Gaddafi-Jubiläum Mit Pöbelei und Berlusconi in den großen Feiertag

Rechtzeitig zum 40. Jahrestag seines Putsches macht Libyens Staatschef Gaddafi mit einem Affront gegen Israel auf sich aufmerksam. Beim Gipfeltreffen der Afrikanischen Union hat er zur Schließung aller israelischen Botschaften in Afrika aufgerufen.

dpa

Tripolis - Israel stecke "hinter allen Konflikten in Afrika", sagte Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi am Montag in Tripolis. Mit diesem politischen Paukenschlag eröffnete er ein außerordentliches Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU) in der libyschen Hauptstadt. Gaddafi ist derzeit AU-Präsident. Ausländische Staaten seien für einen Großteil der Konflikte in Afrika verantwortlich. Schuld an der Gewalt sei die Einmischung "ausländischer Mächte", die die Ressourcen des Kontinents plündern wollten, sagte Gaddafi. Vor allem Israel schüre Konflikte.

An dem außerordentlichen Gipfel nehmen 30 Staatschefs teil, darunter die umstrittenen Staatschefs von Simbabwe und Sudan, Robert Mugabe und Omar al Baschir. Die Präsidenten von Nigeria, Südafrika und des Senegal hingegen sagten ihre Teilnahme ab. Entgegen den Ankündigungen fehlte auch Venezuelas Staatschef Hugo Chávez bei der feierlichen Eröffnung des Treffens. Gaddafi hatte das Gipfeltreffen im Juli angeregt - als Termin schlug er einen Tag vor den Feierlichkeiten zu seinem 40-jährigen Regierungsjubiläum vor.

Der Beginn des AU-Gipfels verzögerte sich um mehrere Stunden, Gründe dafür gaben die Organisatoren zunächst nicht an. Auf der Tagesordnung standen unter anderem die zahlreichen gewalttätigen Konflikte auf dem Kontinent sowie die Suche nach einer einheitlichen Linie der 53 Mitgliedstaaten für den Klimagipfel im Dezember in Kopenhagen.

Kurz vor Beginn des AU-Treffens in Tripolis sagten Sierra Leone, Malawi und Nigeria weitere Soldaten für die AU-Friedenstruppe (AMISOM) in Somalia zu. Das gab AU-Kommissionspräsident Jean Ping bekannt. Ping hatte eine Aufstockung der Truppen auf die eigentlich geplanten 8000 Soldaten gefordert. Bislang sind nur 5000 Mann in Somalia stationiert, wo radikale Islamisten eine großangelegte Offensive gegen den als gemäßigt geltenden Präsidenten Scharif Scheich Ahmed gestartet haben.

Am Dienstag feiert Gaddafi den 40. Jahrestag seiner Regierungsübernahme. Als einer der ersten Gratulanten einer westlichen Industrienation reiste Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi an. Er legte gemeinsam mit Gaddafi den Grundstein für eine Schnellstraße. Zahlreiche weitere Staats- und Regierungschefs haben ihre Teilnahme an den Jubiläumsfeiern angekündigt, die am Nachmittag mit einer Militärparade in Tripolis beginnen sollen. Am Abend wird auf der nach libyschen Angaben größten Bühne der Welt in der Hauptstadt dann eine Live-Show mit fast 800 Tänzern und einem Feuerwerk zu sehen sein.

Der letzte Teil des Spektakels soll anlässlich des zehnte Jahrestags der Gründung der Afrikanischen Union (AU) dem Kontinent gewidmet sein. Gaddafi hatte nach einem Staatsstreich am 1. September 1969 im Alter von 27 Jahren die Macht in Libyen übernommen.

ler/AFP/AP



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.