Gauck in Kabul: "Wir lassen Afghanistan nicht im Stich"
Der Bundespräsident sichert Afghanistan langfristige deutsche Hilfe zu, findet aber auch mahnende Worte bei seinem ersten Besuch am Hindukusch. Joachim Gauck fordert Fortschritte für Demokratie und Menschenrechte.
Hamid Karzai (l) und Joachim Gauck: Mit militärischen Ehren empfangen
Kabul - Afghanistan wird auch nach dem Truppenabzug Ende 2014 mit umfangreicher deutscher Hilfe rechnen können. Das kündigte Bundespräsident Joachim Gauck am Dienstag in Kabul an. Dort traf er den afghanischen Präsidenten Hamid Karzai. "Wir wollen nicht in den Verdacht geraten, dass wir unsere Freundschaft vergessen würden. Wir lassen Afghanistan nicht im Stich", sagte Gauck. Afghanistan kann ab 2015 mit Hilfszusagen von 450 Millionen Euro pro Jahr rechnen.
Der Bundespräsident mahnte aber auch Fortschritte bei der Demokratisierung des Landes an. Er erwarte, "dass sich die afghanische Seite ins Bewusstsein ruft, welche Verpflichtungen sie eingegangen ist", so Gauck. Die Bekämpfung der weitverbreiteten Korruption gilt als eine der Hauptaufgaben der Regierung Karzai. Der Staatschef betonte besonders die Gleichstellung der Frauen im Land.
Karzai dankte Deutschland für die Unterstützung und würdigte Gauck als engagierten Kämpfer für die Freiheit. Er verlieh dem Bundespräsidenten den Sonnenorden, eine der höchsten Auszeichnungen des Landes.
Am Nachmittag will Gauck mit islamischen Religionsgelehrten zusammentreffen. Wegen schlechten Wetters kam er zwei Stunden später als geplant vom nordafghanischen Masar-i-Scharif nach Kabul. Begleitet wird er auf der dreitägigen Reise von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt.
Gauck war am Montag zu einem Überraschungsbesuch in Afghanistan eingetroffen. Er landete im nordafghanischen Masar-i-Scharif, um sich vor Ort ein Bild der Lage des Einsatzes und der Stimmung bei den deutschen Soldaten zu verschaffen.
Die Visite war im Vorfeld aus Sicherheitsgründen streng geheim gehalten worden, noch immer gelten die Besuche von Staatsoberhäuptern am Hindukusch als heikle Missionen. Es herrschen schärfste Sicherheitsvorkehrungen. Im Feldlager in Masar-i-Scharif, in dem etwa 2000 der 4500 Bundeswehrsoldaten am Hindukusch stationiert sind, dankte er deutschen Soldaten, Polizisten und Entwicklungshelfern für ihren Einsatz.
"Wir sind nicht am Ziel - und doch spreche ich bewusst von Erfolg", sagte Gauck am Montag im größten deutschen Feldlager in Masar-i-Scharif. Zugleich äußerte das Staatsoberhaupt den Wunsch, die deutsche Debatte über die Situation am Hindukusch möge "weder Schwarzmalerei noch Schönfärberei, sondern Realismus" prägen. Im Land herrschten weiterhin "kriegsähnliche Zustände", sagte Gauck und griff damit den politischen Wechsel in der früher lediglich als Unterstützungseinsatz bezeichneten Isaf-Mission auf. Doch sei das eben nicht die ganze Realität. Vor deutschen und internationalen Soldaten, Polizisten und Entwicklungshelfern fügte der Bundespräsident hinzu: "Von verwundeten oder getöteten Soldaten hören wir verlässlich - von neuen Stromanschlüssen, gelungenen Unternehmen, erfolgreichen Schulabschlüssen selten."
Der Abzug der Bundeswehr ist bis Ende 2014 geplant. Dann wollen die Afghanen selbst für ihre Sicherheit sorgen. Gauck bekräftigte bei seinem Besuch aber, dass sich Deutschland auch ab 2015 im Land weiter beratend und helfend engagieren will.
heb/dapd/dpa
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- Dienstag, 18.12.2012 – 12:28 Uhr
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Fläche: 652.225 km²
Bevölkerung: 31,412 Mio.
Hauptstadt: Kabul
Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai
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