G-8-Gipfel: Russische Behörden nehmen mehr als 200 Globalisierungsgegner fest

Massenfestnahmen vor dem G-8-Gipfel in St. Petersburg: Die russischen Behörden haben mehr als 200 Globalisierungsgegner verhaftet, unter ihnen sind auch zwei Deutsche. Die Bundesregierung reagierte verärgert.

St. Petersburg - Vor Beginn des G-8-Gipfels in St. Petersburg greifen die russischen Behörden hart gegen potenzielle Gipfel-Gegner durch. Ein Mitveranstalter der Proteste teilte heute mit, mehr als 200 Globalisierungsgegner seien festgenommen worden. Rund 200 Aktivisten seien bereits auf der Anreise in Haft genommen worden, weitere 30 in St. Petersburg. Die russischen Behörden haben angekündigt, dass sie Störungen des Gipfeltreffens wie 2001 in Genua oder im vergangenen Jahr in Schottland nicht zulassen wollten. Die Bundesregierung reagierte verärgert auf die Verhaftung zweier Deutscher.

Globalisierungsgegner in einem Stadion bei St. Petersburg: Massenfestnahmen auf der Anreise
REUTERS

Globalisierungsgegner in einem Stadion bei St. Petersburg: Massenfestnahmen auf der Anreise

Die Polizei in St. Petersburg machte keine Angaben zu Festnahmen von Globalisierungsgegnern. Es gebe täglich Festnahmen von Personen wegen Verstößen gegen die Aufenthaltsbestimmungen, sagte ein Sprecher. Es könne nicht ermittelt werden, wie viele potenzielle Teilnehmer an Protestveranstaltungen sich unter diesen befänden.

Die Behörden genehmigten nur eine einzige Protestkundgebung zum G-8-Gipfel, in einem alten Stadion auf einer schwer zu erreichenden Insel, rund 20 Kilometer vom Konferenzort entfernt. Dort versammelten sich bis gestern Abend etwa 100 Teilnehmer. In den vergangenen Tagen haben Mitglieder von Oppositionsgruppen den Behörden vorgeworfen, Aktivisten aus Zügen geworfen, körperlich angegriffen und mit willkürlichen Begründungen verhaftet zu haben.

Solche Aktionen könnten nur als Staatsextremismus bezeichnet werden, kritisierte der Direktor der russischen Organisation für Menschenrechte, Lew Ponomarjew. Seine Organisation habe deswegen eine Klage beim Generalstaatsanwalt eingereicht. Die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen verurteilte heute das Vorgehen der Polizei gegen drei Journalisten aus Deutschland. So sei ein Korrespondent des Magazins "Focus" attackiert worden, weil er einen Angriff von Polizisten auf Globalisierungsgegner mit seiner Handy-Kamera festhalten wollte.

Zwei studentische Reporter für das Bielefelder Universitätsradio Hertz 97,8 seien wegen Urinierens in der Öffentlichkeit zu zehn Tagen Haft verurteilt worden. Die Organisation forderte die sofortige Freilassung der Studenten, die das Vergehen bestreiten. Die Bundesregierung zeigte sich über die Verhaftung der Studenten verärgert. "Das wird die Russen sicher zurückwerfen in dem, was sie gerne als ihr Bild zeichnen würden", hieß es heute aus Regierungskreisen in Berlin. Es sei "höchst bedauerlich", dass es immer wieder zu solchen Rückschritten komme.

Außenamtssprecher Jens Plötner wies heute darauf hin, dass das deutsche Generalkonsulat in St. Peterburg für den Prozess einen Verteidiger und einen Dolmetscher besorgt habe. Gestern seien die beiden Deutschen von einem Mitarbeiter der Vertretung in der Haftanstalt besucht worden. Sie würden auch weiterhin konsularisch betreut.

phw/AP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback