Gala-Abend in Rom: Gaddafi lädt 100 Italienerinnen zur Islamkunde

Koran-Werbung statt Party: In Erwartung eines Gala-Dinners sind Dutzende junge Italienerinnen einer Einladung des libyschen Staatschefs Gaddafi in Rom gefolgt. Berichten zufolge war der Gastgeber jedoch nicht in Feierlaune - und empfing die Damen mit einer Lektion über den Islam.

Libyens Staatschef Gaddafi in Rom: Verabredung mit 100 Frauen Zur Großansicht
REUTERS

Libyens Staatschef Gaddafi in Rom: Verabredung mit 100 Frauen

Rom - Der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi ist am Rande des dreitägigen Welternährungsgipfels in Rom mit 100 jungen Italienerinnen zusammengetroffen, um ihnen den Islam nahezubringen. Das berichteten am Montag mehrere italienische Zeitungen. Gaddafi soll demnach den eigens von einer Vermittlungsagentur für Hostessen ausgewählten Frauen empfohlen haben, zum Islam überzutreten. Außerdem überreichte er jeder von ihnen ein Exemplar des Korans.

In der Residenz des libyschen Botschafters in Rom legte Gaddafi den überraschten Damen am Sonntagabend in einer einstündigen Rede dar, dass sich der Islam keineswegs gegen Frauen richte, wie der "Corriere della Sera" unter Berufung auf Teilnehmerinnen berichtete. Jesus sei zudem nicht gekreuzigt worden, sondern lediglich "jemand, der ihm ähnlich sah", zitierte eine Journalistin der Nachrichtenagentur Ansa, die sich als Hostess verkleidet bei der Veranstaltung eingeschlichen hatte, den libyschen Machthaber.

Essen oder Trinken gab es den Berichten zufolge nichts. Auch wussten die Frauen vorher nicht, wen sie treffen würden, und gingen davon aus, dass sie an einer Party teilnehmen würden.

Die Agentur rekrutierte etwa 400 weitere junge Frauen für ähnliche abendliche Treffen mit Gaddafi am Montag und Dienstag. Kriterien dabei waren "angenehme Erscheinung, mindestens 1,70 Meter groß, gut angezogen". Miniröcke oder Dekolletés für die zwischen 18 und 35 Jahre alten Kandidatinnen waren strikt untersagt. Dafür sollten die Italienerinnen eine Aufwandsentschädigung von 50 bis 60 Euro erhalten. Das Gipfeltreffen der Uno-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) geht am Mittwoch zu Ende.

Gaddafi liebt den Pomp: Im Sommer ließ er mit einer gigantischen Party den 40. Jahrestag seiner Machtübernahme feiern. Das "größte Event Afrikas" nannten die Veranstalter die Feier. In den Wochen vor der Mega-Party leuchtete auf allen Plakatwänden der libyschen Hauptstadt Gaddafis Konterfei, das die Marketingexperten mit anderen Revolutionären der Weltgeschichte unterlegt haben. Kurz nach der Riesenfeier sorgte Gaddafi mit seinem ersten Auftritt vor der Uno-Vollversammlung in New York für Empörung. Er bezeichnete den Uno-Sicherheitsrat als "Terror-Rat" und zerriss die Uno-Charta.

amz/AFP

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Forum - Gaddafi - Verlässlicher Partner oder unberechenbarer Despot
insgesamt 685 Beiträge
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1.
Christian Wernecke 01.09.2009
Ach nun ja, als Moralist und Ästhet sind Politik und Führer dieses Landes alles andere als ansehnlich. Auf der anderen Seite sollte man die Araber vielleicht einfach mal in Ruhe lassen und sich nicht ständig überall einmischen.
2.
wolfman11 01.09.2009
Zitat von sysopZum 40. Jahrestag seiner Machtergreifung beweist Libyens Staatschef Gaddafi seinen Gigantismus: Mit einer 50 Millionen Euro teuren Megaparty, einer gigantischen Bühne und feinstem französischem Essen feiert der Despot seine Revolution, doch vor allem sich selbst. Ist der Staatschef heute eine verlässlicher politischer Partner oder ein unberechenbarer Despot?
Was hat der vermeintliche Gigantismus mit der durchaus berechtigten Frage nach Verlässlichkeit zu tun? Wer Gaddafi vertraut wird sehen, was er davon hat. Ich glaube auch nicht, dass ihm die führenden Politiker oder Wirtschaftsbosse vertrauen. Sie denken lediglich, Sie könnten ihn benutzen, Interessen abgleichen und einen Stück des Weges gemeinsam gehen. Das hat aber nichts mit Vertrauen zu tun. Gaddafi geht es um seinen Platz in der Geschichte. Man wird sich daher einander bedienen und dann wieder trennen. Die Opfer von Lockerbie oder aus dem LaBelle sind doch längst von der Tagespolitik vergessen.
3. ??
lemming51 01.09.2009
Tja, zu diesem Herrn und das, was er Politik nennt, ist mir außer einem Kopfschütteln noch nie was eingefallen. Ein gemeingefährlicher Exzentriker. Aber unsere europäischen Politiker vergessen schnell, wie hier ja schon geschrieben wurde.
4. Formale Kritik
genx 01.09.2009
Ich finde den Text zu lang, geradezu aufgeblasen für den minimalen Gehalt. Das Opening-Drama mit dem Techniker, der dann doch in einem Gespräch das Riesenproblem gleich wieder lösen kann, die redundanten Schilderungen ... ein bisschen mehr Hintergrund hätte all der heißen Luft gutgetan! Außerdem wimmelt es von Rechtschreibfehlern. Bitte weniger, gehaltvoller und besser lektoriert schreiben. So ist das unter Ihrem Niveau!
5. Gefährlicher Diktator
Sabi 01.09.2009
Dieser Mann ist ein gefährlicher, irrer Diktator mit zuviel Ressourcen - Erdöl / Erdgas - damit erpresst er alle - ob bulgarische Krankenschwestern, Schweizer, den Einfaltspinsel Berlusconi, englische Politiker u. Erdölbonzen,.....Der Schlag sollte ihn treffen- dann würden einige Leben gerettet ! wenn's Allah gibt !
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