Ultimatum an Machthaber Jammeh Senegal und Nigeria bereiten Einmarsch in Gambia vor

Senegal stellt ein Ultimatum: Sollte Gambias Präsident Jammeh bis Mitternacht nicht weichen, werden Truppen einmarschieren. Seit Wochen wehrt sich das abgewählte Staatsoberhaupt, sein Amt aufzugeben.

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Hinter der gambischen Landesgrenze formiert sich eine ausländische Eingreiftruppe. Senegal und Nigeria drängen darauf, dass Nochstaatschef Yayha Jammeh am Donnerstag regulär die Amtsgeschäfte seinem rechtmäßigen Nachfolger übergibt. Jammeh weigert sich bislang - dabei ist er seit Anfang Dezember abgewählt.

Augenzeugen berichteten der Nachrichtenagentur Reuters, in der Nacht zu Mittwoch seien Truppen aus dem Süden des Senegal an die gambische Grenze verlegt worden. Die senegalesische Armee verschärfte nun ihre Drohungen und stellte ein Ultimatum: Sie werde um Mitternacht einmarschieren, sollte Jammeh bis dahin nicht weichen. "Wir sind bereit", sagte ein Sprecher des senegalesischen Militärs der Nachrichtenagentur Reuters. "Wenn keine politische Lösung gefunden wird, werden wir einschreiten." Nigeria hatte erklärt, 200 Soldaten für die Eingreiftruppe beizusteuern. Außerdem entsandte das Land ein Kriegsschiff vor die Küste Gambias, auch Kampfflugzeuge stehen offenbar bereit.

Die Truppen könnten eine Machtübernahme des gewählten Präsidenten Adama Barrow am Donnerstag in der Hauptstadt Banjul erzwingen.

Zuvor hatte Gambias Parlament eine Resolution verabschiedet, die Jammeh weitere 90 Tage an der Macht erlauben soll. Er ist bereits seit 22 Jahren Präsident. Als er Anfang Dezember die Wahl gegen den Unternehmer Barrow verloren hatte, gestand er zunächst seine Niederlage ein, das gambische Volk reagierte begeistert. Das Eingeständnis zog Jammeh aber wenig später zurück und legte wegen "Unregelmäßigkeiten" Widerspruch gegen das Ergebnis ein.

"Unsere Zukunft beginnt morgen"

Seit Mitte Dezember versuchen das Nachbarland Senegal, sowie die Regionalmacht Nigeria und weitere Länder der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas in Verhandlungen, Jammeh von einer geordneten Machtübergabe zu überzeugen. Die Ecowas-Länder drohten bereits nach der ersten erfolglosen Verhandlung mit militärischem Eingreifen, was Jammeh als "Kriegserklärung" bezeichnet.

Jammehs Armee soll nur über rund 900 Soldaten verfügen. In sozialen Netzwerken kursierten Gerüchte, Jammeh könnte deshalb versuche, Rebellen zu rekrutieren um seine schwindende Macht zusätzlich abzusichern. Am Dienstag, zwei Tage vor Ende seines Mandats, hatte Jammeh den Ausnahmezustand verhängt, und erklärte, damit könne er für zunächst drei weitere Monate Präsident bleiben. Wahlsieger Barrow hält sich unterdessen in Senegals Hauptstadt Dakar auf. Er ist entschlossen, die Amtsgeschäfte als neuer Präsidenten am Donnerstag aufzunehmen.

Gambier versuchen derzeit, außer Landes zu kommen. Sie fürchten eine militärische Auseinandersetzung. Bis Montagabend zählte das Uno-Flüchtlingshilfswerk rund 26.000 Menschen, die aus Gambia in den Senegal geflohen seien. "Seitdem ist der Strom stark angewachsen", sagte UNHCR-Regionalkoordinatorin Helene Caux. Überwiegend Frauen und Kinder kämen über die Grenze.

Aus Furcht vor einem Militäreinsatz verließen seit Anfang der Woche zahlreiche Touristen ihre Hotels an der gambischen Küste. Einige Reiseveranstalter brachten ihre Kunden mit gecharterten Flügen außer Landes, die Evakuierungen waren aber nicht verpflichtend.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde ein Tweet zitiert, der angeblich vom Account des gewählten Präsidenten Adama Barrow stammte. Es ist jedoch unklar, ob es sich tatsächlich um dessen Twitter-Account handelt. Wir haben das Zitat und den Tweet deshalb aus dem Text entfernt.

insgesamt 19 Beiträge
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haltetdendieb 18.01.2017
1. So ist es richtig
Wieso kommen die beiden Länder so schnell zu einer Lösung. Wieso gelingt das der Freien Welt nicht annähernd so zeitnah? Jammeh hört jetzt hoffentlich endlich den Schuß!
Atheist_Crusader 18.01.2017
2.
Auf der einen Seite bin ich mehr als skeptisch beim Gedanken an so eine Intervention. Denn selbst wenn die aus den selbstlosesten Motiven geschehen sollte (und mir fehlt zugegebenermaßen das Hintergrundwissen um das beurteilen zu können), geht sowas selten ohne Tote und große Sachschäden vonstatten. Auf der anderen finde ich es irgendwie ermutigend, wenn afrikanische Demokratien aufeinander aufpassen und die Nachbarn nicht zusehen wie in ihrem Viertel Diktaturen sprießen.
Katharina Merowing 18.01.2017
3. Stereotypisches Bild
afrikanischer Machtverhältnisse. Das Tragische daran ist nicht etwa die erstarkende Korruption, sondern der kommende Einbruch des zweitwichtigsten Wirtschaftszweigs Gambias: Tourismus. Schade, dass ein Machhaber lieber "sein" Land schwächt, als selbst in würde abzutreten.
Airkraft 18.01.2017
4. Wer nicht...
Wer nicht rechtzeitig selbst zurücktritt, wird notfalls "zurückgetreten". Die Fälle Saddam Hussein und Muammar al-Gaddafi sollten ihm da eine Warnung sein ;-)
panzerknacker 51 18.01.2017
5. afrikanische Demokratien?
Zitat von Atheist_CrusaderAuf der einen Seite bin ich mehr als skeptisch beim Gedanken an so eine Intervention. Denn selbst wenn die aus den selbstlosesten Motiven geschehen sollte (und mir fehlt zugegebenermaßen das Hintergrundwissen um das beurteilen zu können), geht sowas selten ohne Tote und große Sachschäden vonstatten. Auf der anderen finde ich es irgendwie ermutigend, wenn afrikanische Demokratien aufeinander aufpassen und die Nachbarn nicht zusehen wie in ihrem Viertel Diktaturen sprießen.
Das ist ja wohl an Blauäugigkeit nicht zu überbieten. Im Senegal und in Nigeria herrschen Regierungen, die durch tribalistische Organisationen (man nennt es einfach mal Parteien) an die Macht gekauft wurden, weil man der eigenen Klientel das Blaue vom Himmel versprochen hat. Gambias Herrscher passt nicht in deren Stammeskonzept. Wenn ja, würden sie ihn auch nicht bekämpfen.
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