkoreaner arbeiten im Ausland

Schätzungen zufolge arbeiten in Katar mehr als 3000 Nordkoreaner. Sie sind Teil einer weltweiten Armee von Arbeitern des nordkoreanischen Regimes, um dringend benötige Devisen heranzuschaffen. Bis zu 65.000 Nordkoreaner arbeiten im Ausland, überwiegend in Russland, China, der Mongolei und im Nahen Osten.

Kim Joo-Il, ein im Jahr 2005 geflüchteter Armeeoffizier aus Nordkorea, schätzt, dass die Regierung etwa 70 Prozent des Gehalts der Arbeiter im Ausland kassiert. Nach Abzug der fiktiven Kosten für Essen und Unterkunft sollen den Arbeitern lediglich noch zehn Prozent bleiben.

Zwei Mitarbeiter der vom nordkoreanischen Staat geführten Rekrutierungszentren in Katar bestätigten, dass die Arbeiter ihre Gehälter nicht persönlich erhalten. Ein Teil des Geldes würde den Familien in Nordkorea geschickt, hieß es dort.

Die Situation von Gastarbeitern hatte sich zuletzt verbessert

Das Vorgehen der Regierung um Kim Jong Un zur Devisenbeschaffung ist kein großes Geheimnis. Vor wenigen Monaten hatte das US-Außenministerium die Behandlung ausländischer Arbeiter kritisiert, die für das Regime Fremdwährungen verdienten. In der Stellungnahme war auch von "Zwangsarbeit, Überwachung, Drohungen und Repressalien", seitens Nordkoreas die Rede.

Die Situation von Gastarbeitern in Katar hatte sich zuletzt verbessert, nachdem im vergangenen Jahr der "Guardian" über zahlreiche Todesfälle und Missbrauch der Menschen auf den Baustellen berichtet hatte. Im Mai dieses Jahres hatte das Emirat eine Reihe von Reformen angekündigt, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter zu verbessern.

Ein Sprecher des Ministeriums für Arbeit und Soziales sagte: "Wir nehmen alle Fragen rund um die Bezahlung der Arbeiter sehr ernst. Derzeit seien 2800 nordkoreanische Gastarbeiter in Katar registriert, Beschwerden über ihre Bezahlung oder Behandlung liegen uns nicht vor. Katar ist entschlossen, die Arbeitsbedingungen für alle, die im Land arbeiten, zu verbessern."

Korrektur: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, ..."nördlich der Hauptstadt Katar...". Richtig muss es natürlich heißen, "...nördlich der Hauptstadt Doha...". Der Fehler ist korrigiert, wir bitten ihn zu entschuldigen.

mhu

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insgesamt 119 Beiträge
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Freidenker10 08.11.2014
1.
Was solls... Hauptsache wir sehen "Die Spiele" und werden unterhalten...Auf die paar Sklaven aus Nordkorea kommts auch nicht mehr an. Blatter kann sich, ein paar Verwante und seine greisen Funktionäre bezahlen, wen interessieren da ein paar Tote oder Sklaven? Ach ja, ein Werbevertrag mit Quatar Airways springt ja auch noch raus, also alles fein!
ex2012 08.11.2014
2. Menschenrechte und Militäreinsatz
Wie wäre es nach Eingriff in Irak und Syrien und Niederschlagung des IS über einen Militäreinsatz in Nordkorea nachzudenken? Dort mag es vielleicht kein Öl oder sonstige Rohstoffe oder strategische Interessen geben, allerdings geschehen dort Menschenrechtsverletzungen in gravierendem Ausmaß und man könnte überlegen, ob es nicht geboten ist, hier endlich einzugreifen.
DeutscherimAusland 08.11.2014
3. Das ist nur die Spitze des
einige asiatische- und / oder mittelasiatische Staaten dulden den Einsatz dieser "Billig-Arbeitskraefte" in weitaus groesserer Anzahl, als im o.g. Artikel. Lohn pro AK $ 380,-USD abzueglich $80,- fuer Versorgung u. Unterkunft!. Abzueglich $100,- USD fuer den Vermittler (jeden Monat!), der Rest geht nach NoKo. Wieviel bei den Familien ankommt?? Keine Ahnung!!! Aber so laeuft es, und das nicht erst seit gestern!!!
t dog 08.11.2014
4. Augen zu FIFA
Nach der Unterstützung des IS, Drohnenangriffen in Lybien, jetzt noch mehr Sklaven als vorher auch schon. Passt ins Bild, welches die Weltöffentlichkeit von Katar hat. Fussball WM in Katar wir kommen!
rudi.waurich 08.11.2014
5. Komisch!
Mitte der 1980er Jahre haben südkoreanische Konzerne Zehntausende von Arbeitern nach Libyen geflogen, um dort am Man Made River Project von Muammar al Gaddhafi zu arbeiten. Da hat sich kein Mensch drüber aufgeregt. http://de.wikipedia.org/wiki/Great-Man-Made-River-Projekt (Manche nannten es auch Mad Man River :) )
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