Gambia Ex-Präsident Jammeh räumt das Feld

Monatelang wollte er seinen Posten nicht räumen. Nun hat der abgewählte gambische Präsident Yahya Jammeh angesichts einer drohenden Entmachtung durch ausländische Truppen sein Amt aufgegeben.

Yahya Jammeh (Archiv)
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Yahya Jammeh (Archiv)


Der Machtkampf in Gambia hat ein Ende: Der abgewählte Präsident Yahya Jammeh hat im staatlichen Fersehen seinen Amtsverzicht erklärt. Vorangegangen waren Marathonverhandlungen mit Vertretern der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas). Er habe "guten Gewissens" entschieden, die Führung "dieser großen Nation" abzugeben. "Ich glaube, es ist nicht nötig, dass auch nur ein Tropfen Blut vergossen wird", sagte Jammeh.

Unklar ist bislang noch, wann Jammeh das Land verlassen wird und welcher Staat ihm Exil gewährt. Mehrere Länder hatten ihm das angeboten. Angeblich ging es in den Verhandlungen lange um die Konditionen, unter den Jammeh Gambia verlässt. Ein Beamter sagte, Jammeh würde innerhalb von drei Tagen ins Exil gehen, womöglich mit Guineas Präsident Alpha Condé, der an den Verhandlungen beteiligt war. Dafür gab es jedoch keine offizielle Bestätigung.

Jammeh, der das westafrikanische Land 22 Jahre lang mit harter Hand führte, hatte sich geweigert, seine Niederlage bei der Präsidentschaftswahl Anfang Dezember einzugestehen. Sein Nachfolger Adama Barrow musste seinen Amtseid am Donnerstag in der gambischen Botschaft im Nachbarland Senegal ablegen. Wann er nach Gambia zurückkehrt, blieb zunächst unklar.

Die Ecowas hatte daraufhin eine Militärintervention in Gambia gestartet, um Jammeh zum Rücktritt zu zwingen. Am Freitag stoppte die Ecowas ihre Truppen jedoch, um Jammeh eine letzte Chance zu geben, seinen Posten freiwillig zu räumen.

"Die Herrschaft des Schreckens wurde aus Gambia verbannt", sagte Barrow kurz nach der Ablegung seines Amtseids am Freitag. "Alle, die aufgrund von politischen Gründen unser Land verlassen mussten - ihr habt nun die Freiheit, zurückzukehren."

Die frühere britische Kolonie Gambia gehört nach einem Uno-Index zu den 20 ärmsten Ländern der Welt. Neben der Landwirtschaft ist in dem Staat mit etwa zwei Millionen Einwohnern der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Europäische Reiseveranstalter hatten am Mittwoch damit begonnen, Strandurlauber in ihre Heimatländer zurückzubringen.

kry/AP/Reuters

insgesamt 9 Beiträge
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hugahuga 20.01.2017
1.
Endlich. Möge der Bevölkerung unter ihrem neuen Präsidenten eine bessere Zukunft beschieden sein. Was auffällt, ist, dass in diesem Fall kein einziger nicht -afrikanischer Staat ivolviert war. Man hielt sich zurück und überließ die Klärung den Afrikanern. Richtig so und beispielhaft. Mag aber auch sein, dass das ausländische Interesse sich in Grenzen hielt, da in "Gambia nichts zu holen ist." Das sähe in Nigeria wegen des Erdöls und im Kongo wegen der Bodenschätze sicher sehr viel anders aus.
Airkraft 20.01.2017
2. Man muss...
Man muss diesem Potentaten es halt nur richtig erklärten, dass seine Zeit vorbei ist ;-)
zeichenkette 20.01.2017
3. Hoffentlich
Gambia ist trotz der Armut und seines Präsidenten ein entspanntes und tolerantes Land mit nicht ohne Grund floriendem Tourismus. Man kann nur hoffen, dass der neue Präsident es besser macht. Jammeh möchte garantiert mit seinem Vermögen irgend wo hin, wo er es in Ruhe verprassen kann. Die Auswahl wird nicht groß sein, denn der Druck ist nach diesem Theater gross. Ich wünsche dem Land jedenfalls alles Gute.
willibaldus 20.01.2017
4.
Ich hoffe, dass es das dann auch gewesen ist. Ich glaube, wenn der neue Präsident nicht angekündigt hätte, den alten vor Gericht zu stellen, dann wäre es nicht zu all dem gekommen.
frankfurtbeat 21.01.2017
5. dann ...
dann packt er seine Koffer, seine Mrd. illegal erworbener $$$ und setzt sich bei irgendeinem Freund in die Sonne. Aber wer so viele Feinde hat wird wohl zukünftig mit Angst leben müssen. Ganz so dumm ist er dann doch nicht gewesen. Allerdings wird er wohl all seine engen Freunde mitnehmen müssen denn die Meute wartet darauf sich zu rächen.
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