Gaddafi "Wir haben gar keine Massenvernichtungswaffen"

Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi hat den Besitz von Massenvernichtungswaffen bestritten. Das Atomprogramm, auf das der arabische Staat nun verzichten will, habe lediglich friedlichen Zwecken dienen sollen.


Muammar al-Gaddafi: "Wir haben diese Waffen nicht"
AP

Muammar al-Gaddafi: "Wir haben diese Waffen nicht"

Washington/Wien - "Wir haben diese Waffen nicht", sagte Gaddafi dem US-Sender CNN. Die internationalen Kontrollen würden ergeben, "dass wir nichts zu verstecken haben". Das Atomprogramm, zu dessen Stopp sich Libyen am vergangenen Freitag verpflichtet hatte, sollte friedlichen Zwecken dienen. "Doch nichtsdestotrotz wollten wir es loswerden", sagte Gaddafi dem Sender.

Zuvor hatte der Generaldirektor der Internationalen Atomenergie- Organisation (IAEO), Mohammed al-Baradei, angekündigt, dass die Kontrollen aller libyschen Waffenprogramme bereits in der kommenden Woche beginnen könnten. Er werde "schon in der kommenden Woche" nach Libyen reisen, um sich vor Ort ein Bild über das Atomprogramm des arabischen Landes zu machen, sagte er. Unmittelbar danach sollten Inspekteure der Uno-Atombehörde alle Produktionsanlagen und Lager für Waffen kontrollieren. Um solche Inspektionen zu ermöglichen, will Libyen mit der IAEO das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag unterzeichnen.

Das Atomprogramm Libyens befindet sich nach Darstellung des IAEO- Generaldirektors noch im "Anfangsstadium". Libyen habe ihn am Wochenende darüber informiert, dass das Land in der Vergangenheit Natur-Uran und technische Ausrüstung importiert und damit gegen den Atomwaffensperrvertrag verstoßen habe, sagte er. Zugleich lobte er die Bereitschaft Libyens zur Abrüstung. Das sei "ein Schritt in die richtige Richtung".

Libyen gilt wie Nordkorea, Iran und Algerien als nukleare Schwellenmacht. Damit sind Länder gemeint, die zwar noch keine Atombombe haben, aber in absehbarer Zeit dazu in der Lage sein werden, sie zu produzieren.

Die USA kündigten an, ihre Beziehungen zu Libyen überprüfen zu wollen. Außenamtssprecher Richard Boucher sagte, Libyen scheine im Begriff, sich der internationalen Staatengemeinschaft wieder anschließen zu wollen. Daher werde das US-Außenministerium sein seit 22 Jahren bestehendes Verbot der Nutzung von US-Reisepässen für Reisen nach Libyen überprüfen. Auch "verschiedene andere Aspekte der US-Politik" würden überprüft.

Denkbar sei auch, dass Libyen zu gegebener Zeit von der US-Liste der sieben Terror unterstützenden Staaten gestrichen werde, sagte Boucher. "Wir sind bereit, diese Fragen bei geänderten Verhältnissen neu zu bewerten", sagte der Außenamtssprecher.



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