G-8-Umfeld EU will Milliarden-Fonds gegen Hunger auflegen

Der erste Tag des G8-Gipfels steht im Zeichen des Kampfes gegen den weltweiten Hunger. Mit einem Aktionsplan wollen die Staats- und Regierungschefs die Lebensmittelkrise lindern. EU-Kommissionspräsident Barroso kündigte einen milliardenschweren Fonds für arme Länder an.


Toyako - Zum Auftakt des Gipfels trafen sich die Staats- und Regierungschefs der acht mächtigsten Staaten der Welt mit sieben Vertretern afrikanischer Staaten sowie der EU, Weltbank, Uno und Afrikanischen Union (AU). Die Hilfe für Afrika und die Hungerkrise sind zentrale Themen des Gipfels auf der nordjapanischen Insel Hokkaido. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die am Morgen am Gipfelort Toyako angekommen war, traf bereits Gastgeber Yasuo Fukada. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy forderte, zur Milderung der globalen Nahrungsmittelkrise Exportbeschränkungen aufzuheben.

Kinder in Mosambik: Merkel warnt vor einem Kollaps von Staaten infolge der Hungerkrise
REUTERS

Kinder in Mosambik: Merkel warnt vor einem Kollaps von Staaten infolge der Hungerkrise

In einem Interview mit der japanischen Zeitung "Yomiuri Shimbun" sagte Sarkozy, er unterstütze den Vorstoß, den bedürftigsten Ländern Zugang zu den Nahrungsmittelüberschüssen der reichen Staaten zu gewähren. Er hoffe, dass der Gipfel der Staats- und Regierungschefs einen entsprechenden Beschluss fassen werde. "Im 21. Jahrhundert müssten wir in der Lage sein, den Planeten zu ernähren", fügte Sarkozy hinzu. Notwendig seien Sofortmaßnahmen, aber auch mittel- und langfristige Lösungen.

Kurz vor Beginn des G-8-Gipfels hatte Merkel die Staats- und Regierungschefs zu verstärkten Anstrengungen gegen die Nahrungsmittelkrise gedrängt. Merkel schickte ein warnendes Schreiben an ihre G-8-Kollegen, in dem sie vor einem Kollaps von Staaten infolge der Hungerkrise warnte.

Merkel hat bereits eine halbe Milliarde Euro Soforthilfe für die Landwirtschaft in Entwicklungsländern zugesagt. Zudem will sie die Entwicklungszusammenarbeit stärker auf das Wassermanagement und die Landwirtschaft zuschneiden und über Standards für die Produktion von Biokraftstoffen diskutieren. Auch den landwirtschaftlichen Einsatz von Gentechnik in armen Ländern unterstützt die Kanzlerin.

Aufgrund steigender Energiekosten, hoher Nachfrage, ungünstiger Wetterbedingungen, verstärkter Biosprit-Produktion und Marktspekulationen sind die Preise für Nahrungsmittel in den vergangenen Monaten weltweit gestiegen. Es wird erwartet, dass die G8 einen umfassenden Aktionsplan zur Krisenbewältigung beschließen wird.

Die EU will einen milliardenschweren Fonds zur Bekämpfung des Hungers auflegen lassen. Eine Milliarde Euro solle der Landwirtschaft und den Bauern in den armen Ländern zugute kommen, sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Rande des G-8-Gipfels. Die EU wolle eine Milliarde Euro aus ungenutzten Agrarsubventionen bereitstellen.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die Vereinigten Staaten auf, die Führungsrolle im Kampf gegen den Klimawandel einzunehmen. "Ich hoffe, die Vereinigten Staaten werden endlich die Führungsrolle übernehmen", sagte er auf dem Weg zum G-8-Gipfel. "Das ist es, was die internationale Gemeinschaft von den Vereinigten Staaten erwartet." Neben der Hilfe für Afrika und der weltweiten Hungerkrise soll auch der Klimawandel ein zentrales Thema des Gipfels auf der nordjapanischen Insel Hokkaido sein.

Im afrikanischen Mali kamen am gestrigen Sonntag mehrere hundert Menschen zu einer G-8-Gegenveranstaltung zusammen. "Die Regierung der G-8-Staaten, sehr industrialisierte Länder, sind am stärksten für den Klimawandel und die internationale Lebensmittelkrise verantwortlich", sagte Organisatorin Barry Arminata Toure bei der Eröffnung in der Stadt Katibougou. Dafür müsse es "verlässliche und dauerhafte" Lösungen geben. Der "Gipfel der Armen" will sich besonders mit der Situation der Frauen und der jungen Menschen auf dem afrikanischen Kontinent befassen.

Druck auf Mugabe soll erhöht werden

An dem Auftaktgespräch in Toyako nahmen die Präsidenten von Äthiopien, Nigeria, Tansania, Ghana, Senegal, Algerien und Südafrika teil. Staatschefs Afrikanischer Staaten sind seit Jahren bei den G-8-Gipfeln zu Gast. Im schottischen Gleneagles hatten die Industriestaaten 2005 zugesagt, die Entwicklungshilfe weltweit bis 2010 um jährlich 50 Milliarden Dollar zu steigern. Die Hälfte des Geldes sollte nach Afrika fließen, was einer Verdoppelung der bisherigen Mittel entspräche. Nach Einschätzung von Hilfsorganisationen liegt die G-8 weit hinter dem Zeitplan für die Erhöhung zurück.

Zum Thema Simbabwe wird es bei dem Gipfel möglicherweise eine separate Erklärung geben. Die Gruppe der Acht erkennt die Präsidentschaftswahl in dem südafrikanischen Land nicht an und will den Druck auf das Regime von Robert Mugabe erhöhen. Die Afrikanische Union hat sich bei ihrem Gipfeltreffen in der vergangenen Woche dagegen mit Kritik zurückgehalten.

asc/AFP/AP/Reuters

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