Ein Jahr nach dem Gazakrieg Im Trümmermeer

Wo bleibt die Hilfe für Gaza? Seit einem Jahr ist der Krieg vorbei, doch die zugesagte Unterstützung ist bisher nur spärlich eingetroffen. Ganze Stadtviertel liegen noch immer in Schutt und Asche.

REUTERS

Es ist Sommer am Mittelmeer, der Strand voll. Kinder planschen im Wasser, und auch die Erwachsenen stürzen sich auf der Suche nach Abkühlung in die Wellen. Die Szene könnte sich so an endlos vielen Stränden abspielen - würden hinter dem weißen Sand nicht die verkohlten Trümmer eines zerbombten Gebäudes in den Himmel ragen. Willkommen im Gazastreifen, ein Jahr nach dem Krieg.

Am 26. August 2014 endete der bisher schlimmste Gazakrieg nach 50 Tagen. Die bittere Bilanz: Über 2200 Palästinenser wurden getötet, davon zwei Drittel Zivilisten. Allein 521 Kinder starben. Tausende Menschen wurden verletzt, rund 20.000 Häuser vollständig zerstört oder schwer beschädigt.

Auf israelischer Seite kamen 66 Soldaten ums Leben, ein Sicherheitsberater, vier israelische Zivilisten. Dazu ein ausländischer Zivilist.

Seitdem scheint die Welt die Menschen im Gazastreifen vergessen zu haben. Zwar wurde damals, kurz nach Kriegsende, international viel Hilfe versprochen. Angekommen ist bisher kaum etwas. Noch immer riegeln Israel und Ägypten das kleine Stückchen Land nach außen ab.

Für den Wiederaufbau gibt es kein Material

Es fehlt an allem, auch an Zement für den Wiederaufbau. Israel und Ägypten wollen nicht, dass Baumaterial in die Hände der radikalislamischen Hamas fällt, die im Gazastreifen 2007 die Macht an sich gerissen hat und das Gebiet seitdem autoritär beherrscht.

Die Menschen im Gazastreifen leiden doppelt: unter der Hamas und der Blockadepolitik ihrer Nachbarn. Israels Militär geht davon aus, dass es der Hamas-Terrororganisation trotz der Isolation gelungen ist, ihr Raketenarsenal wieder aufzufüllen und neue Angriffstunnel nach Israel zu bauen.

Erklärtes Ziel der Hamas ist es, Israel zu vernichten. Viele israelische Familien sind aus dem Grenzgebiet zum Gazastreifen fortgezogen, obwohl dort Steuervergünstigungen und niedrige Mieten locken. Zu groß ist ihre Angst vor Raketenattacken oder Angreifern, die durch die Tunnel kommen.

ras



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