Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Gaddafi-Sohn Saadi: "Dann schicken wir ein paar Bataillone"

Er gab sich gut gelaunt und optimistisch: Saadi al-Gaddafi, Sohn des libyschen Machthabers, hat in einem Interview Gewalt und Aufruhr im Land vehement bestritten. Alles unter Kontrolle, lautet die Botschaft - und wenn nicht, schicke man die Armee.

Machthaber-Sohn Saadi al-Gaddafi: Bizarre Wortmeldung aus dem Innern des Regimes Zur Großansicht
AP

Machthaber-Sohn Saadi al-Gaddafi: Bizarre Wortmeldung aus dem Innern des Regimes

Berlin/Tripolis - Es ist eine bizarre Wortmeldung aus dem inneren Zirkel des Gaddafi-Clans: Während das Land im Chaos versinkt, verbreitet Saadi al-Gaddafi - einer von sieben Söhnen des libyschen Diktators - gute Laune und Optimismus: 85 Prozent des Landes seien "sehr ruhig und sicher", sagte er in einem Telefon-Interview mit der britischen Zeitung "Financial Times".

Die Einschätzung widerspricht jüngsten Berichten aus dem von schweren Unruhen erschütterten Land: So gibt es Meldungen, wonach mit Misurata zum ersten Mal auch eine größere Stadt im Westen Libyens unter die Herrschaft der Anti-Gaddafi-Bewegung gefallen ist. Bislang war die Opposition vor allem im Osten des Landes erfolgreich und hatte dort in den vergangenen Tagen die Kontrolle übernommen. Auch von Ruhe kann kaum die Rede sein. Nach Uno-Angaben haben Regierungstruppen seit Beginn des Aufstandes mehrere hundert Menschen getötet. US-Präsident Barack Obama verlangte inzwischen mit scharfen Worten ein Ende der Gewalt.

Diktator-Sohn Saadi al-Gaddafi will von einem Umsturz im Land nichts wissen. Allerdings räumte er im Gespräch mit der "FT" ein, dass sein Vater Reformen beginnen werde. "Nach diesem positiven Erdbeben müssen wir etwas für Libyen tun", sagte er. Saif al-Islam al-Gaddafi, sein Bruder, bereite zurzeit eine neue Verfassung vor, Details würden schon bald bekanntgegeben. Der bisherige Machthaber Muamar al-Gaddafi wird nach Ansicht seines Sohnes in jedem Fall "der große Vater bleiben, der berät".

Fotostrecke

8  Bilder
Gier, Gewalt, Intrige: Der Nachwuchs des Despoten
"Die Armee ist immer noch sehr stark", berichtete Saadi al-Gaddafi aus der Hauptstadt Tripolis. "Wenn wir irgendetwas bemerken, schicken wir ein paar Bataillone. Wenn die Leute die Armee sehen, bekommen sie es mit der Angst zu tun." Berichten zufolge hat das Militär Demonstranten mit Kampfflugzeugen beschossen, allerdings sollen auch immer mehr Soldaten die Seiten gewechselt und sich der Opposition angeschlossen haben.

Aus diesem Grund, behauptet Saadi al-Gaddafi, hätte die Luftwaffe Munitions- und Waffendepots bombardiert - die Aufständischen dürften nicht an die Waffen geraten. Allerdings seien die Depots weit entfernt von bevölkerten Gegenden. Saadis Bruder Saif al-Islam widersprach in der Nacht zum Donnerstag im libyschen Rundfunk ebenfalls Berichten über Angriffe der libyschen Luftwaffe auf Zivilisten. Seit Beginn der Unruhen seien nur einige wenige Menschen gestorben.

Warnungen vor al-Qaida

Der Diktator-Sohn Saadi spricht in dem Interview auch von der angeblichen Bedrohung durch al-Qaida in Libyen. Seinen Schätzungen zufolge gäbe es "Tausende" Kämpfer der islamistischen Terror-Organisation im Land - diese würden sich in der aktuellen Lage unter die Protestierer mischen. Ihrer Ausbreitung entgegenzuwirken sei eine zentrale Aufgabe, so die Einschätzung von Saadi al-Gaddafi, sonst drohten in Libyen Verhältnisse wie in Afghanistan. Seinen Angaben zufolge haben britische SAS-Spezialkräfte im vergangenen Jahr libysche Soldaten für den Kampf gegen al-Qaida ausgebildet.

