G7-Gipfel auf Sizilien Merkel wirft USA Blockade bei Klimapolitik vor

"Sehr unzufriedenstellend": Ungewöhnlich deutlich hat Bundeskanzlerin Merkel zum Abschluss des G7-Gipfels die Haltung der USA zum Klimaschutz kritisiert. US-Präsident Trump kündigte eine Entscheidung für nächste Woche an - per Twitter.

US-Präsident Trump und Kanzlerin Merkel in Taormina
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US-Präsident Trump und Kanzlerin Merkel in Taormina


Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich enttäuscht über das Scheitern des G7-Gipfels in der Klimafrage geäußert. "Sehr unzufriedenstellend ist die gesamte Diskussion über das Thema Klima gewesen", sagte Merkel beim Treffen der sieben großen Industriestaaten im italienischen Taormina. Bei der Frage nach dem Klimaabkommen von Paris stehe es sechs zu eins, "das heißt, es gibt keinerlei Anzeichen bis jetzt, ob die USA im Pariser Abkommen verbleiben werden oder nicht."

Die anderen sechs Staaten und die EU hätten aber "sehr deutlich gemacht", dass sie sich weiter zu den Zielen bekennen. Beim Klimaschutz, so die Kanzlerin, wolle sie "keine Kompromisse" eingehen.

Trump will nächste Woche entscheiden

Da mit den USA aber kein Fortschritt erzielt worden sei, könne das wichtige internationale Abkommen von Paris "im Augenblick hier nicht einvernehmlich unterstützt werden". US-Präsident Donald Trump kündigte auf Twitter an, nächste Woche eine Entscheidung zu treffen. Er hatte bereits gedroht, aus den internationalen Vereinbarungen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen auszusteigen.

Merkel sagte, man habe auf dem G7-Gipfel die Differenzen deutlich betont. Die anderen G7-Partner Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Japan und Italien hätten ihr Festhalten am Klimaabkommen und der auf dem vergangenen G7-Treffen vereinbarten Dekarbonisierung in diesem Jahrhundert auch in der Abschlusserklärung unterstrichen. Das gelte auch für die EU-Vertreter und die afrikanischen Staaten, die am Samstag an dem Treffen teilnahmen, betonte Merkel. Damit deutete sie eine zunehmende internationale Isolation der USA an. Auch Schwellenländer wie China unterstützen die internationale Klimaschutzpolitik.

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G7-Gipfel auf Sizilien: Der Problempartner

"Dieses Pariser Abkommen ist ja nicht irgendein Abkommen, sondern es ist schon ein zentrales Abkommen zur Gestaltung der Globalisierung", mahnte Merkel.

Probleme auch in Sachen Flüchtlingskrise

Kanzlerin Angela Merkel, für die das Thema als Gastgeberin des G20-Gipfels im Juli auch eine Prestigesache ist, hatte bereits am Freitag vergeblich versucht, Trump zu überzeugen.

Die Unterhändler saßen bis tief in die Nacht zusammen und setzten ihre Verhandlungen am Vormittag fort. Schwere Differenzen bestanden auch beim Umgang mit der Flüchtlingskrise, wo sich Trump ebenfalls sperrte.

Fortschritte beim Thema Handel

Beim Thema Handel soll es dagegen "bedeutende Fortschritte" geben. Das berichten Vertreter des Gastgebers Italien und der französischen Delegation. Demnach soll Trump einer Passage zugestimmt haben, wonach die G7-Staaten gegen Protektionismus kämpfen wollen. Zuvor hatte der Präsident noch wiederholt angekündigt, die US-Wirtschaft mit protektionistischen Handelsmaßnahmen schützen zu wollen.

Der G7-Gipfel soll am frühen Nachmittag mit der Veröffentlichung einer gemeinsamen Erklärung der Teilnehmerstaaten enden.

ler/dpa/Reuters



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mullerthomas 27.05.2017
1. Merkels "Vorwurf"
kommt mir ein bisschen wie "Fishing for kompliments" beim Deutschen Wähler vor von dem sie glaubt dass er alles mag was gegen Trump ist. Schade dass sie keine klare Kante bezieht und konsequent austeilt wo es nötig ist. Bei Erdogan hat sie sich mal locker 2 Wochen Verschnaufpause gegeben, die Entscheidung kommt halt dann offiziell nicht von Merkel sondern von der Deutschen Regierung.
licorne 27.05.2017
2.
Auf lange Sicht, bedeutet das Ignorieren des Klimawandels eine Verringerung der Orte auf der Welt, an denen es sich gut leben lässt. Das wiederum wird zu Kriegen, Flucht und Verteilungskämpfen führen.
passagenpassant 27.05.2017
3. Lackaffe
Jetzt wird er sich wieder irgendwas zusammentwittern ... mein Gott ist das Lächerlich. Wie frustrierend muss es sein, mit einem solchen Chaoten zu verhandeln. Der Mann bleibt sich wirklich seiner Linie treu, stets schlecht vorbereitet, immer launisch agressiv, niemals verbindlich. Im Blindflug durch die Weltpolitik.
joG 27.05.2017
4. Wie internationale Sicherheit.....
....ist Klima ein globales öffentliches Gut im wirtschaftlichen Sinn. Wenn die Amis den großen Teil der Militärausgaben bezahlen und Leute wie Merkel nicht einmal 2 Prozent des BIP ausgeben? Warum sollte ein wirtschaftlicher Konkurrent da Merkel entgegen kommen. Das wäre dumm. Und betreffs der Flüchtlinge? Die Eu hat sich unverantwortlich organisiert, in Syrien eine rechtzeitige Lösung verhindert und Merkel lud gegen. Ersehendes Eu Recht die Flüchtlinge eingeladen. Die Amis haben mindestens 11 Millionen illegale Flüchtlinge im eigenen Land. Wieso sollte er da die Eu aus der selbst gemachten Misere helfen, wo man sich weigert amerikanischen Interessen entgegenzukommen.
beob_achter 27.05.2017
5. Das war erst der Vorgeschmack auf Hamburg!
Trump liebt die "Große Bühne" und kann dort gleich 19 Teilnehmer mit seiner bewährten Methode vor den Kopf stoßen. Vorausgesetzt, er wird zwischen seiner Rückkehr und dem G20 nicht derart in Schwierigkeiten geraten daß man ihn nicht mehr zu seiner nächsten Poltershow reisen läßt... Als - böses - enfant terrible ist er geeignet, nicht aber für das Amt des POTUS! PS ich hätte Sizilien sofort den Rücken gekehrt, nachdem ein weiteres Mal klar wurde, daß DT nur auf Krawall gebürstet war und ist. Sad... PS_2 Solche G8-/G7-Veranstaltungen sind völlig überflüssig, weil sie a) zu keinen wichtigen Entschlüssen führen und b) diese sowieso nicht realisiert werden - man braucht ja nur die früheren Treffen und die Zeit danach zu analysieren!
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