Korruptionsaffäre Brasiliens Präsident sagt G20-Teilnahme ab

In Brasilien droht Michel Temer wegen Korruptionsvorwürfen der Prozess. Angesichts der Krise hat der Präsident nun seine Reise nach Hamburg abgesagt - ohne Angaben von Gründen.

Brasiliens Präsident Michel Temer
AP

Brasiliens Präsident Michel Temer


Der brasilianische Präsident Michel Temer wird nicht am G20-Gipfel in Hamburg teilnehmen. Die Reise sei abgesagt, teilte der Regierungssitz Palácio do Planalto mit, begründete die Entscheidung jedoch nicht. Mehrere Medien berichteten, Temer wolle aus innenpolitischen Gründen lieber in Brasilien bleiben. Unklar blieb, ob ein anderer brasilianischer Politiker den umstrittenen Präsidenten in Hamburg vertritt.

Innenpolitische Gründe, die Temer von einer Reise abhalten könnten, gibt es genug: Der Präsident ist Teil einer Korruptionsaffäre, am Montag wurde er als erstes amtierendes Staatoberhaupt wegen Korruptionsverdachts angeklagt. Bei seinem Volk ist der Präsident äußerst unbeliebt - nur sieben Prozent glauben, dass er einen guten Job macht. Zudem steckt das Land in einer Wirtschaftskrise.

Ob es zum Verfahren gegen Temer kommt, hängt vom Parlament ab. Dazu müssten zwei Drittel der Abgeordneten für die Aufhebung der Immunität stimmen - also mindestens 342 der 513 Parlamentarier. Temers G20-Absage könnte damit zusammenhängen, dass er die Zeit für Gespräche mit Abgeordneten nutzen will, um sein Amt zu retten.

Der Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot beschuldigt Temer, Schmiergelder angenommen zu haben. Im Gegenzug soll der Präsident zugunsten des Fleischkonzerns JBS Einfluss auf die Wettbewerbsbehörde genommen haben. Es geht um eine Summe von 500.000 Reais, umgerechnet rund 135.000 Euro. Fotos sollen zeigen, wie ein JBS-Direktor einen Koffer mit Bargeld an einen Vertrauten Temers überreicht. Temer wies die Anschuldigungen als "Fiktion" zurück.

Temer hatte 2016 die Macht nach der Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff übernommen. Damals hatte auf eine rasche Absetzung gedrungen, damit er als neuer Präsident am G20-Gipfel in China teilnehmen konnte. Einen Rücktritt hat der Präsident trotz der Skandale bislang ausgeschlossen.

brk/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.