Demonstration in São Paulo Tausende Brasilianer protestieren gegen Fußball-WM

Drei Wochen vor dem WM-Eröffnungsspiel haben Tausende Brasilianer gegen die hohen Kosten für das Turnier protestiert. Anders als vorherige Kundgebungen verlief die Demonstration in São Paulo friedlich.

Protest in São Paulo: "Fifa Go Home"
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Protest in São Paulo: "Fifa Go Home"


São Paulo - Tausende Menschen haben in São Paulo gegen Wohnungsnot, Immobilienspekulationen und die hohen Kosten für die Fußball-WM protestiert, die in drei Wochen beginnt. Nach Polizeiangaben gingen rund 15.000 Anhänger der Bewegung obdachloser Arbeiter (MTST) auf die Straße. Die Organisatoren selbst sprachen sogar von mehr als 30.000 Teilnehmern.

"Wir sind hier, um gegen die hohen Kosten zu protestieren, denn wir haben keine Wohnungen und kein Gesundheitswesen", sagte MTST-Mitglied Luiz Giovani. Die Demonstranten forderten vor allem bessere öffentliche Dienstleistungen.

Kritisiert wurde auch der Welt-Fußballverband: "Fifa, geh' nach Hause", hieß es auf Transparenten. Nachdem sich bei Demonstrationen gegen die WM zuletzt mehrfach Protestgruppen Ausschreitungen und Zusammenstöße mit der Polizei geliefert hatten, blieb die Kundgebung dieses Mal friedlich. In São Paulo findet am 12. Juni das Eröffnungsspiel Brasilien gegen Kroatien statt.

Brasilien wird seit Mitte vergangenen Jahres von sozialen Protesten erschüttert, bei denen die hohen Kosten für die Fußball-WM und die 2016 anstehenden Olympischen Spiele in Rio de Janeiro kritisiert werden. Die Demonstranten werfen der Regierung vor, viel Geld in die Prestigeprojekte zu stecken und wichtige andere Aufgaben zu vernachlässigen. Zudem kommt es immer wieder zu Streiks bei der Polizei, im Nahverkehr und im Bildungswesen. Am Dienstag hatten Busfahrer und Schaffner die Arbeit niedergelegt und für einen Rekordstau in São Paulo gesorgt.

Die Kosten für die Fußball-WM 2014 belaufen sich auf etwa elf Milliarden Euro.

syd/sid/AFP/dpa

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insgesamt 18 Beiträge
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ichbininrente 23.05.2014
1. Schön,daß es
auf dieser Welt noch Menschen gibt, die vorrangig die Lösung der sozialen Verhältnisse fordern statt n u r Fuß- ball zu machen die Unsummen an Geld kosten.
rimaldo 23.05.2014
2. Populistische Demos
Man soll sich mal ansehen, wer dort demonstriert. Ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung, aber nicht die Bewohner der Favelas, welche seit Jahrzehnten in Sao Paulo immer weniger werden. Die Kosten der WM sind aufgrund von Korruption tatsächlich zu hoch, aber das meiste Geld des riesigen Haushalts Brasiliens geht für Verteidigung, Bildund und Sozialauafaben raus.
aljoschu 23.05.2014
3. Politische Klugheit und wahrer Europa-Patriotismus
Ja, Frau Merkel, Herr Gauck, Herr Steinmeier, planen Sie jetzt zu den großen Fußball-Events der deutschen Mannschaft nach Brasilien zu fahren - oder bleiben Sie - aus Anstand und Political Correctness - zu Hause? Warum sind Sie eigentlich nicht nach Sotchi gefahren? Weil Putin Homosexuelle verfolgen lässt? Weil er zugelassen hat, dass verbrecherische Oligarchen oder Pussy Riots Girls eingesperrt werden? Oder weil man Ihnen aus Washington signalisiert hat, dass es momentan nicht opportun wäre, dem russischen Präsidenten die Gunst eines Besuchs anzutun, weil man ja mit der Ukraine ganz andere Pläne habe? In Brasilien wird ein großes Spektakel der Reichen und Arrivierten inszeniert - unter striktem Ausschluss einer breiten Mehrheit der Bevölkerung. Dort gibt der Staat Milliardenbeträge für ein gigantisches Medienereignis aus, während viele Menschen keine Bleibe haben oder in Favelas wohnen müssen. Wäre es nicht ein Zeichen politischer Klugheit und moralischer Integrität, wenn Sie jetzt erklärten, dass Sie nicht nach Brasilien fahren werden? Oder ist Ihr Weltbild zweigeteilt: in die bösen Bösen auf der einen Seite, die man propagandistisch verunglimpfen, politisch isolieren und militärisch einkreisen muss - und die guten Bösen auf der anderen Seite, die man - trotz aller starken inneren Skrupel und moralischen Vorbehalte - eben doch in ihren Schweinereien gewähren lässt und sie weiterhin mit finanziellen, politischen und militärischen Mitteln unterstützt. Ja, das ist das Weltbild und die politisch gewollte Sicht unseres Großen Bruders jenseits des Atlantik. Und dort wird auf Basis dieses rein machtpolitischen Interesses gigantisch viel Geld verdient - von sehr, sehr wenigen Leuten - und andererseits sehr, sehr viel Unheil in der Welt angerichtet. So wie gerade jetzt in der Ukraine. Wäre es nicht ein Zeichen politischer Klugheit und im Sinne eines wahrer Europa-Patriotismus, wenn Sie gemeinsam diese unilaterale, interessengesteuerte und aggressive Weltsicht ablegen würden, um Russland und seine Menschen wieder nach Europa zurück zu holen? Setzen Sie ein Zeichen!
Wunderläufer 23.05.2014
4. Asoziale Veranstaltung
Vor dem Hintergrund der enormen sozialen Probleme im Land ist eine Veranstaltung, die 11 Milliarden Euro kostet, eine durch und durch asoziale Veranstaltung
Steuerbürger Auspressen 23.05.2014
5. Die WM der VIP-Lounges, Bauunternehmer...
...Rechtsanwälte, Spekulanten und Lobby-Politiker und der ihnen angeschlossenen Funktionäre. Die Armen werden ausgeschlossen, können sich die Eintrittskarten nicht leisten. Die Milliarden der FIFA fehlen im Bereich Bildung und Infrastruktur. Die FIFA ist ein unkontrolliertes, dubioses Machtzentrum mit Vereinsstatus, daß Milliarden bunkert, ohne das Rechenschaft abgelegt werden muss. Dagegen ist jede Revolte verständlich.
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