Der nordafrikanische Ableger des Terrornetzwerks hat den Demonstranten in Libyen seine volle Unterstützung bei dem Aufstand gegen Gaddafi zugesichert. "Wir werden unser möglichstes tun, um Euch zu helfen", heißt es in einer Mitteilung von al-Qaida im islamischen Maghreb. Das berichtet das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen Site am Donnerstag. "Euer Kampf ist der Kampf eines jeden Muslim", erklärte der Qaida-Ableger demnach. Es sei an der Zeit, dass den "Betrüger, Sünder, hartherzige Bastard" Gaddafi dasselbe Ende ereile wie die gestürzten Staatschefs von Tunesien und Ägypten, Zine el-Abidine Ben Ali und Husni Mubarak.

flo/Reuters/AFP

Diesen Artikel...
Forum - Schwere Unruhen: Wie geht es weiter in Libyen?
insgesamt 3020 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Aus für Ghaddafi
pendare_nik, 22.02.2011
Zitat von sysopLibyens Regime schießt offenbar aus Kampfflugzeugen und Hubschraubern auf Demonstranten, es gibt Hunderte Tote. Doch die Regierungskritiker protestieren weiter. Die Macht droht Diktator Gaddafi zu entgleiten - nun haben sich auch wichtige Stämme von ihm distanziert. Wie lange kann Gaddafi sich noch halten?
Die Entfernung von Ghazzafi scheint kurz bevor zu stehen, der Goldpreis hat sich schon wieder etwas beruhigt, die Ungewissheit ist bald zuende. Die Bedeutung des Sturzes Ghaddafis liegt darin, dass andere Diktatoren, von Marokko bis Saudi Arabien, jetzt Angst vor dem Volk haben. Hier sollte ein Exemple statuiert werden, an dem sich andere Politiker und Machthaber orientieren können. Ob es aber zu einem Schauprozess kommen wird, ist fraglich, Ghaddafi hat viele gute Freund, wie z.B. Berlusconi: "der italienische Ministerpräsident [hat sich] von seinem «guten Freund» Ghadhafi distanziert" http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/berlusconi_verurteilt_inakzeptable_gewalt_in_libyen_1.9637778.html Sag mir, wer deine Freunde sind, dann sag ich wer du bist.
2. Wer kann das schon wissen
Katzenfreund, 22.02.2011
Im Augenblick ist es kaum möglich darüber Aussagen zu machen. Es steht ja noch nicht einmal fest wer in Libyen die Oberhand behält.Gelingt es G. an der Macht zu bleiben,oder nicht?
3. Geht ja schnell
Akku, 22.02.2011
Haben die Amerikaner schon jemand für seine Nachfolge festgelegt?
4. Militär
naabaya 22.02.2011
Zitat von AkkuHaben die Amerikaner schon jemand für seine Nachfolge festgelegt?
Irgendein General wirds schon machen. Wie soll man auf die Schnelle eine demokratische Regierung installieren? Weiter gehts nach Schema F!
5. Was passiert
Katzenfreund, 22.02.2011
Was passiert eigentlich,sollte das alte Regime stürtzen. In Libyen gibt es keine Parteien. Wer oder was soll die Regierungsgeschäfte führen? Wer bestimmt wer die Staatsgewalt übernimmt. Was werden die Clans machen? Werden sich die Clans gegenseitig bekämpfen? Oder werden die Clans zusammenarbeiten? Wer entscheidet wie die Gas und Öl Einnahmen verteilt werden? Wer sichert die Grenzen? Es gibt viele Fragen und keine Antworten.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Fotostrecke
Reise durch Ost-Libyen: Der fragile Moment der Freiheit
Fotostrecke
Libyen: Öl und Gas als Rückgrat der Wirtschaft

Fotostrecke
Aufstand in Libyen: Das letzte Gefecht

Fläche: 1.676.198 km²

Bevölkerung: 6,253 Mio.

Hauptstadt: Tripolis

Staatsoberhaupt:
Akila Salih Issa

Regierungschef: Fayez al-Sarraj (nominiert)

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Libyen-Reiseseite


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: