G20-Gipfel in Brisbane US-Präsident Obama nennt russische Aggression Bedrohung für die Welt

Beim G20-Gipfel in Brisbane soll es eigentlich um wirtschaftliche Reformen gehen. Doch der Konflikt Russlands mit der Ukraine überschattet den Auftakt des Treffens. Am Abend trifft die Kanzlerin den russischen Staatschef zum Vieraugengespräch.

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Brisbane - 6000 Polizisten, 20 Staats- und Regierungschefs, Tausende Journalisten und ein Koalabär: In Brisbane hat der G20-Gipfel begonnen. Australien will als Gastgeberland den Schwerpunkt des Treffens nicht von politischen Krisen dominieren lassen. Australiens Regierungschef Tony Abbott sagte vor dem offiziellen Beginn der Konferenz, er würde es gern sehen, "wenn bei unserer Diskussion hier der Fokus auf Fragen der wirtschaftlichen Reformen liegen würde". Am Ende sei es aber natürlich Sache der Teilnehmer, welche Fragen sie auf den Tisch bringen und zur Diskussion stellen.

Vor allem die Konfrontation zwischen der Ukraine und Russland dürfte viele Gespräche der Gipfelteilnehmer bestimmen. Aus russischen Delegationskreisen heißt es, Angela Merkel werde am Samstagabend um 22 Uhr (Ortszeit) den russischen Staatschef Wladimir Putin treffen, voraussichtlich in seinem Hotel. Ein deutscher Regierungssprecher bestätigte dies: "Es wird im Laufe des Abends ein Gespräch der Bundeskanzlerin mit Präsident Putin geben. Der genaue Zeitpunkt wird sich aus dem Ablauf des heutigen Abends ergeben."

Uno-Generalsekretär: "Eine Krise wie im Kalten Krieg"

US-Präsident Barack Obama nutzte eine Rede am Rande des Gipfels, um erneut die "russische Aggression" in der Ukraine zu kritisieren. Sie sei eine "Bedrohung für die Welt". Als Beispiel führte Obama den Absturz der malaysischen Passagiermaschine MH17 vor vier Monaten in der Ostukraine an. Der amerikanische Präsident drückte sein Mitgefühl für die Hinterbliebenen der 38 Australier aus, die dabei ums Leben kamen. Die Verursacher des Unglücks müssten zur Verantwortung gezogen werden.

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G20-Gipfel: Hände schütteln, Koalas knuddeln

Australiens Regierungschef Abbott gibt Putin die Schuld an dem Abschuss der Maschine, weil Russland die Separatisten in der Ostukraine unterstützt. Er forderte schon auf dem Apec-Gipfel eine Entschuldigung von ihm.

Die Europäische Union droht Russland im Ukraine-Konflikt mit neuen Strafmaßnahmen. Europas Staats- und Regierungschefs wollen sich am Sonntag mit US-Präsident Obama treffen und das weitere Vorgehen abstimmen, kündigte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy an. Er forderte die russische Führung um Präsident Wladimir Putin auf, Waffenlieferungen und Verstärkung für die Separatisten in der Ostukraine zu unterbinden. Putin hat bisher eine Beteiligung Russlands an dem Konflikt abgestritten. Auch beim G20-Gipfel sagte ein Sprecher des Kreml erneut: "Wir sind nicht involviert."

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, der Ukraine-Konflikt sei eine Krise "wie im Kalten Krieg", sie bedrohe den Weltfrieden und die Wirtschaft.

Journalisten schießen Selfies mit Koalabär

Für Tausende Journalisten, die sich für den Gipfel akkreditiert haben, heißt es zum Auftakt der Konferenz vor allem warten. Der Pressebereich ist vom eigentlichen Konferenzzentrum komplett abgesperrt. Nur zu ausgesuchten Bildterminen dürfen die Journalisten zu den Politikern. Ansonsten bekommen sie höchstens Fernsehbilder aus dem Konferenzbereich zu sehen.

Zur Unterhaltung der Reporter haben die australischen Gastgeber einen Koalabär ins Pressezentrum geschafft und eine Reptilienschau organisiert. Der Koalabär sitzt in einer Art Topfpflanze und knabbert an grünen Zweigen. Dutzende Journalisten stehen um ihn herum und machen Selfies. Auch IWF-Chefin Christine Lagarde schaute für einen Schnappschuss mit dem Beuteltier vorbei.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker immerhin suchte die Nähe der Journalisten, erstaunlich eigentlich, da der Mann derzeit wegen der Steuerschlupflöcher, die er als luxemburgischer Premier zu verantworten hatte, in der Kritik steht. Doch seine Pressekonferenz war so früh, dass kaum ein Journalist im Medienzentrum war.

Dabei hatte Juncker eine wichtige Nachricht mitgebracht: Die Vertreter der EU-Kommission und die europäischen Regierungschefs bei G20 treffen sich am Sonntag mit US-Präsident Obama, um über das Freihandelsabkommen TTIP zu reden, ein Herzensanliegen auch der deutschen Kanzlerin.

vet/mp/dpa/AP



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insgesamt 259 Beiträge
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blindgaenger 15.11.2014
1. Seit wann sind Handelsabkommen Herzensangelegenheiten?
Also mal in Echt... Wer schreibt denn so einen Quatsch? TTIP eine 'Herzensangelegenheit der Kanzlerin'? Sie sagt ja nicht viel, und das ist in der Politik kein Nachteil. Sie ist auch nicht dumm genug, um NICHT zu wissen, dass das ein Knebelabkommen und das Ende des kleinen Rests euopaeischer Unabhaengigkeit ist.... Und sowas will sie im Namen des deutschen Volkes wie einen Liebesbriefe mit ihrem Namen zieren, weil es doch eine Herzensangelegenhit sein soll? Wer schreibt denn so einen Bloedsinn?!
tao chatai 15.11.2014
2. Waere doch ein gutes Zeichen Deutschlands
bei den BRICS Staaten mitzumachen und eine Bruecke zwischen den Bloecken zu bilden...
stefan.p1 15.11.2014
3.
Auf dem Gruppen-Bild sieht man wie isoliert Putin in der Welt wirklich ist. Brasilien, Südafrika, Indien und China hat Putin ja wohl auf seiner Seite. Da können uns die westlichen Medien erzählen was sie wollen!
jamiro32 15.11.2014
4. Der G20 Gipfel ist eine Farce!
Putin wqird bei dem Gipfel nichts erreichen unter den gegebenen Umständen sollte es keine Gespräche mehr geben. Nur die Isolation und weitere Sanktionen sind hier die einzige Antwort, die noch auf die einseitigen Aggressionen gegeben werden können. Gespräche und Angebote für einen Ausweg hat es genug gegeben. Man muss in Russland verstehen das Putin kein zuverlässiger Gesprächspartner mehr für den Westen ist. Putin selbst ist Russlands größter Feind geworden und wird diesen Land auch weiterhin großen Schaden zufügen, das sollte die Opposition im Land erkennen. Ob Merkel zum X-ten male mit Ihm spricht ist vollkommen nebensächlich, Sie hat noch nie irgend etwas in Ihren Gesprächen ereicht und wird es auch bei Ihm nicht. Der lachende Dritte und Gewinner in diesem kalten Krieg steht schon fest, in China reibt man sich schon die Hände über die günstigen Rohstoffe aus Russland.
olivervöl 15.11.2014
5. Das erste Foto sagt alles
Die BRICS-Länder Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika haben die "westlichen" Länder überrundet. Bruttosozialprodukt nach IWF, Veränderung 1995-2015: China von Platz 3 auf 1; Indien von Platz 8 auf 3; Russland von Platz 10 auf 6; Brasilien von Platz 9 auf 7. USA von 1 auf 2 abgerutscht; Deutschland von 4 auf 5; Frankreich von 6 auf 9; UK von 7 auf 10;
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