G7-Gipfel in Bayern Deutsche Wirtschaft vermisst Putin

Vor dem G7-Gipfel in Bayern hat die deutsche Wirtschaft den Ausschluss des russischen Präsidenten Putin kritisiert. "Es ist immer besser, miteinander statt übereinander zu reden", sagte der Vorsitzende des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft.

G7 auf Schloss Elmau: "Verpasste Chance"
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G7 auf Schloss Elmau: "Verpasste Chance"


Am kommenden Wochenende findet auf Schloss Elmau in Bayern der Gipfel der G7-Gruppe statt. Der russische Präsident Wladimir Putin wird nicht dabei sein - Russland war nach der Annexion der Krim im vergangenen Jahr von der Teilnahme ausgeschlossen worden.

Dies bedauern Wirtschaftsvertreter nun ausdrücklich. "Ein Treffen G7 plus Russland könnte einen Beitrag zur Krisenlösung leisten und Russland zu konstruktiven Schritten im Ukraine-Konflikt bewegen", sagte der Vorsitzende des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, der "Welt am Sonntag". Es sei eine verpasste Chance, wenn Gesprächsformate wie die G7-Treffen nicht zum Dialog mit Russland genutzt würden. "Es ist immer besser, miteinander statt übereinander zu reden. Gerade in der Krise brauchen wir solche etablierten Gremien."

Auch der Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck (SPD), forderte eine Rückkehr Putins in die Gipfelrunde. Er sagte der "Welt am Sonntag", Russland müsse zu den G7 gehören, weil das Minsker Abkommen zur Ukraine-Krise vertrauensvoll mit Russland umgesetzt werden müsse. Auch die Zerfallsprozesse im Nahen und Mittleren Osten, Iran, Afghanistan und Syrien "können nur mit Russland gelöst werden".

Zudem könne der internationale Terrorismus nur mit Informationen von russischen Geheimdiensten gemeinsam bekämpft werden, so der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident.

Auch eine Begrenzung der Atomwaffen-Weiterverbreitung sei nur mit der zweitgrößten Atommacht zu bewerkstelligen. Außerdem sei der russische Rohstoffreichtum für die Zukunft Europas wichtig. Auch der Klimaschutz trage ohne die Zusammenarbeit mit dem größten Flächenland der Welt nicht.

Im bayerischen Schloss Elmau treffen sich am 7. und 8. Juni auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Staats- und Regierungschefs der USA, Kanadas, Frankreichs, Italiens, Japans und Großbritanniens. Russland hatte 1998 die Gruppe der sieben zur G8 erweitert und wurde im Vorjahr nach der Annexion der Krim ausgeschlossen.

Für zusätzliche Verstimmung im Verhältnis zu Russland sorgt Moskaus sogenannte schwarze Liste mit Einreiseverboten für europäische Politiker. Die Europäische Union hatte die Liste mit 89 Namen als willkürlich, intransparent und ungerechtfertigt gerügt. Unter den Politikern, die nicht mehr nach Russland einreisen dürfen, sind auch acht deutsche Politiker, darunter

  • der künftige europapolitische Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Uwe Corsepius,
  • der ehemalige Grünen-Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit,
  • der Unionsfraktionsvize im Bundestag, Michael Fuchs,
  • die Fraktionschefin der Grünen im Europaparlament, Rebecca Harms.

Russland wies diese Kritik nun zurück. Die Maßnahme sei eine Antwort auf die "Sanktionskampagne", die einige EU-Staaten unter Führung Deutschlands gegen Russland ausgelöst hätten, sagte ein ranghoher russischer Diplomat am Samstag der Agentur Interfax zufolge. Seit Monaten dürfen bestimmte russische Politiker und Unternehmer wegen der Ukraine-Krise nicht mehr in die EU reisen.

Der russische Diplomat sagte, Moskau habe die Liste auf Bitten aus Europa "in vertraulicher Form" übergeben. Die jetzige Aufregung gehe auf das Konto der entsprechenden Länder. "Eins ist unklar: Haben die europäischen Kollegen die Listen benötigt, um den Betroffenen Unannehmlichkeiten zu ersparen - oder um die nächste politische Show zu veranstalten?" Eine ähnliche Liste existiere für die USA, sagte er. Auch Washington hatte in der Ukraine-Krise Sanktionen gegen Russland erlassen.

Im Video: CDU-Politiker Wellmann über seine Russland-Reise: "Ich darf bis 2019 nicht einreisen, ohne Begründung!"

REUTERS

ala/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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guenther2009 31.05.2015
1. Abgesehen davon dass,
diese Treffen für den Hugo sind, schweineteuer und keine Ergebnisse bringen. Ich würde vorschlagen diese Treffen in Zukunft auf einem Schiff im Pazifik durchzuführen, kostet viel weniger, es gibt auch Aussicht über das Meer. Weiters zu Putins Teilnahme. Weil er weis was die 7 für Weicheier sind, gibt ihm das die Möglichkeit so zu agieren wie er es bisher getan hat. Diese Politiker sind doch zum kotzen und die Auguren dazu.
bescheuert 31.05.2015
2. Ich glaube man sollte sich
mal langsam darüber im Klaren sein das Frau Merkel als Führungperson in der EU die ausführende Kraft amerikanischer Interessen fungiert. Als hätte sie auch den Eid auf die us Verfassung geleistet. Den Ukraine- Konflikt hat sie auf Anweisung der USA angezettelt. Die USA bestimmen auch wann eine Normalisierug des Verhältniss zu Russland eintritt. Leider verschärft der US Wahlkampf die Tonlage in Kürze.
Kurt2.1 31.05.2015
3. .
Es wird Zeit, dass die deutsche Wirtschaft zur Kenntnis nimmt, dass sie hier im Land Geschäfte machen kann, es aber keineswegs so ist, dass dieses Land lediglich für diese Geschäfte existiert. Das gilt für alle Bereiche und ich würde mich freuen, wenn die Politik wieder die Oberhoheit über die Finanzwirtschaft erlangt. Die Liste: Auf der Liste stehen Namen, von denen niemand merkt, ob jemand nach Russland oder nach Grönland reisen. Putin hat ebenso unwichtige Namen benutzt wie auch die EU in ihren Sanktionen. Ein reines Spiegelgefecht.
nz7521137 31.05.2015
4. Gut fuer Russland
Die vom Westen gegen Russland eingeleiteten Massnahmen sind gut fuer Russland und schaden Europa. Russland ist aus einem Schlaf erwacht und ist nun sehr aktiv unterwegs Abhaengigkeiten zu aendern. In kurzer Zeit werden Importe aus Europa durch alternative Anbieter ersetzt sein oder sogar durch russische Produkte. Was hat Deutschland von dieser Russland-Politik? Aus meiner Siht nur Nachteile.
alwin52 31.05.2015
5. Nato-Treffen und G20
G7 = NATO-Industriestaaten + Japan = Vergangenheit; G20 = global wichtige Industriestaaten = Gegenwart und Zukunft; Die Herren von der deutschen Industrie sollten nicht nur nach einer Teilnahme von Putin schreien, sondern sich für die Zukunft aussprechen, die (derzeit) von den G20 repräsentiert wird. Zumindest die extrem kostspieligen Treffen der 7 Damen und Herren sollten abgeschafft werden. Die sollen sich auf die Treffen der G20 konzentrieren und zwar auf die wirklichen globalen Probleme und nicht wie 2014 darauf, ob nun irgendwer schief oder nicht angeschaut worden oder früher oder später abgereist ist.
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