Gewalt im Gazastreifen Israel fliegt "größten Tageslicht-Angriff" seit 2014

Israel hat nach eigenen Angaben 40 militärische Ziele der Hamas im Gazastreifen bombardiert. Seit Jahren habe man tagsüber keine so intensiven Angriffe geflogen, teilte die Armee mit. Mindestens zwei Menschen starben.

Rauchwolke ist über der Stadt Rafah nach einem israelischen Raketenangriffe
DPA

Rauchwolke ist über der Stadt Rafah nach einem israelischen Raketenangriffe


Der Konflikt zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas ist erneut gefährlich eskaliert. Israels Luftwaffe flog am Samstag massive Luftangriffe auf Hamas-Ziele. Es handele sich um "den größten Tageslicht-Angriff" seit dem Gaza-Krieg im Sommer 2014, sagte der israelische Armeesprecher Jonathan Conricus der Nachrichtenagentur dpa.

Israel hatte bereits in der Nacht Stellungen der Hamas attackiert, darunter zwei Angriffstunnel. Allein in einer dritten Welle tagsüber seien 40 militärische Hamas-Ziele bombardiert worden, sagte Conricus. Das Hauptquartier eines Hamas-Bataillons in Beit Lahia im Norden des Gazastreifens sei komplett zerstört worden, ebenso wie ein logistisches Zentrum.

Militante Palästinenser feuerten den Angaben zufolge 20 Mörsergranaten und Raketen auf israelisches Gebiet ab, zusätzlich zu 35 Geschossen in der Nacht.

Laut dem Gesundheitsministerium in Gaza starben am Samstag zwei palästinensische Jugendliche in Gaza-Stadt, als die israelische Luftwaffe ein Gebäude neben einer Polizeianlage der Hamas und einem öffentlichen Park zerstörte. Nach Angaben von Augenzeugen hielten sie sich in der Nähe des Gebäudes auf.

Nach israelischen Angaben wurden drei Israelis - ein 52-jähriger Mann und zwei junge Frauen - verwundet, als eine Rakete am Samstag ein Haus in Sderot traf.

Conricus sprach von "Vergeltung der israelischen Armee gegen die Hamas". Seit Monaten verübe die radikalislamische Palästinenserorganisation Terrorangriffe auf Israel. Der Armeesprecher bezog sich auf Attacken mit Brand-Drachen, Raketen und Mörsergranaten sowie Angriffe am Grenzzaun.

Wochenlange Proteste

Am Freitag war bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der israelischen Armee an der Grenze des Gazastreifens ein palästinensischer Jugendlicher getötet worden. Mehr als zwei Dutzend Menschen wurden nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums in Gaza verletzt.

Tausende Palästinenser hätten im Gazastreifen an der Grenze zu Israel Granaten, Sprengsätze und Brandbomben geworfen, teilte die israelische Armee mit. Soldaten hätten einen Versuch bemerkt, den Sicherheitszaun zu durchbrechen - und daraufhin das Feuer eröffnet.

Seit dem 30. März haben israelische Soldaten bei teils gewaltsamen Protesten an der Gaza-Grenze nach palästinensischen Angaben rund 140 Menschen getötet. Die Palästinenser fordern ein Ende der vor mehr als zehn Jahren verhängten Gaza-Blockade und ein Rückkehrrecht in das israelische Staatsgebiet.

Der Uno-Menschenrechtsrat hat beschlossen, eine unabhängige Untersuchungskommission in den Gazastreifen zu schicken. Experten sollen prüfen, ob dort das humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte verletzt wurden. (Einen Bericht unserer Korrespondentin Anna Reimann über die Eskalation der Gewalt und die Lage in Jerusalem lesen Sie hier.)

lov/AFP/AP/dpa

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