Trump und das legendäre Gipfelfoto "Halbberühmt, unschuldig, freundlich"

In einem Interview nach dem Nordkorea-Gipfel sprach Donald Trump erneut über den G7-Eklat von Kanada - und verbreitet eine glatte Lüge über das berühmte Gipfelfoto.

G7-Gipfel mit Emmanuel Macron, Angela Merkel, Shinzo Abe, Donald Trump des deutschen Fotografen Jesco Denzel
AFP

G7-Gipfel mit Emmanuel Macron, Angela Merkel, Shinzo Abe, Donald Trump des deutschen Fotografen Jesco Denzel


Das Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un war gerade vorbei, da gab der US-Präsident dem Sender ABC schon ein Fernsehinterview.

Neben dem historischen Treffen in Singapur ging es dabei erneut um den Eklat beim G7-Gipfel vom Samstag - und um das denkwürdige Foto des US-Präsidenten mit verschränkten Armen, auf dem offenbar Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Kanzlerin Angela Merkel auf Trump einreden.

Das Bild wurde am Wochenende zigtausendfach über soziale Netzwerke weiterverbreitet, nahm es doch scheinbar den Ausgang des G7-Treffens vorweg: Trump stimmte dem Gipfelkommuniqué zunächst zu. Dann zog er, für alle überraschend, nach der Abreise seine Einwilligung zurück.

In dem Interview nun lieferte Trump seine eigene Interpretation des laut ihm "sogenannten, halbberühmten" Bild. Er und die andere Staats- und Regierungschefs hätten sich zum Zeitpunkt dieser "unschuldigen Aufnahme" nur "unterhalten während wir auf das finale Dokument warteten". Es sei ein "freundliches Bild" gewesen.

Und dann schiebt Trump eine, in diesem Fall eindeutige, Lüge nach, und reklamiert die Aufnahme für sich und sein Presseteam: "Wir haben dieses Foto herausgegeben. Es wurde von meinen Leuten veröffentlicht."

Die Urheberschaft der weltberühmten Aufnahme ist allerdings zweifelsfrei geklärt: Laut Bundesregierung stammt es vom deutschen Fotografen Jesco Denzel, "einem der offiziellen Fotografen der Bundesregierung", wie Regierungssprecher Steffen Seibert am Samstag auf Twitter schrieb.

Trump wurde schon oft vorgeworfen, die Unwahrheit zu sagen, etliche Male zu Recht. In den USA drehen sich mittlerweile Meta-Debatten darum, wie sehr US-Präsident Trump und sein Team das Lügen im Weißen Haus zur Normalität gemacht haben, und was das für die Demokratie bedeutet. Allerdings macht es Trump den Medien selten so leicht wie in diesem Fall.

Zur Rücknahme seiner Unterschrift unter dem Anschlusskommuniqué erklärte der Präsident, dazu habe er sich entschieden, nachdem er eine Pressekonferenz Trudeaus im Fernsehen gesehen hatte. Trudeau habe darin Kritik geäußert, "die er mir nicht persönlich gesagt hat", so Trump im Sender ABC. Trudeau habe "Anstößiges" gesagt, und das sei ein Fehler gewesen. "Ich mag Justin, aber das wird ihn viel Geld kosten."

cht

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